Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Wenn ich Hilfe brauche - Kontakt mit einer neuen religiösen Bewegung

Der Kontakt mit einer «Sekte» oder neuen religiösen Bewegung, einer konfessionellen Splittergruppe, einer Organisation, die einem Psychokult zuzurechnen ist, oder gar der Beitritt eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen bedeuten für Eltern, Geschwister, Partner sehr oft zuerst einmal einen Schock. Ein solcher Schritt kommt überraschend. Es gab vielleicht kaum Anzeichen, die auf diese Entwicklung hingedeutet hätten, vieles wäre vorstellbar gewesen, nur das nicht, der Entscheid bleibt völlig unverständlich. Hinzu kommt, dass die entsprechende Gruppe den meisten Angehörigen fremd ist, dass man vielleicht über die Massenmedien, mehr reisserisch als sachlich, etwas gehört hat, aber nie damit rechnete, selber einmal damit hautnah konfrontiert zu werden.

Zu der Angst, welche neue, unbekannte, gar gefährliche Wege eine junge Frau, ein junger Mann im Begriffe steht zu gehen, gesellt sich ganz schnell die Scham vor Verwandten, Freunden und Nachbarn. Was werden diese wohl denken? Kann/darf ich mit jemandem darüber sprechen? Und im gleichen Atemzug stellen sich auch Schuldgefühle ein. Was habe(n) ich (wir) falsch gemacht? Warum habe ich nichts bemerkt? Habe ich versagt?

Andererseits ist aus Erfahrung bekannt, dass es oft entscheidend wichtig ist, wie Bezugspersonen in den ersten Tagen und Wochen auf die neue Situation reagieren. Richtiges Verhalten kann darüber entscheiden, ob jemand bereit ist, seinen Schritt nochmals zu hinterfragen und einen definitiven Entscheid erst nach gründlicher Überlegung zu fällen. Kommt es bei den Begegnungen zu Überreaktionen im Sinne von emotionalen Ausbrüchen wie wut, Verzweiflung, Beschimpfung, Ausdruck von Enttäuschung, entspricht dies dem Muster, welches von einigen Gruppierungen den Eintrittswilligen über die Reaktion von Eltern vorhergesagt wurde. Entsprechen solche Vorhersagen den tatsächlichen Erfahrungen, wird dies für den Eintrittswilligen zum ersten Beweis für die Richtigkeit der von der entsprechenden Gruppe vertretenen Lehre.
 

Was tun?

Die hier angeführten Hinweise bedeuten kein Rezept, welches auf jeden Fall Erfolg im Sinne der eigenen Vorstellung verspricht. Es sind Orientierungspunkte, welche sich aus der Beratungsarbeit herausgebildet haben:

1.

Es gilt, sich bewusst zu werden, dass der Kontakt oder Beitritt zu einer derartigen Gruppierung nicht zwangsläufig eine Katastrophe im Leben des Betroffenen bedeuten muss. Vorerst handelt es sich um nichts anderes als um das Suchen und Einschlagen eines Weges, der schwer verständlich ist und einige Pläne und Erwartungen der Angehörigen durcheinander wirft.

2.

Versuchen Sie sich so schnell als möglich Informationen über die Gruppierung zu verschaffen. Eine der angeführten Beratungsstellen kann Ihnen hier weiterhelfen.

3.

Versuchen Sie, mit Ihrer Tochter, Ihrem Sohn, Ihrem Partner in Kontakt zu bleiben. Sein Entscheid sollte ernst genommen werden, eine Verurteilung unterbleiben. Stehen Sie aber auch ehrlich zu Ihrer Überzeugung und spielen Sie keine Sympathie vor, wo keine ist.

4.

Versuchen Sie den Betroffenen vor einem definitiven Beitritt zu einem Gespräch mit einer Fachperson zu überzeugen. Die Argumentation über pro und contra kann von jemandem, der nicht so persönlich betroffen ist, sachlicher geführt werden.

5.

Versuchen Sie, am besten im Gespräch mit Fachleuten, über Ihre eigenen Erwartungen, Ablösungsprobleme, Glaubensinhalte und Sinnkrisen ins klare zu kommen. Sie sollten versuchen, sich nicht in einen Strudel hineinreissen zu lassen, in welchem sich Ihr ganzes Denken, Fühlen, Dasein nur noch um dieses eine Ereignis dreht.

6.

Nicht nur das Feld der neuen religiösen Bewegungen und Psychokulte ist weit. Auch die Angebote und Ratschläge verschiedener Personen und Institutionen, die ihre Hilfe anbieten, sind zahlreich. Auch unter Fachleuten gehen die Meinungen auseinander, welche Haltung einem solchen Ereignis gegenüber einzunehmen ist. Wenn Sie sich beraten lassen, versuchen Sie daher immer auch etwas über die Hintergründe und Interessen der Berater zu erfahren.
Versuchen Sie auch, diese nicht zu überfordern. Ein Berater kann Ihnen helfen, Ihren eigenen Weg zu finden. Da, wo er Ihnen fertige Ratschläge gibt, überschreitet er seine Möglichkeiten und kann Ihren speziellen Bedürfnissen nicht gerecht werden.

7.

Trotz Verzweiflung und verständlicher Sorge der Betroffenen lehnen die ökumenischen Arbeitsgruppe «Neue religiöse Bewegungen in der Schweiz» und die aufgeführten Beratungsstellen ein «Deprogramming» oder «Kidnapping», das gewaltsame «Befreien» aus einer religiösen Organisation ab. Sie betrachten dies als einen ebenso schweren Verstoss gegen Freiheit und Würde des Menschen wie das diesen religiösen Organisationen vorgeworfene «Programmieren», das Unterwerfen unter den Zwang eines ideologischen Systems. Vielmehr geht es darum, jene Hilfe zu geben und jene Freiheit zu schaffen, die Voraussetzung für eine fundierte und persönliche Glaubensentscheidung ist.

Quelle: Infosekten, 18.02.2000

Freitag, 18. Februar 2000

 
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