Feierlicher Gottesdienst in der Jesuitenkirche Luzern

zur Gründung der neuen Jesuitenprovinz

Am 27. April 2021 wurden sechs Länder Teil der neuen Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten (ECE): Deutschland und Schweden, die Schweiz und Österreich, Litauen und Lettland. Gefeiert wurde dies in der Deutschschweiz mit einem abendlichen Gottesdienst in der Jesuitenkirche Luzern.

Es war ein feierlicher Akt: Die Jesuiten der Deutschschweiz und geladene Gäste – die Corona-Massnahmen lassen lediglich 50 Personen zu – feierten in der Jesuitenkirche in Luzern die Gründung der neuen Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten. Ebenso wurde des Hl. Petrus Canisius in seinem  500. Geburtsjahr gedacht. Der Gründer von zahlreichen Schulen und Kollegien ist Schutzpatron der neuen Provinz, zu der auch die Schweiz gehört.

Ein Orden, schon immer global und universal

Christian Rutishauser, bis gestern Provinzial der Schweizer Jesuiten und neu Delegat für Schulen und Hochschulen der neuen Provinz mit Sitz in München, hielt die Ansprache im Festgottesdienst. Er erinnerte an die Gründung des Jesuitenordens im 16. Jahrhundert, der von allem Anfang an global und universal agierte. «Die Jesuiten wurden schnell in verschiedene Länder geschickt. Von Beginn weg gab es ein Zusammenwirken von Menschen mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen», erläuterte Rutishauser und schilderte, wie der Orden seit jeher bestrebt war, die Kulturen vor Ort  kennen zu lernen und zu schätzen, so dass eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehe. Diese Grundhaltung verpflichtet. «Heute leben wir in einer noch globalisierteren Welt. Und wie sollte das nicht sein, dass gerade Jesuiten ihr Charisma erneuern und einbringen können?»

Um diesem Auftrag in einer globalen und digitalen Welt treu zu bleiben, brauche es erneuerte Ordens-Strukturen. Die mehrheitlich deutschsprachigen Provinzen Deutschland, Österreich und Schweiz, zu denen Litauen seit der Wende engen Kontakt pflege, haben laut Rutishauser ihre Zusammenarbeit schon seit längerem intensiviert. Gerade der Austausch zwischen Bildungshäusern, Hochschulseelsorge und Citykirchen sei rege. Dieser Prozess münde nun in die Gründung der Zentraleuropäischen Provinz. Christian Rutishauser sprach von vielen Freundschaften, die über Ländergrenzen hinweg entstanden seien.

Bildungshäuser der Jesuiten auch in Zukunft wichtig

Er erwähnte des weiteren die acht Delegate, die in den vergangenen Monaten gebildet wurden, so etwa die Delegate für Soziales, für Ökologie, für Exerzitien- und Bildungshäuser, für Pastoral und junge Menschen. «Sie liegen der Gesellschaft Jesu besonders am Herzen», sagte er. In diesem Kontext erwähnte er das Lassalle-Haus. «Ignatiansiche Exerzitien werden auch in Zukunft ein Instrument sein, um die Menschen auf ihrem geistlichen und spirituellen Weg zu begleiten.»

Wie das Lassalle-Haus seien die weiteren spirituellen Zentren der Jesuiten Zentraleuropas auch in Zukunft wichtig. «Es sind kleine Laboratorien, in denen gearbeitet und nachgedacht wird.» Christian Rutishauser ist überzeugt, dass die Delegate intensiv zusammenarbeiten und Synergien nutzen können,  »so kann das Charisma der Gesellschaft Jesu in unserer Zeit neu aufleuchten.»

Bruno Füglistallers legte den Fokus seiner Rede auf der Frage, wie es gelinge, eine neue Provinz auf sicherem  Grund aufzubauen. «Wir alle wollen dienen – der Kirche, den Mitmenschen und der Welt», so der Jesuit. Dienen im Sinne, Menschen zu begleiten, Verantwortung zu übernehmen. «Das ist es, was uns alle vereint, in all unserer Unterschiedlichkeit», sagte Füglistaller.  

Grosse Hoffnungen in die neue Provinz

Nach dem Gottesdienst mit feierlicher musikalischer Umrahmung trafen sich Jesuiten und Gäste  in der Sakristei zu einem Apéro. Dort wurde auch über die Hoffnungen gesprochen, die man in die neue Zentraleuropäische Provinz setzt. Bruno Brantschen SJ: «Durch den Zusammenschluss der Provinzen in einer gemeinsamen Provinz kommen wir unserem ursprünglichen Ordens-Charisma wieder näher. Wir kommen weg von der Tendenz des provinziellen Denkens hin zu einer weitsichtigeren, globaleren Sicht- und Vorgehensweise.» Die Anzahl Kommunitäten der Jesuiten werden weniger und die Ordensmänner älter, umso wichtiger seien die Chancen der Vernetzung.  »Wir können unsere Kräfte bündeln, sinnvoll einsetzen und so nach wie vor einen wesentlichen Beitrag in Gesellschaft und Kirche leisten», sagte Bruno Brantschen, «das ist meine Hoffnung.»

Vera Rüttimann

Feierlicher Gottesdienst in der Jesuitenkirche Luzern der Deutschschweizer Jesuiten zur Gründung der neuen Jesuiten-Provinz. Aufgrund der geltenen Corona-Massnahmen durften nur 50 Personen teilnehmen | © zVg / jesuiten.org
jesuiten.org
29. April 2021 | 11:59