Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Islamische Vielfalt - das Erscheinungsbild des Islam in der Schweiz (Auszug)

Vortrag von Joachim Müller

(das Gesamtdossier mit den Vorträgen von Dr. H. Müller, J. Müller, E. Tanner, Dr. H. Vöcking der Islamtagung vom 27. Febr. 2002 der ökumenischen Arbeitsgruppe NRB und Migratio kann gegen einen Selbstkostenbeitrag von Fr. 10.- bei den oben genannten Adressen bezogen werden)

Vorbemerkung
Wenn wir uns zu einer Islamtagung treffen, so geschieht dies aus verschiedenen Gründen:

  1. Die Römisch-Katholische Kirche stellt fest, dass der Islam in der CH neben den beiden Landeskirchen die drittgrösste Religionsgemeinschaft geworden ist.
  2. Die Römisch-Katholische Kirche in der CH stellt fest, dass sie bisher den interreligiösen Dialog mit dem Islam zu wenig ernst genommen und geführt hat. Zu wenig sind ihr Inhalte, Methode und Ziel dieses Dialogs bekannt.
  3. Die Römisch-Katholische Kirche stellt fest, dass ihr bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt das theologische, kulturelle wie politisch - gesellschaftliche Rüstzeug für diesen Dialog - der bisher vor allem durch die Ausländerorganisationen geführt wurde - mit dem Islam fehlt.
  4. Die Römisch-Katholische Kirche stellt fest, dass der Islam keine einheitliche Religionsgemeinschaft ist, sondern auch in der CH eine grosse Vielfalt und Unterschiedlichkeit aufweist, die bisher so nicht wahrgenommen wurde.
  5. Die Römisch-Katholische Kirche stellt - nach dem 11. September - fest, dass sie - wenn auch erst in Anfängen - im Dialog mit Muslimen steht, aus deren Reihen vermutlich die Terroristen stammen, die den Anschlag auf das Welthandelszentrum verübten.
  6. Die Römisch-Katholische Kirche stellt sich heute die Frage, wie sie mit der Unterscheidungsfähigkeit auf das Ganze und die Vielfalt des Islam bezogen in der interreligiösen Begegnung Kontinuität beweisen kann und wie gleichzeitig eine aktive Normalität einkehren kann.

Islam in der Schweiz - einige Angaben aus der Statistik
Heute leben offiziell mehr als 310 000 Muslime = 4,5% der Gesamtbevölkerung (Volkszählung 2000) in der Schweiz. Davon haben rund 40 000 Personen einen Schweizer Pass. Mit einem weiterem Anstieg ist zu rechnen, ebenso mit circa 50 000 - 70 000 inoffiziell in der Schweiz lebenden Muslimen.

Entwicklungen
60iger Jahre: Arbeiterbewegung: Saisonniers, vor allem aus der Türkei, die in der Schweiz arbeiteten
70iger Jahre: Jahresaufenthalter 16 353
80iger Jahre: Niederlassung und Jahresaufenthalter 56 625 = 0,8 %, erste Einbürgerungen
90iger Jahre: Niederlassung und Jahresaufentalter 152 217 = 2,21% der Gesamtbevölkerung, davon 7735 Schweizer Bürger, circa 18 000 Mischehen

Das Anwachsen der Zuwanderung hing
einerseits mit der Arbeiterbewegung (aus dem städtischen wie ländlichen Arbeitermilieu);
andererseits mit Flüchtlings- und Asylbewegung zusammen:
französischsprachige CH: Iran, Nordafrika: Algerier, Tunesier; Schwarzafrika
deutschsprachige CH: Türken, Kurden
durch Krieg: Exjugoslawien: über 150 000 Flüchtlinge und Asylanten, zeitweise bedeutend mehr. Führte dazu, dass sich politische Oppositionsbewegungen auch in der CH angesiedelt und organisiert haben.
Die Verdoppelung der Anzahl Muslime 1990/2000 auf mehr als 310 000 erklärt sich in erster Linie mit den Wanderungsströmen aus Kosovo, Bosnien-Herzegowina, der Republik Mazedonien und der Türkei. Parallel dazu ist eine rasche Vergrösserung der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaften auf heute mehr als 130 000 Personen feststellbar.
Heute leben Muslime aus 105 Staaten in der CH, die grosse Unterschiede (Rasse, Sprache, Glaubensbekenntnis, Kultur....) aufweisen.

Die Vielfalt des Islam ist in der Schweiz präsent:
Sunniten: circa 75 % der schweizerischen Muslime (Koran und Sunna; 4 Rechtsschulen: Hanefiten, Malikten, Schafiiten, Hanbaliten)

Die meisten muslimischen Zentren in der Schweiz sind sunnitisch, mehrheitlich hanefitisch, jedoch zumeist offen für alle Muslime. In der Regel wollen diese Vereine politisch neutral verstanden werden. 1989 gab Mohammed Tufail den Anstoss zur Gründung der Gesellschaft der islamischen Organisationen in der Schweiz.
Zusätzlich zur religiösen Ausrichtung sind die Zentren nach Sprachgruppen organisiert.
Neben der Islamischen König Faysal Stiftung versuchen die Zentren nach eigenen Angaben finanziell unabhängig und autonom zu sein (monatlicher fester Mitgliedsbeitrag).
Räumlichkeiten: Neben der Moschee in Genf sind islamische Zentren in der Regel in Räumen eingerichtet, die nicht für diese Zwecke gebaut wurden. Meist werden sie in entsprechender Fronarbeit zu ansprechenden Gebetsräumen ausgebaut.
Elemente: Teppich bedeckt den Boden. Nische (Mihrab) dient für die Bestimmung der vorgeschriebenen Richtung nach Mekka (Qibla). Ein Treppchen daneben erfüllt die Funktion als Mimbar, auf der der Iman die Hutba, die Predigt hält. Kanzel oder Rednerpult für die Unterweisung. Kalligraphien an den Wänden als Schmuck.
Angebote: Öffnungszeiten: zu Gebetszeiten; Pilgerfahren nach Mekka; Koranschulen; Frauenunterricht - Frauentag; Seelsorge durch Iman oder Hodscha; Bibliothek; Krankenbesuche und Sozialhilfe.

Türken

Muslime aus der Türkei treffen sich seit der 70iger Jahre an wechselnden Orten regelmässig zum Freitagsgebet. Zunächst waren die Lokale meist soziale oder kirchliche Räume; diese durften auch für Feste und während des Ramadan benutzt werden.
Später werden Räume für islamische Zentren (Mescid, Moschee)gemietet. Koranschulen werden eingerichtet.

Ein Beispiel:
- Cevresi Türk Islam Sosyal ve Kültür Dernegi (Türkisch-Islamischer Sozial- und Kulturverein). In Basel z.B. seit 1974. Miete eines Raumes für das gemeinsame Gebet (für 350 Betende). Unterricht für Kinder; Pflege von Religion und Kultur. Parteipolitisch neutral. Als autonomer Verein organisiert. Vollamtliche Hodschas für die Seelsorge werden angestellt.

- Mevlana Cami/Türkischer Kultur Verein: entsteht 1998 als Abspaltung von der Dreispitz-Moschee wegen derer angeblicher politischer Ausrichtung, einer Zusammenarbeit mit der Büyük Birlik Partei). Viele Mitglieder sind "graue Wölfe".

Kurden

Kurden haben oft einen türkischen Pass und kommen oft als Asylbewerber zu uns in die Schweiz. Sie sind selten in den Moscheen anzutreffen. Sie verstehen sich z.T. als "Revolutionäre", die mit dem Islam nichts zu tun haben wollen. Die Mehrheit der Kurden sind sunnitische Muslime, eine beträchtliche Minderheit sind Aleviten.

Aleviten (circa 10 - 15 % der Muslime in der Schweiz)

können nicht einfach den türkischen Muslimen zugerechnet werden, da sie eine andere Ausprägung haben und von vielen Muslimen nicht als dem Islam zugehörig betrachtet werden.
Sie bekennen sich zur Demokratie und Humanität und lehnen die Scharia, das islamische Gesetz, ab. Sie kennen keine Pflichtgebete. Der Koran ist kein Gesetzbuch, sondern die Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen. Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
In der Türkei werden sie nicht als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt, sondern den Sunniten zugezählt. Kurdische Alevi bezeichnen sich als als Alevi-Kizilbasch, um sich von den westlichen Alevi-Bektaschiten (Sufimeister Haci Bektasch, 13. Jh., als Begründer) zu unterscheiden.
Sie beginnen sich in der CH seit anfangs der 90iger Jahre an zu organisieren.
So entstehen u.a.
· die "Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi" 1992 - in Verbindung mit Österreich und Deutschland. Zahlreiche Aktivitäten im Cem (der Versammlung). Vereinspaltungen 1993 und 1997. Zahlreiche junge Erwachsene.
· Kürdistan Aleviler Birligi (KAB). Die Mitglieder verstehen sich zunächst als Kurden und dann als Aleviten. 1994 entstanden Sektionen in Deutschland, Schweiz, Österreich und Frankreich. Kurdischer Widerstand als wichtiges Anliegen. Organisieren u.a. auch Kurdendemostrationen.
· Pir Sultan Abdal Alevi Kültur Dergahi 1998 als liberaler kurdischer alevitischer Verein gegründet. Frauen sind in diesem Verein sehr aktiv. Kontakte mit christlichen Gruppen werden gesucht. Will die Integration der Aleviten in die schweizerische Gesellschaft fördern.

Sufis

Muslime, die auf mystischem Weg versuchten, die Vereinigung mit Gott zu suchen - organisierten sich in Orden (oder Tariqat), der von einem Scheich geleitet wird. Sie haben z.Teil grossen Einfluss auf die islamische Politik (gehabt) und wurden u.a. in islamischen Ländern verboten oder gar verfolgt. Mehrere Sufi-Orden sind in der Schweiz vertreten.

- Mevlewi (Mevleviyye) - 1273 in Konya (Türkei) von Celaleddin-i-Rumi begründet. Türkische Anhänger treffen sich im geschlossenen Kreis an mehreren Orten in der Schweiz. Da sie Repressalien durch türkische Behörden befürchten, werden keine Kontaktadressen genannt.
- Naqsbandiyya (indischer Sufi-Orden), der auf Khwaja Baha´u´ddin Naqushband (1318-89) zurückgeführt wird. Immer an Politik interessiert - da er die Erziehung der herrschenden Klasse als Verpflichtung ansah - sieht er im Islam sowohl eine Lehre wie eine Methode. In der Schweiz tätig die Schule Mohammed Nazim ´Ad el Haqqani, Zypern.
- Tidjaniyya wurde 1781/82 von Sidi Ahmad Tidjani in Süd-Algerien in Folge einer Vision gegründet. Heutiger Meister: Ahmad Hampate Ba, der in Abidjan (Elfenbeinküste) lebte (ca 1900 - 1991). Vor allem in Afrika verbreitet, finden sich auch kleine Gruppen schweizerischer Anhänger.
- Weitere Gruppen: Adnan Sarhan (Sufilehrer aus Irak stammend, in USA lebend); Hazrad Inayat Khan (universalistisch)

Arabisch-sprachige Muslime (Algerien, Marokko, Tunesien, Ägypten, Saudiarabien, Syrien u.a. Islamisches Zentrum in der Friedensgase in Basel - Freitagsgebet auf arabisch - König Feysal-Stiftung (saudiarabische Finanzierung)

Pakistanische Muslime (die wenigen praktizierenden Muslime aus Pakistan sind vorwiegend Besucher islamischer Zentren.)

Albanische Muslime
Islamischer Verein Besimtari seit 1994 in Basel

Bosnische Muslime
- über zwanzig bosnische Kulturzentren in der Schweiz; Ausübung des Islam ist nur ein Bereich neben anderen Kulturbereichen. Zentren haben vor allem eine soziale Funktion. Für Neuankömmlinge, besonders für Flüchtlinge, sind diese Zentren Anlaufstellen. Dolmetscherdienste.
- Muslime sind im "Glovni odgor Islamsk Zajednice Svidarska Bosna" zusammengeschlossen.

Die bosnische Art, den Islam zu leben, unterscheidet sich sehr stark von der der türkischen und arabisch-sprachigen Muslime. Keine strikte Geschlechtertrennung; liberale Ausübung. Werden von den anderen Muslimen nur als halbe Muslime betrachtet. Daher auch wenig Kontakt zu anderen islamischen Zentren.
Da in der letzten Zeit viele Flüchtlinge wieder in die Heimat zurückgekehrt sind und die gemieteten Lokale zu teuer sind, entstanden finanzielle Probleme. Dies führte zum Teil zur Schliessung von Zentren.

Schweizer Muslime

Johann Ludwig Burckhardt alias Scheich Ibrahim, aus Basel, 1784 - 1817 machte als erster Mitteleuropäer eine Hadsch (Pilgerfahrt) nach Mekka.
Schweizerische Musliminnen und Muslime sind Angehörige einer Sufigruppe.
Schweizer Musliminnen sind oft durch Heirat konvertiert und haben den Glauben ihres Ehemannes angenommen.
Ansonsten treten Schweizer Muslime kaum in Erscheinung.
Muslime durch Einbürgerung in die Schweiz (Volkszählung 40 000).

Schiiten: 12 000 in der CH; keine eigenen Zentren; wohlhabende Iraner, des ehem. Schahregimes

Sondergruppen:

Ahmadija: 1946 wurde die erste Missionsstation in Zürich gegründet; seit 1963 steht die erste Moschee (Mahmut-Moscheh) mit der Europazentrale in Zürich. Circa 400 Anhänger.

Bahai (aus dem Islam hervorgegangen):
Versteht sich nicht mehr von der Ursprungsreligion her, sondern als jüngste der historischen (Welt-)Religionen. 1933 wird in Genf ein internationales Büro eröffnet; 1953 erfolgt die Gründung des Nationalen Geistigen Rates Italien - Schweiz und 1962 der Nationale Geistige Rat der Schweiz mit Sitz in Bern. Circa 1 000 Mitglieder

Organisation des Islam in der Schweiz:

a) Vereine und Stiftungen - Dachstruktur: circa 120 - 160 Vereine
· Islam Kültür Merkezieri Birligi - Verband der Islamischen Kulturzentren - Bewegung wird in der Türkei durch Süleyman Hilmi Tunahan (1888-1959) gegründet Er gehörte zur Naksibend- und Kadiri-Tarikat. Sein Ziel war es, die Jugend vor der Religionslosigkeit zu schützen; in Zürich 1977 erstes Zentrum; Basel 1980, heute Zentren in Baden, Lenzburg, Romanshorn, St. Gallen, St. Margrethen, Fribourg, Wetzikon, Burgdorf, Neuenhof. Lehre Sunniten (Hanefi) - keine politische Tätigkeit - Mitglied des Islam Kültür Merkezleri (Verband islamischer Kulturzentren) - Jeder Muslim kann Mitglied werden. Frauen organisieren ihre Aktivitäten selbst. Einnahmen Mitgliedsbeiträge, Spenden. Hodscha ist für die Seelsorge zuständig.
· Islamic Relief - seit 1984: internationale Hilfs- und Entwicklungsorganisation. Hauptsitz Genf. - keine Angaben erhältlich
· Islamische König Faysal Stiftung. Stiftungs- und Finanzgeber ist Saudiarabien (auch im Stiftungsrat vertreten - Zentrum in Basel, Friedensgasse 18)
· Milli Görüs ("Nationale Sicht") - Kurzbezeichnung für: Islam Toplumu Milli Görüs; seit 1976 unter dem Namen: Türkische Union Europas erstmals in Köln registriert. Soll ein Ableger der 1998 verbotenen Refah-Partei sein, was nach internen Aussagen als falsch abgelehnt wird. Keine offizielle Struktur, jedoch mit einer Reihe von Mescid verbunden. Deren Präsidenten arbeiten nur eine punktuelle Zusammenarbeit zugestehen. Ihre Aufgabe sieht sie in der Förderung und Erhaltung der islamischen Identität.
· Förderation Islamischer Gemeinschaften ("Isvicre Islam Cemiyetleri Federasyunu") - Zusammenschluss mehrer Mescid in der Schweiz mit Gebetsraum, Versammlungslokalen, Bibliothek und Büros für den Iman sowie Koranschulen. Frauenräume. Hodscha und andere Männer sind für die Seelsorge zuständig. Verkauf von spezifischen Waren und Lebensmitteln.
· Al-Ahd Verein, gegründet von Samir Shafy als Rettungsorganisation für das Islamische Zentrum. Vereinsstatut: "Förderung und Betreuung der zweiten und dritten Generation der Muslime in der Schweiz mit dem Ziel, die junge Generation noch bewusster in den zwei Kulturen aufwachsen zu lassen" - Aktivitäten: z.B. Ausstellung zum Ramadan 1999 in der offenen Kirche Elisabethen in Basel.

b) Centre islamique Geneve;

c) Basler Muslim Kommission: Versuch, einen Dachverband aller islamischen Organisationen der Kte. Basel Stadt und Land zu schaffen. Mitglieder sind:
- Islamische König Faysal Stiftung/Al-Ahd
- Moschee Kommission Basel
- Türkisch Islamischer Sozial- und Kultur-Verein beider Basel
- Liestal-Moschee
- I.C.V.Hicret Mescid
- Bosnjacki Kulturni Centar/Bosnisches Kulurzentrum
- Islamischer Verein Besimtari
- IS-HA Sport Club

d) Gemeinschaft Islamischer Dialog GID 1999 von Samir Shafy zusammen mit anderen Muslimen gegründet. Ziel: "Förderung des Dialogs und des Verständnisses der Muslime untereinander und mit Angehörigen anderer Religionen, vor allem Christen und Juden". Sekretariat in der Friedensgasse Basel. Kulturelle wie sportliche Anlässe sowie Einladung zum Feiern islamischer Feste.

e) Frauenforum Begegnung mit dem Islam seit 1996. Für muslimische Frauen, die sich regelmässig treffen, um Erfahrungen auszutauschen. Offen für alle Frauen, die sich mit dem Thema Islam auseinandersetzen wollen und Kontakt zu muslimischen Frauen suchen.

Muslimische Extremistengruppen:
Hinweise auf eine Takfir Wal Hidschra- Gruppe in Zürich/Italien.
Vertreter der Hamas/Dschihad Islami/Hisbollah halten sich häufig in der Schweiz auf, durch Anhänger/Sympathisanten unterstützt.

(Informationen zu den Extremistengruppen erhält man über www.stura.uni-leipzig.de/~farao/gruppen.html)
Konfliktpotential:
Grosse Schwierigkeiten bei der Integration zahlreicher Muslime:
· Wer vertritt welche Gruppierung
· kein gemeinsames Gremium für die Vertretung der islamischen Gemeinschaften
· Frage öffentlich-rechtlicher Anerkennung des Islam
· Anderer sozialer/kultureller Hintergrund mit einer für den "Westen" unüblichen Werteskala, z.T. durch die Scharia bedingt.
· Sprachschwierigkeiten

Islam als "einladende Religion" (da´wa) - spezifisches Verständnis von Dialog/Mission

Moschee:
· theologisch ausgebildete Imane, die die Landessprachen beherrschen, werden benötigt.
· Da die Imane/Hodschas meist nur drei Monate in der Schweiz bleiben (Aufenthaltserlaubnis), schwierige (auch gesellschaftliche) Integration
· Medienpräsenz
· Kulturzentren
· Dialog unter Gleichberechtigten?

Kindererziehung/Schule

Dialog im Unterricht:
Beispiel Barbara Huber-Rudolf:
Kindergarten- geplant: ein Begegnungsabend wurde vorbereitet: in der Raummitte Kerze, farbige Tücher; Fusspuren führen zu den Hl. Büchern Bibel und Koran. Der Iman und die islamischen Eltern verlassen - kaum war der Raum betreten - diesen Raum wieder und protestieren gegen die Veranstaltung.
Warum? Begründung des Iman: der Koran lag auf dem Fussboden und dieser ist unrein. Das wiederum verstanden die Christen nicht.
Frage nach der religionspädagogischen Ausbildung der LehrerInnen, aber auch der KatechetInnen für die Arbeit mit multireligiösen Gruppen stellt sich neu und dringend.
a) Fehlende Lehrmittel für einen "Unterricht der Begegnung"
b) Richtlinien für Schwimm-/Turnunterricht
c) Islamische Werte/Richtlinien im Unterrichtsalltag
d) Hohe islamische Feste - unterrichtsfrei?
e) Schador/Kopftuch für Schülerinnen/Lehrerinnen?
f) Kantonale pädagogische Kommissionen: Islambild in den Schulbüchern
Schächten in der CH verboten; Fleisch kommt aus Frankreich - aktuelle Diskussion in der CH
Muslimen Gebetsmöglichkeiten geben (Räume) - Ramadan
Islam - Militärdienst
Krankenhaus: Pflege/Speisevorschriften/Tod
Eigene Friedhöfe

Dialog?

· Ein zu geringes Wissen über Islam (theologisch wie gesellschaftlich - kulturell) ist bei uns vorhanden. Ebenso fehlt zunehmend auch ein christliches Grundwissen.
· Naivität betreffs des interreligiösen Dialogs "Suche nach dem Guten im Glauben des Anderen" führt zu einer gutgemeinten, jedoch naiven Religionsvermischung, die den Anderen nicht ernst nimmt.
· Der interreligiöse Dialog/die interreligiöse Begegnung kann nur Teil der sozial- kulturell - gesellschaftlichen Integration sein.
· Gewalt und Religion wird als Thema aus den "Höflichkeitsdialogen" ausgespart: - Unterdrückung der Frau; Verbot einer Muslima, einen Christen zu heiraten; christliche Mission wird mit Kerker oder gar Todesstrafe bestraft/untersagt.
· Ist eine Demokratisierung des Islam möglich? - Individualisierung - Säkularisierung - Nationalstaaten - Freiheitsinstitutionen? Lehnt der Islam nicht eine pluralistische Demokratie ab?
· Amnesty International sieht Menschenrechte in islamischen Ländern massiv verletzt.
· Islam ist nicht die tolerante Religion, wie sie im dialogischen Prozess häufig dargestellt wird. Christenverfolgungen in Nigeria, Sudan, Ägypten, Indonesien u.a.m. Politisierung/Instrumentalisierung des Islam.
· Islamisten haben das "dialogische Gutmenschentum" ausgenutzt, um für sich Freiräume aufzubauen
· Dialog bedeutet das Ernst nehmen des Dialogpartners, wie er ist, wo er steht;
- damit auch das "unerschütterliche Feindbild, das der Islam vom Westen und vom Christentum" hat, verändert wird.
- Wie redet der Islam/Christentum über das Christentum/Islam/Judentum? Über andere Religionen? Wie legitimiert er sein Handeln?
- damit auch den Absolutheitscharakter/-anspruch wahrnehmen, die bessere Religion zu vertreten.
- Setzt die Bereitschaft für das Kennenlernen des Anderen und das Wissen um die eigene Position voraus.
- Grundsätzliche Schwierigkeit: Begrifflichkeit - Terminologien decken sich nicht
- Wir: eine gutstrukturierte Kirche - Islam schlecht strukturiert
- Mit wem sprechen wir? Vorerst christlich-islamische Begegnung.
- Wider Pauschalverurteilungen und wider tabuisierte Themen.
· Religionsfreiheit auf Gegenseitigkeit
· Wissen, dass der Dialog von politischen Einrichtungen/Staaten (z.B. Türkei/Tunesien) beeinflusst/benutzt wird, um ihre Interessen durchzusetzen.
· Dialogthemen:
- Glaubensfreiheit
- Jesus Christus
- Trinität
- Der "gleiche Gott" hier und da?
- Abraham-Traditionen - drei abrahamitische Religionen

Joachim Müller, Febr. 2002

Quelle: Infosekten, 14.02.2002

Donnerstag, 14. Februar 2002

 
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