Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Scientology: Deutsches Gutachten empfiehlt ein Verbot der Sekte

Eine wissenschaftliche Studie bezeichnet Scientology als kriminelle Vereinigung

Im folgenden dokumentiert infosekten einen Artikel aus dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus"

PSYCHO-KULT
Gegen deutsches Recht
Eine wissenschaftliche Studie bezeichnet Scientology als kriminelle
Vereinigung und empfiehlt ein Verbot

VON THOMAS RÖLL und WALTER SCHÜTTE

Das Ziel war ambitioniert, und der Auftraggeber scheute keine Kosten: 250.000 Euro investierte die bayerische Staatsregierung in die "bisher umfangreichste wissenschaftliche Untersuchung" der dubiosen Scientology­Organisation (SO).

Jetzt, nach vier Jahren Forschungsarbeit, liegt die 680-Seiten-Studie über "Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology" vor. Im
November soll das von dem Diplompsychologen Heinrich Küfner, dem forensischen Psychiater Norbert Nedopil und dem Juristen Heinz Schöch verfasste Werk der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Besonders brisant ist das in der Untersuchung gefällte juristische Urteil: Mehrere "Bereiche der Tätigkeit" und die "innere Struktur" von Scientology stünden "im Widerspruch zu zentralen Prinzipien unserer Rechtsordnung". Unter anderem kritisieren die Verfasser, SO-Mitglieder würden zu permanenter Leistungssteigerung angehalten und müssten Beziehungen selbst zu engen Angehörigen aufgeben, wenn diese von der Organisation als "potentielle Störungsquelle" eingestuft würden. Bereits geringe Vergehen würden als schwere Straftaten angesehen.

Viele der von SO angebotenen Kurse seien als "strafbare, unerlaubte Ausübung von Heilkunde" zu sehen. Einzelne von SO gemachte Aussagen erfüllten zudem den "Betrugstatbestand". Vor allem auf Grund der Verstöße gegen das geltende Heilpraktikergesetz und wegen der Betrugsdelikte halten die Verfasser der SO-Studie "eine Strafbarkeit wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung "für
möglich und sehen sogar" Anhaltspunkte für die Erwägung eines Vereinsverbots".

Deutlich weniger explizit äußern sich die Autoren, wenn es um die psychischen und körperlichen Auswirkungen der SO-Methoden geht. Hier leidet die Untersuchung an ihrem "größten Manko", wie Mitautor Küfner einräumt: Der Versuch, aktive Scientologen zu befragen, sei "komplett gescheitert". Die Organisation habe ihre Mitarbeit verweigert. Lediglich 26 ehemalige Mitglieder standen den Wissenschaftlern zur Verfügung. Zusätzlich wurden Experten befragt, die sich mit SO-Aussteigern beschäftigt hatten.

"Natürlich wissen wir, dass Aussteiger einen überwiegend negativen Eindruck wiedergeben", so Küfner. Deshalb müsse man die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse auch mit aller Vorsicht interpretieren. Aber, erklärt der Psychologe, "wir können zumindest zeigen, wie es Menschen ergeht, die mit den Methoden von Scientology nicht klarkommen." Abhängigkeit von der Organisation und eine als negativ empfundene Veränderung im sozialen Umfeld sind demnach die gravierendsten Folgen der von Scientology angewandten Psychotechniken.

Zufrieden mit der Arbeit zeigt sich das bayerische Innenministerium, das bei der Auswertung der Untersuchung federführend ist. Vor allem der juristische Teil der Studie, habe "Hand und Fuß", heißt es. Die Aussagen zur Bildung einer kriminellen Vereinigung und zu einem möglichen Vereinsverbot stoßen dabei auf besonderes Interesse: Man werde die juristischen Möglichkeiten genau prüfen und dann das weitere Vorgehen gegen Scientology festlegen.

FOCUS, 14.10.2002

Quelle: Infosekten, 14.10.2002

Montag, 14. Oktober 2002

 
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