Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Was bewegt Menschen zur Konversion?

Zum Jahresauftakt haben Vertreter von fünf Religionen und Konfessionen aus dem Kanton Bern die gemeinsame Zeitung «zVisite» zum Thema «Konversion, Übertritte, Seitenwechsel» herausgegeben. Und die Verfasser (Redaktionen von Pfarrblatt, Saemann, Christkatholischem Kirchenblatt, JGB-Forum der Jüdischen Gemeinde Bern und Biel und Mitglieder der muslimischen Glaubensgemeinschaft in der Schweiz) kommen zu spannenden Erkenntnissen.

«In die Konversion führen meist persönliche Gründe», schreibt Georg Schmid, Mitarbeiter der Informationsstelle Kirchen-Sekten-Religionen. «Und persönliche Gründe bewegen den Einzelnen, nicht die Masse.» Übertritte in andere Glaubensgemeinschaften seien deshalb in der westlichen Welt nie Massenphänomene gewesen.

So stellt Georg Schmid fest, dass unter Dichtern und Künstlerinnen stets deutlich mehr Protestanten katholisch würden als umgekehrt. Beim «einfachen Volk» sei es hingegen umgekehrt. In letzter Zeit nehmen Konversionen zum Islam deutlich zu, und zwar nicht nur, weil dies für Männer, die eine Muslima heiraten wollen, Pflicht ist. Auch den umgekehrten Weg gebe es häufiger als man denkt: Wenn Moslems Christen werden, geschehe dies häufig in aller Heimlichkeit – aus Angst vor Repressalien. Doch sagen die Vertreterinnen und Vertreter christlicher, jüdischer und muslimischer Glaubensgemeinschaften in einer Umfrage, dass man durchaus konvertieren oder austreten dürfe.

Manche Menschen erlebten ihre Konversion als Heimkehr, schreibt Georg Schmid. Für andere ende sie in übertriebenem, demonstrativem Eifer und Fanatismus. «zVisite» lässt neun Konvertierte selber erzählen, wie sie zu ihrer Entscheidung gekommen sind. Viele sagen, dass sie ein Stück ihrer alten Religion mitgenommen haben in die neue. «Die fehlende Mystik hat mich aus dem Protestantismus gerissen», sagt Theo Flury, heute Priester und Stiftsorganist im Kloster Einsiedeln und Professor am Päpstlichen Institut für Kirchenmusik in Rom. «Wegen der konfessionellen Grenzen, wegen dieser verflixten Spaltung musste ich mich von meiner Glaubenstradition und damit von meiner Familie absetzen. Das hinterlässt Wunden, denn eine Konversion ist auch irgendwie ein Verrat.» Ursula Marti, einst katholisch, jetzt reformiert, hatte sich am «autoritären Obe-abe» gestört und daran, dass die Frauen nicht ernst genommen würden in ihrer früheren Kirche.

Viele Konvertierte sehen sich als Brückenbauer zwischen Konfessionen und Religionen. Theo Flury sagt aber auch: «Überbetonen möchte ich meine Konversion nicht. In der Ewigkeit wird’s keine Kirchen mehr geben!» Und Ruth Fathallah, die aus einer Freikirche kam, die ihr zu eng war, und Muslimin wurde, findet: «Es gibt nur einen Gott – welchen Namen wir ihm geben, spielt keine Rolle.»

Die Zeitschrift ist downloadbar unter http://www.kathbern.ch/download/zvisite_2007.pdf.

Quelle: Infosekten, 06.01.2007

Samstag, 6. Januar 2007

 
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