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Deutschland sucht den Super-Geller

Übersinnliche Phänomene oder zauberhafte TV-Illusionen?

Die seit Anfang Januar wöchentlich ausgestrahlte Pro7-Show "The next Uri Geller - Unglaubliche Phänomen Live" geht am 26. Februar 2008 in die entscheidende Phase: Drei Finalisten kämpfen um den Titel, der mit 100.000 Euro dotiert ist. Die erste Folge am 8. Januar 2008 erreichte nach vorliegenden Informationen eine Gesamtzuschauerzahl von 3,85 Millionen. Der Marktanteil der avisierten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag demnach bei 15,6 Prozent. Das sind umgerechnet 1,94 Millionen Zuschauer. Im weiteren Verlauf der einzelnen Folgen haben die Einschaltquoten leicht abgenommen. 2,57 Millionen Zuschauer haben im Schnitt die letzten Folgen gesehen.

Der Geller Effekt (1986), Uri Gellers Geheimtips für Glück und Wohlstand (1988) und Die Macht des Geistes (2006) sowie Uri Gellers Powerguide zum Erfolg (2007).

"The next Uri Geller" - entzaubert
In der Vergangenheit kam es immer wieder zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Geller und verschiedenen Skeptikerorganisationen, die ihm vorwarfen, weniger mit übersinnlichen Kräften denn mit überaus irdischen und teilweise billigen Zaubertricks zu beeindrucken. Im Internet kursieren jetzt wieder viele skeptische Beiträge und Videos, die dem seit mehreren Jahren in England wohnenden Geller Täuschung und Manipulation vorwerfen (siehe http://www.gwup.org/themen/texte/uri_geller). In Wirklichkeit würde es sich um Tricktechniken mit oder ohne Hilfsmittel handeln. Hinzu käme u.a. die gezielte Anwendung wenig bekannter psychologischer Effekte und die bewusste Instrumentalisierung von Schwachpunkten der TV-Technik im Studio (Kameraführung und häufiger Standortwechsel) für die verblüffenden "Ergebnisse".
Die aktuelle Kritik konzentriert sich jetzt auf die angeblichen paranormalen Fähigkeiten der Teilnehmer in "The next Uri Geller". Zauberkünstler bescheinigen der neuen Show inzwischen einen großen Unterhaltungswert. Von übernatürlichen Fähigkeiten bei den Teilnehmern könne jedoch keine Rede sein. Jetzt melden sich auch "Mentalisten" zu Wort, die als Mentalzauberkünstler Effekte wie Vorhersagen, Gedankenlesen als Zauberkunst darbieten, ohne jedoch einen paranormalen Hintergrund zu postulieren.
Inzwischen sind Fans der Sendung dazu übergegangen, in sogenannten Internet-Blogs die Tricks der TV-Castingshow zu entzaubern (vgl. http://gellerentlarvt.wordpress.com und http://urigellertricks.wordpress.com). Die Programm-Verantwortlichen wird dies nicht weiter stören. Ein Pro7-Sprecher wird in Presseberichten mit den Worten zitiert, den Sender interessiere es nicht, "wie die Kandidaten es machen, sondern wie sie es machen." Dies deutet darauf hin, dass von solchen TV-Inszenierungen nach wie vor eine große Wirkung und Suggestionskraft ausgeht. Pro7 wird damit einmal mehr seinem Image als "magischer Kanal" im sprichwörtlichen Sinne gerecht. Gesetzt wird auf gängige Mystery-Themen, die bei jüngeren Zuschauern ankommen und nach wie vor einen hohen Unterhaltungswert in dieser Zielgruppe haben dürften.

Die Lust am Paranormalen
Die mediale Inszenierung wird zum Gesprächsthema, aber auch zum Anlass für Zeitschriften, das Thema möglichst publikumswirksam aufzugreifen. Das große Rauschen im Blätterwald hat eingesetzt. Die populärwissenschaftliche Zeitschrift P.M.Perspektive (Ausgabe 1/2008) greift zeitgeistkonform "Die neue Faszination des Okkultismus" auf und beleuchtet - durchaus kritisch - Telepathie, Pendeln, Wahrträume und Spukphänomene.
Andere Zeitschriften gehen noch weiter und nehmen den Geller-Effekt zum Anlass, übersinnliche Erfahrungen mit esoterischen und spiritistischen Aspekten anzureichern. So widmete die Frauenzeitschrift "freundin" in ihrer Ausgabe 4/2008 (13.2.2008) dem Thema "Übersinnliche Phänomene" sogar eine eigene Titelgeschichte: "Rätselhafter Spuk, mysteriöse Vorahnungen, geheimnisvolle Botschaften aus dem Jenseits. Was wirklich dran ist". Präsentiert werden auf mehreren Seiten "15 fazinierende Geschichten von übersinnlichen Erfahrungen". Und auch Uri Geller, der an dieser Stelle überraschenderweise als "Mystik-Star" tituliert wird, kommt im Interview zu Wort. Auf die Frage, ob er übersinnliche Kräfte habe, antwortet Geller: "Ich sehe mich als ´Mystifier´ - ich fasziniere Menschen. Aber natürlich bin ich auch ein Performer, ein Showman. Und das suche ich auch bei meinem Nachfolger: Es geht um Charisma - und die fantastischste Show. Die Leute zu Hause sollen sagen: Das ist doch unmöglich, was der kann!" (S. 96) Dass Geller esoterischen Denkmustern zuneigt, wird im weiteren Verlauf des Interviews deutlich: "Ich denke, es hat mit Energie zu tun. Schon Einstein hat mit seiner berühmten Relativitätstheorie festgestellt: Alles im Universum ist Energie. Und immer in Bewegung. Und alles hat eine Vibration, auch unser Gehirn. Und ich nehme an, diese Vibration kann man zu einem anderen Gehirn senden."
Die Casting-Show "The next Uri Geller" imliziert versteckt die Frage nach dem Übersinnlichen, auch wenn man vieles als inszenierten Showeffekt deutet. Das Interesse an diesen Themen ist - wie es scheint - ungebrochen.

An das Übersinnliche glauben?
Die TV-Show "The next Uri Geller" provoziert kritische Rückfragen. Sie beziehen sich einerseits auf das geschickte (Selbst-)Vermarktungskonzept des TV-Magiers und die gezielte Instrumentalisierung des Mediums Fernsehen für den Geller-Effekt. Uri Geller wird zur zentralen Botschaft. Die beteiligten Kandidaten treten als "Mentalisten" auf, als Zauberkünstler, die sicherlich beeindruckende Effekte zu erzielen vermögen. Weitaus interessanter scheinen indes die unterschiedlichen Zuschauerreaktionen zu sein: Die einen stufen die Sendung als Beitrag zur Volksverdummung ein. Wiederum andere nehmen alles Gezeigte und Inszenierte für bare Münze, wobei manche von der Wirklichkeit "okkulter" Phänomene und Kräfte überzeugt sind und sich in dieser Auffassung gar bestätigt sehen. Wiederum andere sind der Entzauberung auf der Spur, indem sie die Tricks der Kandidaten im Internet zu erklären versuchen.
Der Reiz solcher spektakulären Inszenierungen besteht zunächst in der geheimnisvollen, suggestiv erzeugten Atmosphäre. Der besondere Effekt ist die verblüffte Reaktion des Zuschauers. Sie ist das eigentliche Pfund, mit dem die Macher der Sendung wuchern. Zusätzlich wird durch das scheinbar Unerklärliche ein Anreiz gegeben, darüber zu rätseln, auf welche Weise die verschiedenen Effekte erzielt wurden. Sind sie bloße Einbildung oder gar Betrug? Sind sie Hinweise auf das Einwirken von Geistern? Handelt es sich um Wirkkräfte des geheimnisvollen Reiches der Seele? Die Spekulationen nehmen kein Ende.
Die in der Sendung gezeigten Phänomene sind durchaus erklärbar. Dafür gibt es im Einzelfall gute und plausible Gründe. Bewusst wird mit der Suggestion bzw. Illusion gespielt, es würde sich um paranormale Effekte handelt. In diesem Spiel dürfte der besondere Reiz liegen.
Was nicht vergessen werden sollte: Übersinnliche Erfahrungen spielen in der Religionskultur nach wie vor eine große Rolle. Im Kontext einer neuen erfahrungsbezogenen esoterischen Religiosität gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Aus theologischer Sicht ist darauf hinzuweisen, dass viele dieser Phänomene durchaus "innerweltlich" gedeutet werden können. Damit gehören sie letztlich zur Geschöpflichkeit des Menschen. In jedem Fall ist es hilfreich und notwendig, auf "natürliche" Erklärungsmodelle zurückzugreifen, um nicht vorschnell in spiritistische oder okkult-magische Deutekategorien zu geraten, die mit dem christlichen Wirklichkeitsverständnis nicht zu vereinbaren sind.
Übersinnliche Erfahrungen können als Hinweis auf den Schöpfungszusammenhang des Menschen gedeutet werden - eine Wirklichkeit, die umfassender und vielseitiger ist, als es uns Illusions-, Zauber- und Suggestionskünstler erahnen lassen. Ihre Zaubertricks sind darauf ausgerichtet, ein verblüfftes Publikum zurückzulassen. Doch die Verblüffung hält nicht lange an, wie sich dies an Reaktionen in kritischen Internetforen ablesen lässt. Für manchen Zuschauer können die darin gezeigten Showphänomene unterhaltsam und kurzweilig sein. Aber sie sind eben nicht die ganze Wahrheit.

Matthias Pöhlmann, EZW Berlin

Weiterführende Links:
http://www.gwup.org/themen/texte/uri_geller
http://gellerentlarvt.wordpress.com
http://urigellertricks.wordpress.com

Quelle: Infosekten, 28.02.2008

Donnerstag, 28. Februar 2008

 
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