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Junge Kirche


Editorial der Ausgabe 4/2001 - Schweizer Seiten

Liebe Schweizer Leserinnen und Leser

Darf ich mich Euch zunächst vorstellen: Ich bin "die Neue" auf der deutschschweizerischen Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit. Ich freue mich sehr, dass zu dieser Funktion auch die Mitarbeit im Redaktionsteam für die Zeitschrift Junge Kirche gehört. Meine Wurzeln liegen in der Jugendverbandsarbeit, genauer in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in Deutschland, dessen Mitglieder sich mehrheitlich als "politisch" verstehen.

Gian Marco Schmid hat in seinem Artikel zu "Rap und Politik" für diese Art von Musik die Bezeichnung "grundpolitisch-kulturell" erfunden. Ich glaube, dieses Etikett lässt sich, wenn wir seine Bedeutung ein wenig ausfalten, auch für die kirchliche Jugendarbeit verleihen, zumindest dort, wo es sich um Jugendverbandsarbeit handelt.

Kirchliche Jugendarbeit lässt Kinder und Jugendliche im Erleben von Gemeinschaft und im spielerischen Tun erfahren, was es heisst, eine Wertorientierung zu erlangen und das, was man als wichtig und unverzichtbar erkannt hat, auch einzutreten. Partizipation und Mitbestimmung sind wichtige Elemente der Kultur eines Jugendvebandes schon in den lokalen Gruppen. Kinder und Jugendliche lernen, ihre Interessen zu benennen, sie (zunächst) unter Anleitung zu bündeln, sie nach aussen zu vertreten. Kirchliche Jugendarbeit an der Basis ist gemeinwesenorientiert, jugendliche Verantwortliche und bei Aktionen auch die Gruppen selbst nehmen ihren Platz im Gefüge ein, sie melden sich zu Wort, mischen mit. Im Verband wählen sie ihre VertreterInnen, sprechen ihnen ihr Vertrauen aus, kontrollieren deren Tun, bestätigen sie oder wählen gegebenfalls neue Personen in die entsprechenden Funktionen.

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Schweizer jungen Erwachsenen Ende der achtziger Jahre. Wir, eine kleine Gruppe von Leiterinnen und Leitern aus Eppelheim (D) hatten uns während eines Sommerlagers in Mollis GL an einem Abend freigenommen und waren in eine Beiz im Ort eingekehrt. Wir kamen mit einer Gruppe junger Erwachsener ins Gespräch, im Laufe des Abends ging es auch um die Vorteile der direkten Demokratie, die das Schweizer Volk im Vergleich zu den Deutschen doch geniesse. Bis anhin hatten wir gedacht, dass in der Schweiz eine grosse Zahl gerade auch der jungen Leute ihr Recht, direkt mitzubestimmen, rege und durchsätzungskräftig in Anspruch nimmt.
Wie gross war unsere Desillusionierung, als unsere neuen Bekannten sagten, dass keineswegs alle StimmbürgerInnen zu jeder Abstimmung gingen - und dass Politik, zumindest ab der kantonalen Ebene aufwärts, auch eher eine Sache von "Profis" sei (auch wenn es sich nicht um BerufspolitikerInnen handelt).
Bei den Leuten aus Jugendverbänden sei das etwas anderes: Die engagierten sich schon mehr - und meistens könnten sie dann auch etwas durchsetzen, zumindest auf lokaler Ebene. Das Gespräch ist lange her, vieles hat sich geändert in der Landschaft der Jugendmitbestimmung, auch sind die Formen kreativer und lustvoller geworden, eben "grundpolitisch-kulturell".
Doch wenn es um Jugendparlamente geht oder um die Beteiligung von Jugendlichen an der Formulierung des Jugendleitbildes in einer Gemeinde, scheint sich die Bemerkung aus den Achtzigern auf neue Weise zu bestätigen: Angefragt werden zunächst VertreterInnen aus den Jugendverbänden, denn die sich zu Wort melden und Interessen formulieren können, sind die aus den Jugendverbänden.

In dieser Ausgabe erhaltet Ihr verschiedene Einblicke in die Kultur des "Grundpolitischen" in der Jugendarbeit und ein Beispiel, wie diese Perspektive ein ganzes (Politiker-)Leben bestimmen kann.

Dorothee Foitzik, Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit


Weitere Themen der Schweizer Seiten:

Gesichter

  • Peter Bircher, Politiker mit Visionen - Interview geführt von Edeltraud Vollmer, Jugendseelsorge Fricktal


Szene

  • Jugendrat Basel-Land - Model Jugendpartizipation Ein etwas anderer Weg politischer Partizipation von Jugendlichen, Bericht von Marie-Theres Beeler


Entdeckt

  • Jugendsession 2001 - Ein Rückblick
  • Fachstelle für Partizipation - Trägerschaft Kinderlobby Schweiz und Pro Juventute


Tankstelle

  • Mein Glaube geht dich nichts an - 22. März in Zürich, die Veranstaltung wird in Kooperation als Kantonale Fortbildung der Jugendseelsorge Zürich und als Juseso-Konferenz der Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit durchgeführt. Infos erhältlich unter fachstelle.kiju@bluewin.ch oder jugend.zh@kath.ch

  • Praxisfelder der kirchliche Kinder- und Jugendarbeit - Dieses in der letzten Nummer angekündigte Zusatzmodul an der HSA findet aufgrund mangelnder Teilnehmer nicht statt. Als Ersatz findet am 23./24. Januar 2002 in Zürich eine gleichnamige Weiterbidung statt. Infos auf der Fachstelle erhältlich!


Focus

  • Rap und Politik - Bericht von Gian Marco Schmid


Rezension

  • Eidgenössische Kommission für Jugendfragen (EKJ), Hrsg.: Verantwortung tragen - Verantwortung teilen. Ideen und Grundsätze zur Partizipation von Jugendlichen, Bern 2001

 
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Die Ausgabe 04/2001 von JUNGE KIRCHE erscheint Anfang April 2002.

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