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Entstehung der Pfarrei Kleindöttingen

Vorgeschichte

Mit der Einweihung der Antoniuskirche 1971 geht für die Kleindöttinger Katholiken ein lang gehegter Wünsch in Erfüllung.

Zur Kirchgemeinde Leuggern, die sich heute über die vierpolitischen Gemeinden Böttstein, Full-Reuenthal, Leuggern und Mandach erstreckt, gehörte bis 1879 auch die Gemeinde Leibstadt und bis Ende es 18. Jahrhunderts sogar die Ortschaft Schwaderloch. Diese mittelalterliche Grosspfarrei, das Kirchspiel, ist jedenfalls schon früh entstanden und dürfte in die Christlich-alemannische Zeit und damit ins 9. oder 10 Jahrhundert zurückreichen.

Anfangs der 40-er Jahre des letzen Jahrhunderts zeichnete sich eine völlig neu gelagerte Situation ab. Leuggern blieb mit der grossschiffigen neugotischen Kirche nur noch äusserlich die Dominante.

Die Pfarrei wuchs an der Peripherie in Full/Felsenau und ganz besonders in Kleindöttingen. Die Einwohnerzahl schnellte rasch von ca. 300 Personen in den Vierzigerjahren bis auf 2000 1970 hoch. Die Pastoration wurde den Verhältnissen angepasst. In Full wie in Kleindöttingen wurde an Sonntagen und mindestens einmal pro Woche Gottesdienste gehalten. Diese fanden mit bischöflicher Erlaubnis zum ersten Mal am 2.12.1951 im Untergeschoss der Turnhalle (heutiger Militär-Essraum) statt. Damit blieb die grosse Pfarrei eine Einheit die bestrebt war, gemeinsam Probleme der Zukunft zu lösen.

Die Kirchgemeinde hat die Verpflichtung übernommen, an die einzelnen Kapellen, welche Vereinen gehörten, jährlich für den Unterhalt eine Rückerstattung der Steuern zu gewähren. In diesen Genuss kam auch der am 22.8.1947 gegründete Kirchenbauverein Kleindöttingen, der finanziell rasch erstarkte. Der Verein zählte 44 Mitglieder, die mit einem jährlichen Beitrag von Fr. 4.- das Vereinsziel verwirklichen halfen.

1953 konnte sich der Verein mit ihrem Vermögen von Fr. 6800.- das Grundstück von 40 Aren zum Preis von 20'000.- (pro m 5.-) sichern!  Der Mitgliederbeitrag erhöhte sich darauf auf Fr. 10.- pro Jahr. Mit vielen Aktionen wir Lotto, Papiersammlungen oder anderen Veranstaltungen war man bemüht das Vermögen zu äufnen.

 

Beschluss und Bau

16.2.1964 wurde beschlossen, die Kirche St. Peter und Paul in Leuggern grundlegend zu renovieren und gleichzeitig auch den Neubau einer Kirche in Kleindöttingen voranzutreiben.

Die Bedenken einer Überschuldung wurden  durch das schnelle Anwachsen der Kirchensteuern (45%) und der Spendenfreudigkeit der Bevölkerung widerlegt.

1967 bewilligte dann die Kirchgemeindeversammlung von Leuggern für Fr. 30'000.- ein Vorprojekt, das folgende Kriterien erfüllen sollte:

  • Einladung zum Projektwettbewerb (Dr. J. Dahinden, Zürich, Otto Sperisen, Solothurn und Walter Moser, Zürich).
  • Die Kirche sollte für 450 Personen Platz bieten,
    im Saal sollten es 250 sein.
  • Eine Teeküche, das Pfarrhaus und ein Turm mit
    vier Glocken musste geplant werden.

Am 20.2.1968 wurde beschlossen, den Bau der Antoniuskirche zu verwirklichen. Viele Jahre des Sparens, der Planung und des Verhandelns ging dem Bau voraus.


Am 6.6.68 wurde das Projekt des Architekten Dr. Justus Dahinden aus Zürich gutgeheissen.

Am 14. Juni 1969 fand unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung der Spatenstich statt. Bei den Bauarbeiten wurde zuerst der Bau des Pfarrhauses vorangetrieben.


Baudaten

  • Wettbewerb                          Frühjahr 1968
  • Baubeginn, Spatenstich         14.6.1969
  • Grundsteinlegung                  23.8.1970
  • Glockenweihe                       14.3. 1970
  • Kirchenbau-/Rohbaufest        Juni 1970
  • Kirchweihe                           21.3.1971
  • Patrozinium                          Hl. Antonius von Padua im Juni

 Umbauter Raum                   

  • Pfarrhaus   1625m3
  • Kirche        8006m3
  • Turm           176m3

Baukosten

  • Kirche, Pfarrhaus, Turm und Orgel: Fr. 2'400'000.-
  • Pfarrhaus inkl. Heizzentrale und Fernleitung: Fr. 510'300.-
  • Kirche inkl. Ausstattung der Räume, Orgel, Bestuhlung, Belechtung: Fr. 1'640'000.-
  • Turm, Geläute mit 4 Glocken:Fr. 140'790.-

 

Glockenturm - Glocken

Die vier Glocken wurden durch die Giesserei Rüetschi AG am 11. Dezember 1969  in Aarau hergestellt. Sie wurden von Einwohnern aus Kleindöttingen gespendet.


Am 14. März 1970 fand die Weihe der Glocken statt durch den Domherr Felix Schmid, Solothurn zusammen mit Ehrendomherr Robert Furrer, Leuggern und Dekan Albert Häfeli aus Leibstadt. Der Aufzug auf ein Eisengerüst erfolgte mechanisch. Der Turm wurde erst nachher aufgemauert.

1. Glocke Dreifaltigkeit:Ton d, 1700 kg (Sonntagsglocke)

2. Glocke Mutter Gottes:Ton f, 1000 kg (Segensglocke)

3. Glocke  Antonius:Ton g, 730 kg (Schutzpatron, Tauflglocke)

4. Glocke Bruder Klaus:Ton b, 420 kg (Fürbittglocke)

Einzug des neuen Pfarrers André Nicod in das neue Pfarrhaus am 3.11.70 

Offizielle Eröffnung der neuen Pfarrei am 15.11.70

Installation des ersten Pfarrers André Nicod am 21.3.1971

Walcker Orgel aus Ludwigsburg mit 23 + 5 Registern.

Kirchweihe 21.3.1971

Bischof Anton Hänggi weihte die Kirche dem Hl. Antonius von Pauda. In seiner eindrücklichen Festansprache beantwortete er die Frage, ob solche Grosszügigkeit in einer Zeit, die soziale Missstände immer noch nicht aus der Welt geschaffen seien, ein solcher Kirchenbau berechtigt sei, so:
 

Die Kirche als Raststätte auf unserem Weg

 

Ein Kirchenbau darf keine Abschliessung gegen andere sein. Er soll helfen, dass wir mit anderen den Weg finden und gehen. In diesem Sinne ist die neue Kirche eine RASTSTÄTTE, in der wir Kraft, Mut und Zuversicht holen können.


Bericht des Architekten:

Die kirchliche Neuanlage spricht die Sprache einer dörflichen Architektur. Es wurde angestrebt, mit Kirche und Pfarrhaus eine Gruppe zu bilden, die in ihrer äusseren, „halbäusseren“ und inneren Wegführung ein Umraumerlebnis in zeitlicher Abfolge mit sich bringt. Die Topografie des
Geländes erlaubt die Anlage eines Untergeschosses, welches für ausserliturgische Anlässe geeignet ist und das durch eine interne Rampenverbindung zum Andachtsraum die funktonale Verflechtung mit liturgischen Aktivitäten zulässt.

Auf repräsentative Denkmale (Reminiszenzenen), monumentale Fassaden und kolossale Portale wurde verzichtet. Der bescheidene Glockenturm, welcher im Wettbewerb nicht vorgesehen war, soll in seiner Stellung als Abschluss des Atriums einen gestalterischen Schwerpunkt bilden.

Der nach innen gewandte Kirchentraum kommt ohne architektonische Übersteigerung und belichtungsmässige Effekte aus;

Der Kirchenraum ist als

WOHNSTUBE

gedacht, die zum Verweilen einlädt.

Neben dem Haupteingang, gibt es einen Nebeneingang, welcher die Andachtskapelle erschliesst. In ihr war vorgesehen, den Tabernakel unterzubringen und  bei Bedarf den Werktagsgottesdienst durchzuführen. Das offene Ineinanderfliessen zwischen Hauptraum und Kapellenbezirk ist als konzeptuale Dualität so geformt, dass die Vielheit in der Einheit entsteht. Auf Wunsch der Bauherrschaft musst dann der Tabernakel im Chorbezirk platziert werden, wo die angestrebte Einzel- und Gruppenandacht erschwert ist.

Das Bauprinzip des offenen Hallen-Einraums erlaubt für den Gottesdienst die Scharung der Gläubigen um den liturgischen Ort. Damit für zukünftige Entwicklung genügen Spielraum gewährleistet wird, hat  man bei der Einrichtung auf Fixation verzichtet; Altar, Taufbrunnen und Ambo sind in lockerer Gruppierung aufgestellt. Der Tabernakel ist als transparente Hülle in Glas konstruiert; so wird er symbolisch für das Offensichtliche in der Realpräsent.

Das zur Verwendung gelangte Baumaterial ist in „Naturform“ belassen worden und es darf erwartet werden, dass der angestrebte „rote Faden“ der Architektur nicht bloss durch die Farbe der Backsteine augenscheinlich wird.

Dr. J. Dahinden, Architekt


Künstlerischer Schmuck

Muttergottesstatue in der Muttergotteskapelle: aus Burgos (Nordspanien) und war 1971 ca. 400 Jahre alt.

Antonius-Statue beim Haupteingang: nicht bekannt

Altar und Tabernakel:Architekturbüro Justus Dahinden

 

Texte aus der Festschrift „Zur Einweihung der St.Antoniuskirche Kleindöttingen, 21.3.1971