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New Age aus christlicher Sicht

Alternativmedizin weiter auf dem Vormarsch

Die Auseinandersetzungen zwischen Schul- und Alternativmedizin um ihre Wirksamkeit und Effizienz haben in den letzten Jahren abgenommen. Eine "integrative Medizin" wird harmonisierend als Verbindungsmodell der ehemals streitbaren Gegner dargestellt. Bei einem internationalen Forum diskutierten im letzten Herbst 125 Experten aus 15 Ländern kaum über unvereinbare Gegensätze, sondern eher darüber, wie beide Richtungen besser zusammenarbeiten können (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=57593).

Unübersehbar wird die Alternativ- bzw. Komplementärmedizin zunehmend nachgefragt, wobei kritische Positionen kaum Gehör finden. Fragte das Handbuch "Die Andere Medizin" der Stiftung Warentest (Berlin 2005) bei populären alternativen Heilmethoden noch ihre wissenschaftlich belegbare Wirksamkeit ab, verfolgen zwei neuere Publikationen eine ganz andere Strategie. Das Handbuch "Alternativ heilen" (Hg. C. Jänicke, J. Grünwald, München 2006) stellt naturheilkundliche Verfahren wie etwa Heilpflanzen mit esoterischen Methoden (Schamanismus, feinstoffliche Therapien) gleich. Das von R. Dahlke herausgegebene "Große Buch der ganzheitlichen Therapien" (München 2007) wirbt unverhohlen mit über 60 Beiträgen für größtenteils fragwürdige Heilverfahren, die weit in das Spekulative hineinreichen.

Weltanschauliche Gruppen versuchen seit jeher, sich an diesem wachsenden Markt zu beteiligen (vgl. MD 5/2002, 138ff). Als vor 10 Jahren ein Gesetzentwurf zur Regelung gewerblicher Lebensbewältigungshilfe im Bundestag diskutiert wurde, bündelten sich ihre Gegner in der Initiative "Frankfurter Gespräche". Kürzlich hat sich dieser Kreis umbenannt in den "Dachverband Freie Gesundheitsberufe", um sich für Qualität und Transparenz alternativer Gesundheitsberufe einzusetzen und zu ihrer Qualitätssicherung nach eigenen Leitlinien beizutragen (Kurskontakte 155/2008, 18-19). Der Vormarsch der Alternativmedizin wird daran deutlich, dass heute knapp zwei Drittel der deutschen Ärzte etwa bei Krebspatienten unkonventionelle Methoden verordnen - hauptsächlich auf Wunsch des Patienten hin. Wer verhindert jedoch, dass die Hilfesuchenden beispielsweise nicht in den Fängen der Neuen Germanischen Medizin landen (http://www.ekd.de/ezw/42714_berichte_krebs_durch_seelische_konflikte.php)? Ohne Zweifel bedarf die Schulmedizin Ergänzung - aber bitte maßvoll und mit Vernunft!

Dr. Michael Utsch, EZW Berlin (Quelle: Newsletter der EZW 6/08)

Quelle: Infosekten, 23.06.2008

Montag, 23. Juni 2008

 
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