"Nacht der Lichter"

Jugendliche und Erwachsene haben in der Liebfrauenkirche in Waldshut einen stimmungsvollen Gottesdienst gefeiert nach der Liturgie von Taizé.

Bericht von Christian König, Ehrendingen

Vom Kirchenvater Augustinus stammt der Spruch, dass wer singt, zwei Mal betet. Gemäss dieser «Rechnung» wäre die Nacht der Lichter am Samstag, 19. November mit den 14 Taizé-Liedern ein sehr langes und intensives Gebet geworden. Die schlichte Feier war jedoch besinnlich und kurzweilig, die Liebfrauenkirche in Waldshut bis auf den letzten Platz besetzt. Die 1500 im Vorfeld verteilten Flyer sind wohl nicht der einzige Grund für diesen Erfolg. Eher das Mitmachen verschiedener Personen von beiden Seiten des Rheins, die Teilnahme zusammen mit Jugendlichen aus dem Religionsunterricht und der Jugendarbeit. Es waren die Lieder, die einen «innerlich getragen» haben, vom Taizé-Chor Waldshut kräftig vorgesungen und musikalisch begleitet durch Ulrike Jensen (Violine), Annette Sperling (Querflöte) und Thomas Scheibel (E-Piano).Vor allem aber stand die Versöhnungsbotschaft der Bibel im Zentrum, dieses Jahr mit einer Lesung aus dem Johannesevangelium: «Das ist mein Gebot: Ihr sollt einander lieben, so wie ich euch geliebt habe.» Mit einem kurzen Impuls dazu – der noch von Frère Roger (1915-2005) stammte – und einer anschliessenden Stille von einigen Minuten war thematisch und charakteristisch die Stimmung von Taizé da.

Wir brauchen die Stille

Beten ohne viele Worte, keine Predigt, meditative Gedanken, das «singende Beten». Oder müsste man besser sagen das «betende Singen»? Vom Ordensgründer Frère Roger stammen die Worte: «Wir brauchen die Stille, um diese Worte zu hören und in die Tat umzusetzen. Wenn wir aufgescheucht und beunruhigt sind, haben wir beliebig viele Argumente und Gründe, nicht ohne weiteres zu verzeihen und zu lieben. Wenn wir aber ‘unsere Seele in Frieden und Stille’ bewahren, verflüchtigen sich diese Gründe.» Natürlich war sein Leben diesem Grundsatz gewidmet, lebte Roger Schutz dies mit seinem Lebenszeugnis vor, «dass der Heilige Geist in ein stilles und armes Herz einzieht und es mit bedingungsloser Liebe erfüllt». So spürten alle Besucherinnen und Besucher dieser Grenzen überschreitenden Taizé-Feier in irgendeiner Weise das Licht der Hoffnung, in sich, im Miteinander, durch das Singen und Beten, den Kerzenschein und das Weitergeben des Lichtes von Kerze zu Kerze durch die Bankreihen hindurch. In der Bibel heisst es doch auch: «Es werde Licht – und es wurde Licht».

Anliegen von Jugendlichen

Was haben Jugendliche für Anliegen? Worum würden sie in einem Gottesdienst in aller Öffentlichkeit bitten? Jugendliche aus Ehrendingen hatten Fürbitten vorbereitet: «Dass alle Menschen das Recht haben, gleichbehandelt zu werden, ob arm oder reich.» «Barmherziger Gott, wir bitten dich, dass jeder Mensch das Beste aus seiner Lage macht und auch dafür kämpft, ohne die anderen zu vernachlässigen.» «Dass jeder eine Arbeit hat, die ihn zufrieden macht und auch noch Zeit für sich.» Einer der neun reformierten Jugendlichen aus Ehrendingen hatte eine sehr lange Bitte: «Wir bitten dich, alle Kriege zu einem Frieden zu verwandeln und für einmal etwas Verstand in die Menschen zu bringen. Denn wir sind 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten und etwa 1 Milliarde Menschen leiden Hunger. Wir produzieren jedoch Essen für 10 Milliarden. So bitte ich dich, belehre die Menschen, dass sie nicht nur für sich, sondern auch an die anderen denken und bring das überflüssige Essen zu den Hungernden.» Eine Bitte, der sich die Erwachsenen innerlich sicherlich auch anschliessen konnten. In der jetzt beginnenden Adventszeit kann ja das eine oder andere dazu unternommen werden. Von Jung und Alt, gemeinsam, ökumenisch.

Die Fotos unten und ein kurzer Film auf YouTube geben einen Eindruck von der Atmosphäre.