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New Age aus christlicher Sicht

Frauenordination durch "Erzbischof" Romulo Braschi, Katholisch-Apostolische Charismatische Kirche Jesu König

Hintergrundinformationen

In den letzten Jahren tritt Romulo Braschi von der Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König in den deutschsprachigen Ländern in Erscheinung. Früher Priester der römisch-katholischen Kirche wurde er 1998 in München von Bischof Roberto Garrido Padin, Mitglied des Episkopates der Katholisch-Apostolischen Kirche Brasiliens als „Erzbischof von München, Zürich, Buenos Aires und San Salvator de Bahia“ geweiht. Er steht in der Sukzessionslinie der katholisch-apostolischen Kirche Brasiliens, die der ursprünglich rechtmässig geweihte brasilianische Bischof Carlos Duarte Costa nach dem Bruch mit Rom 1945 gründete.

Bei der Bischofsweihe anwesend war auch Karl-Heinz Hilarios Ungerer, Erzbischof der freikatholischen Kirche in Deutschland, der u.a. im Bischofsordinariat bei der Eröffnung der neuen Scientology-Organisation in Hamburg anwesend war und sich "seiner Kontakte mit Heber-Jentzsch, einem führenden Scientology-Präsidenten in der USA" rühmte (so der "Beobachter" 16/2000). Romolo Braschi selbst betont, keine Kontakte zu Scientology zu haben.

Romulo Braschi unterhielt zunächst in Schlattingen SH ein „Generalordinariat" für die Schweiz; nach Auseinandersetzungen mit der dortigen Bewohnerin (darüber wurde im Beobachter 14/2000 und 16/2000 berichtet) wurde dieses schweizerische "Generalvikariat" nun in die Mättenbergstr. 15 in 3367 Thöringen verlegt.

"Erzbischof" Romulo Braschi ist mit Alicia Cabrera Braschi verheiratet; nach eigenen Angaben ist sie Kunstdozentin der Kunstakademie für Bildhauerei und Malerei und Tanzpädagogin in München. Frau Cabrera Braschi war "Ordensfrau" und ist heute Priesterin der Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche.

Unterschiede der Katholisch-apostolischen Charismatischen Kirche zur römisch-katholischen Kirche bestehen u. a. in der Zulassung der Frauen zum Priesteramt; das Zölibat ist keine Bedingung für das Priesteramt (für Frauen wie für Männer); der Papst und die anderen Patriarchen werden als Oberhäupter ihrer jeweiligen Kirche anerkannt, jedoch nicht als Oberhaupt der Katholisch-apostolischen charismatischen Kirche.

Herr Braschi ist jedoch nicht nur mit der christlichen Kirche verbunden, sondern gründete 1996 bereits in München den Verein Carismatica-Oxala-Nana, einer "Naturreligion", die als die afro-argentinische Umbanda-Religion des Volkes Gege Naga bezeichnet wird. Über die Rituale und Praktiken dieser Religionsgemeinschaft wollte er entsprechend Programm an der Esoterikmesse im März 2001 in Zürich informieren.

Wanderbischöfe (Episcopi vagantes)

Unter episcopi vagantes versteht man Personen, die in irregulärer oder heimlicher Weise zum Bischof geweiht wurden oder solche, die, nachdem sie regulär konsekriert wurden, von der Kirche, die sie weihte, exkommuniziert wurden und mit keinem anerkannten Bischofsstuhl in Gemeinschaft stehen.. Als „umherschweifender Bischof“ steht er religiös am Rande der Kirchen und lebt – meist ohne geregelte finanzielle Zuwendungen – oft an der Armutsgrenze. Seine apostolische Sukzession, auf die er sich beruft, um sich zu legitimieren, ist zweifelhaft. Alle diese Bischöfe verbindet, dass sie unrechtmässig zum Bischof geweiht wurden.

Zum Amt des Bischofs

Das Vat. II stellte in seiner Zusammenfassung der Theologie des Amtes fest, dass den Bischöfen die Fülle des Amtes zukommt, die „aufgrund göttlicher Einsetzung“ an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten sind (LG 20). Bischöfe werden als Weihebewerber vorgeschlagen und für einen historischen Bischofsstuhl geweiht und – in der römisch-katholischen Kirche von einem rechtmässigen Bischof im Einverständnis mit dem Papst unter Beachtung kirchenrechtlicher Bestimmungen konsekriert. Für die Bewertung der episcopi vagantes ist es von besonderer Bedeutung, dass jeder Bischof in der römisch-katholischen Kirche sein Amt innerhalb des Kollegiums der Bischöfe in Gemeinschaft mit und unter dem Bischof von Rom, dem Papst hat.

Dazu gehören alle in der apostolischen Sukzession (lückenlose Weitergabe des Bischofsamtes von den Aposteln bis zu unseren Bischöfen) stehenden Bischöfe. Folgende Kirchen stehen u.a. zur apostolischen Sukzession: die römisch katholische, die christ-(alt-)katholische Kirche und die orthodoxen Patriarchate. Da rein kirchenrechtlich die Gültigkeit der Weihe einzig von der richtigen Intention und der Einhaltung des Weiheritus abhängig ist, können die Weihen verschiedener episcopi vagantes zwar gültig, aber unerlaubt sein.

Eine immer grösser werdende Zahl von episcopi vagantes, von ihnen geweihte Priester und Diakone, aber auch Kleinkirchen, die sich von der römisch-katholischen, der christ-(alt-) katholischen Kirche oder den Ostkirchen getrennt haben, berufen sich auf diese apostolische Sukzession.

Nach dem Vat. II kann jedoch eine Bischofsweihe der römisch-katholischen Kirche nicht gültig sein, wenn sie gegen die „hierarchische Gemeinschaft“ stattfindet, d.h. wenn der weihende Bischof keine Einheit mit dem Papst und dem Bischofskollegium unterhält. So handelt es sich z.B. bei den Weihen, die Bischof Lefebvre 1988 in der Piusbruderschaft vorgenommen hat, um Weihen gegen den Willen der römisch-katholischen Kirche.

Joachim Müller

Literatur zum Thema:
Haack F.-W., Gottes 5. Kolonne, Augsburg 1976; ders., Die freibischöflichen Kirchen im deutschsprachigen Raum, München 1980; ders., Religion und Dekoration, München 1990; Plazinski E., Mit Krummstab und Mitra, St. Augustin 1970; König G., Art.: Episcopi vagantes, in: Lexikon der Sekten, 7. Aufl., Herder 2 000; Müller J., Art.: "Wanderbischöfe" in: Neue Gruppierungen im Schweizer Katholizismus. Ein Handbuch, Zürich 2000.

Quelle: Infosekten, 17.06.2002

Montag, 17. Juni 2002

 
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