Taizé ist so ähnlich wie ein IKEA-Möbelstück...

Drei Mädchen aus Leuggern und Kleindöttingen, die vor wenigen Wochen gefirmt worden waren, waren von Mittwoch, 28. Mai 2014 bis Sonntag, 1. Juni 2014 zusammen mit Jugendlichen aus Bad Zurzach, Aarau und dem Fricktal in Taizé.

"Ich bin eigentlich mit einem ziemlich unguten Gefühl losgefahren am Mittwoch", gibt Martina (15) bei der Heimreise zu. "Ja", stimmt ihr Sharon zu, "als ich gelesen hatte, dass man da dreimal am Tag in die Kirche muss, habe ich auch gedacht: das wird wohl ziemlich doof werden. Aber ich glaube, ich habe noch nie soviel und so gerne gesungen wie in diesen Tagen in Taizé!" Und auch Rita (16) hat ihr ganz persönliches Highlight: "Ich hätte nie gedacht, dass man so schnell und einfach neue Leute kennen lernen und Freundinnen und Freunde finden kann. Diese Erfahrung möchte ich gerne mit nach Hause nehmen und im Alltag versuchen, dieselbe Freundlichkeit und Offenheit zu zeigen, wie ich sie in Taizé erlebt habe."

Die drei Mädchen, die im April gefirmt worden waren, verbrachten zusammen mit Jugendseelsorger Thomas Scheibel und rund 40 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Bad Zurzach, Aarau und dem Fricktal vier Tage bei der Gemeinschaft von Taizé im französischen Burgund. Nach etwa sechsstündiger Carfahrt war die Skepsis bei der Ankunft in Taizé noch nicht ganz verflogen, obwohl in der Gruppe auch viele Personen waren, die schon zum x-ten Mal in dem ökumenischen Begegnungszentrum auf dem grünen Hügel waren und mit ihrer Begeisterung und Vorfreude ansteckten.

Nach dem Aufbau der Zelte ging es dann auch gleich zum ersten Mal in die Versöhnungskirche zum Abendgebet mit der "Communauté". "Am Anfang fand ich den Gottesdienst ziemlich komisch", gesteht Martina. Kein Wunder: Man sitzt auf dem Boden, alle schauen in eine Richtung, es gibt keinen "Pfarrer" oder so etwas und dann wird vor allem gesungen: "Iedere nacht verlang ik naar u, o God, ik hunker naar u met heel mijn ziel." klingt es da auf holländisch und wird x-mal wiederholt, danach geht es dann auf Schwedisch weiter: "Kristus, din Ande i oss är en källa med porlande vatten". Und weil in diesen Tagen besonders viele Pilger aus deutschsprachigen Ländern in Taizé sind, gibt es auch zwei deutschsprachige Lieder: "Behüte mich Gott" und "Singt dem Herrn ein neues Lied!" Martina ist ganz begeistert von dieser Vielsprachigkeit und Rita ergänzt: "Das letzte Lied läuft mir immer noch nach..."

Die berühmten "Taizé-Gesänge" werden als Ohrwürmer bestimmt noch lange Zeit in den jungen Pilgern nachklingen. Aber bestimmt auch die vielen anderen Erfahrungen und Eindrücke, die man in Taizé erleben kann. Bruder Jasper aus Holland, der jeden Morgen um 10 Uhr mit viel Witz und Esprit die Bibeleinführung für die 15- und 16jährigen Jugendlichen hielt, hat es so erklärt: Taizé ist wie ein IKEA-Möbelstück. Man erhält einen Bausatz mit vielen Teilen, dazu Werkzeug und einen Bauplan. Aber zusammensetzen muss man das Teil selber. So bietet auch Taizé seinen Besucherinnen und Besuchern viele Bauteile, die sie selber zusammensetzen und daraus einen Plan für ihr eigenes Leben, für das Zusammenleben mit Anderen und für ihre Beziehung zu Gott herstellen.

Und nach der (zum Teil tränenreichen!) Verabschiedung kam auf der Heimfahrt bereits die typische Frage nach einem Taizé-Aufenthalt: "Fahren wir im nächsten Jahr wieder hin...?"

Mehr zur Geschichte und zum Leben in Taizé findet man auf der sehr gut aufbereiteten Website www.taizé.fr

Von: Thomas Scheibel

Datum: 02.06.2014

So habe ich die Tage in Taizé erlebt!

Die folgenden Beiträge wurde auf der Heimreise von Taizé von den Reiseteilnehmenden selbst verfasst:

"Wie sehr das ich Taizé vermisst habe, wurde mir erst wieder so richtig bewusst als ich in der Kirche von Taizé saß. Ein Kirche, ein Ort voller Leben! Gesänge die das Herz öffnen und in das tiefste Innere meines Körpers eindringt. Was mich aber persönlich am meisten berührt sind die vielen Jugendlichen die gemeinsam in Frieden, Freude und gegenseitiger Wertschätzung sich begegnen. Das zeigt mir, das wir in eine gute gemeinsame Zukunft gegen können. Taizé ich komme wieder!"

"Da ich das erste mal in Taizé war, hatte ich nicht wirklich eine große Vorstellung davon, nur einzelne Erzählungen von meiner Schwester. Doch ich war wirklich überrascht, wie gut es mir gefallen hat. Vor allem die Kirche, in der alle Leute zusammen die Lieder und Gebete sangen. Aber auch andere Leute in den Bibelgruppen kennen zu lernen. Ich würde sagen: Ich komme das nächste mal wahrscheinlich wieder mit :)"

"Ich war zum ersten Mal in Taizé und wusste nicht genau, auf was ich mich eingelassen hatte. Überall wo man hinging, waren Leute, die sich alle wie eine riesengroße Familie behandelten. Man aß zusammen, sang zusammen in der Kirche und spielte Spiele. Für mich war das Abwaschen eine lustige Erfahrung. Wir wurden gefragt und haben spontan ja gesagt. Dann stand man um einen großen Topf und wusch zusammen ab. Am Schluss waren rund 2900 Teller, Löffel und Becher abgewaschen. Alles in allem hat mir Taizé gut gefallen."

"Sobald ich aus dem Car aussteige, ist der ganze Alltagsstress vergessen. Taizé ist für mich eine andere Welt. Hier sind Handy und Internet unwichtig. Den Abwasch, welcher etwa zweieinhalb Stunden am Tag in Anspruch nimmt, mache ich gerne. Hier beschwert man sich nicht, dass man arbeiten muss, denn das Gefühl, dass man anderen eine Freude damit macht, ist Lohn genug. Hier gehe ich auch gerne in die Kirche, denn wenn 3000 Leute miteinander singen, löst das Gelassenheit und vor allem ein großes Glücksgefühl aus. Hier zählen nicht die gleichen Werte wie zu Hause. Wenn ich dann wieder nach Hause zurückkehre, nehme ich eine große Lebensfreude mit, und freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr."

"Ich war jetzt schon zum 4 mal in Taizé und ich muss sagen, jedes Mal war es eine Geschichte für sich. Kein Jahr ist wie das andere. Unter Anderem weil man jedes Jahr neue Leute kennen lernt. Das mag ich so in Taizé. Ich bin ein äusserst offener Mensch und in Taizé schaut dich niemand komisch an, wenn du ihn aus dem Nichts anquatschst."

"Du kannst eine interessante Diskussion führen, ein neues Spiel erlernen, einen Witz machen oder jemanden einfach durch ein zartes aber bestimmtes Klopfen an der Tür mit einem "hallo, we are the welcometeam" wecken und danach nie wieder sehen. Natürlich kann man auf ein Wiedersehen in Taizé freuen, denn das ist Taizé: ein Treffpunkt für Menschen aus ganz Europa, die alle das gleiche Ziel haben. Ein paar Tage in Frieden und mit Freude miteinander verbringen. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr und zähle die Tage bis ich wieder in der Kirche singen kann."

"Ich wollte schon vor zwei Jahren nach Taizé kommen, doch da hat es zeitlich nicht gepasst. Dieses Jahr hat es geklappt. Die Reise und der Aufenthalt haben mir gut gefallen. Ich fand es eindrücklich, mit so vielen anderen Menschen einfach in Gespräche zu kommen und über das Leben zu reden. Mir hat die Kirche in Taizé gut gefallen und die Art, wie sie dort Gottesdienst feiern. Ich fand es schön, dass wir in Taizé viele Lieder sangen. In Taizé habe ich viele neue und nette Leute kennengelernt und fand es gut auch einmal in einem Zelt zu schlafen. Es war zwar über Nacht ein bisschen kalt geworden aber es hat mir sehr gefallen."

"Wir waren zum ersten mal in Taizé, und es war super. Anfangs waren wir sehr gespannt, was uns erwarten wird. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir so viele nette und lebensfreudige Menschen kennen lernen. Das Leben hier ist sehr einfach gehalten, doch wir waren erstaunt dass man mit so wenigen Mitteln eine Menge von Menschen zu Frieden stellen kann. Es war eine gute Erfahrung, die man gerne wieder erleben möchte."

"Ich steige aus dem Car und atme einmal tief ein. Eigentlich strömt normale Luft, wie ich sie schon zu Hause eingeatmet habe, in meine Lunge; und doch ist diese Luft anders. In einem Atemzug vereinen sich Lebensfreude, Friede, Freundschaft und Spiritualität. Ich bin in Taizé angekommen, will am liebsten für immer an diesem schönsten Ort der Welt bleiben und muss trotzdem wieder gehen. Aber ich komme ganz sicher wieder!"

"Ich bin begeistert von Taizé: so viele Menschen auf einem Haufen, die man sich gar nicht vorstellen kann. Da ich zum ersten mal mitging, wusste ich nicht ganz, was mich erwartet. Der Gottesdienst ist völlig änders als bei uns, und es wird viel mehr und schöner gesungen. Alle sind in einer Gemeinschaft zusammen, und Ausgeschlossene gibt es nicht :) Freude, Frieden und Glaube wird groß geschrieben, und das gefällt mir. Das Essen hat mir am besten gefallen :P"

"Es war schön, nach vielen Jahren mal wieder in Taizé zu sein und festzustellen, dass sich dort (Gott sei Dank!) gar nicht viel verändert hat: die vielen fröhlichen (jungen) Menschen, die stimmungsvollen Gebete und Gesänge und das Schlangestehen vor den Mahlzeiten. Mir bleibt ein Satz von Bruder Jasper in Erinnerung, den er am ersten Tag in einer Bibeleinführung gesagt hat: Taizé ist wie ein IKEA-Möbelstück. Man bekommt viele Bausteine, muss sie dann aber selber zusammensetzen."

"Die Ankunft ist wie jedes Mal ein ziemliches Chaos. Einführung (da müssen auch alte Taizéhasen jedes Mal durch), Zelte aufbauen, erster Gottesdienst. Die meditativen Gesänge ziehen mich wie jedes Mal schnell in Bann. Wenn 2000-3000 Leute in einem Raum zusammen singen, mehrstimmig, das gibt eine tolle Stimmung. Und dies täglich drei Mal. Zur Abwechslung das gemeinsame Arbeiten, das gemeinsame Anstehen bei der Essensausgabe oder ruhige Momente in der Dorfkirche oder an der Quelle. Spannende, auf mehrere Sprachen übersetzte Bibeleinführungen mit anschließenden Diskussionen in Kleingruppen. Da bleibt man mehr oder weniger bei den vorgegebenen Fragen. Landestypische Spiele und Sprechgesänge werden da schon mal zur Ablenkung vom Text vorgeschoben. Lustig, abwechslungsreich, meditativ, super, um Kontakte zu knüpfen, perfekt um Fremdsprachen anzuwenden und die Altstimme vieler Gesänge zu üben. Taizé!

"Wieder mal da. Ankunft und  Dauer ist wie immer nicht ideal. Aber besser als nix. Immer wieder eine utopische Ahnung, wie es sein könnte, sein wird. Sehnsucht. Neu ist hier die Gabenbereitung, die Kinder mit den Kerzen, Jugendliche mit Kleidern aus allen Kontinenten bringen Gaben nach vorn und bleiben noch etwas. Taizé als Ikone.

"Ich komme immer wieder gerne nach Taizé. Für mich ist es ein Ort der Freude, Gemeinschaft und des Friedens. Die Stimmung ist immer super und reißt einen einfach mit. Hier kann ich so richtig "runterfahren" und Handy, Computer und alles andere mal zur Seite legen. Mir gefällt der Tagesablauf hier sehr, alle helfen mit und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut alles funktioniert. Die Brüder von Taizé sprechen uns Jugendliche direkt an, sei es bei der Bibeleinfühung, im Gebet oder bei der Arbeit. Es ist toll, wie offen sie mit uns sprechen. Du gehst hier dreimal am Tag in die Kirche, zusammen mit tausend anderen Menschen und singst und betest gemeinsam. Ich werde immer wieder nach Taizé fahren, für mich gehört es einfach fest im Jahr dazu."