Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Zum Gedenken an Joachim Müller (+)

Nach langer Krankheit hat uns am 1. Oktober 2007 Joachim Müller verlassen. Sein Tod reisst eine grosse Lücke in den Kreis der kirchlichen "Sektenberater." Joachim war - zu Zeiten als wir noch eine ökumenische Arbeitsgruppe "Neue Religiöse Bewegungen" kannten - der katholische Copräsident dieser Arbeitsgruppe und der eigentliche Initiator für viele gemeinsamen Demarchen, Kurse und Aktionen. Ich schätzte an seiner Arbeit als Copräsident seine immense Kenntnis der religiösen Szene in unserem Land, seine Fähigkeit deutliche und doch nicht verletzende Urteile zu fällen und seinen ausgeprägten Sinn für gemütliches Zusammensein, von dem alle Mitglieder der Arbeitsgruppe oft vor und nach den Sitzungen profitierten.
Besonders nahe stand mir Joachim als Dozent am Jung-Institut in Küsnacht ZH, wo ich hie und da gemeinsam mit ihm Kurse zu Themen aus unserem Beratungsbereich anbieten durfte. Auch hier beeindruckte mich Joachim als Dozent nicht nur durch sein Wissen, sondern ebenso nachhaltig durch seine schlichte Herzlichkeit. Dass wir in der Beurteilung mancher Gruppierungen nicht immer gleicher Meinung waren, überrascht niemanden, der weiss, wie stark persönliches Ermessen in unsere Arbeit hineinspielt.
Ein drittes gemeinsames Arbeitsfeld eröffnete sich in manchen Publikationen, die Joachim Müller als Herausgeber betreute. Beiträge von evangelischen "Sektenberatern" wurden von ihm immer wieder gerne aufgenommen und mit grosser Sachkenntnis kommentiert. So war er der eigentliche spiritus rector im Herausgeberkreis der Buchreihe "Weltanschauungen im Gespräch" (Paulusverlag und TVZ) und Mitherausgeber des "Lexikons neureligiöser Gruppierungen, Szenen und Weltanschauungen " (Herder-Verlag) und des Handbuchs "Neue Gruppierungen im Schweizer Katholizismus" (NZN Verlag). Wenn ich mir vor Augen halte, dass Joachim daneben noch zahlreiche eigene Publikationen verfasste, landauf und -ab Vorträge hielt, im katholischen Katechetenverband engagiert mitwirkte und auch noch in einem wesentlichen Teil seines Arbeitspensums als Mittelschullehrer und/oder als Priester wirkte, so frage ich mich, wie er dieses Arbeitspensum mit jener Gemütlichkeit verbinden konnte, die er über viele Jahre hinweg ausstrahlte. Vielleicht bleibt die Antwort auf diese Frage über seinen Tod hinaus sein Geheimnis.
Vor einiger Zeit hat sich die ökumenische Arbeitsgruppe auch analog zu anderen Entwicklungen im ökumenischen Arbeitsfeld aufgelöst. Die vielen Jahre gemeinsamer Arbeit bleiben aber unvergessen. Und mit ihnen bleibt Joachim Müller unvergesslich. Er hat auch uns evangelischen "Sektenberatern" in seiner Fachkompetenz und seiner Menschlichkeit soviel mitgegeben, dass unsere Arbeit in mancher Hinsicht immer noch und noch für lange Zeit auch seinen Stempel trägt.

Georg Schmid, ehemaliger Copräsident der ökumenischen Arbeitsgruppe Neue Religiöse Bewegungen

Quelle: Infosekten, 03.10.2007

Mittwoch, 3. Oktober 2007

 
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