Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Abwehr der Dämonen? - Exorzismus heute

Stellungsnahme der Arbeitsstelle ´Neue religiöse Bewegungen´

Am 24.11. 05 startete der amerikanische Film „Der Exorzismus von Emily Rose“. Erzählt wird die Geschichte der jungen Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter), die fürchterliche Visionen und krampfartige Anfälle hat. Der Vertreter der katholischen Kirche entscheidet auf Besessenheit und lässt Pater Moore (Tom Wilkinson) das Ritual des Exorzismus, die Liturgie zur Befreiung vom Bösen durchführen. Dieses führt tragischer Weise zum Tod Emilys. Die Staatsanwaltschaft klagt Pater Moore der fahrlässigen Tötung an. Die skeptische Anwältin Erin Bruner (Laura Linney) versucht, die Unschuld des Geistlichen zu beweisen und die Wahrheit herauszufinden. Im Laufe des Prozesses zeigen sich die Schwierigkeiten: War Emily tatsächlich besessen oder litt sie an einer schweren Krankheit?
Hintergrund bildet der „Fall Klingenberg“: Bischof Stangl, Würzburg, erteilte Pater Arnold Renz 1975 den Auftrag, den Exorzismus an der jungen Studentin Anneliese Michel durchzuführen. Diese stirbt am 1.7.1976 an den Folgen. Am 13. 7.1077 wird die Anklageschrift zugestellt und am 21.4.1978 das Urteil gefällt: 6 Monate Haft, ausgesetzt auf 3 Jahre zur Bewährung an die Eltern der Anneliese Michel, an Pfarrer Ernst Alt und Pater Arnold Renz. Es erlangt im Juli 1978 Rechtskraft.
Die Ergebnisse der interdisziplinären Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz, die im Anschluss an den Fall Klingenberg unter dem Vorsitz des heutigen Kardinal Lehmann fliessen in die Neukonzeption der neuen Liturgie zur Befreiung vom Bösen 1999 ein.

Exorzismus - Rückkehr zum Irrationalen?
Der Film „Der Exorzismus von Emily Rose“ hebt sich wohltuend vom Horrorfilm „Der Exorzist“ von 1973 ab, da das gerichtliche Prozessgeschehen im Mittelpunkt die Rahmenhandlung des Filmes bildet. Die Frage nach einer natürlichen Erklärbarkeit der Phänomene werden thematisiert, bleiben offen und werden als Frage an die Zuschauer weitergegeben. Er stellt Pater Moore als Seelsorger sympathisch und glaubwürdig dar: er will einem gequälten Menschen helfen, bei dem die ärztliche wie psychiatrische Kunst versagt hat.

Notwendigkeit der ganzheitlichen therapeutischen Hilfe
Der Film "Der Exorzismus von Emily Rose", im November 2005 in die Deutschsprachigen Kinos gekommen, wie auch der Exorzismus der römisch-katholischen Kirche von 1999 und die beiden Kurse an der kleinen römischen Hochschule Regina Apostolorum der aus Mexiko stammenden Legionäre Christi 2004/05 verweisen auch heute noch auf ein aktuelles Faktum in unserer postmodernen Gesellschaft: Sie machen auf einen Hilferuf von Menschen aufmerksam, die sich von der Realität des Bösen betroffen glauben und die Krankheitsphänome erfahren, die sie nicht deuten können. Die Dämonen, der/das Böse ist für diese Menschen real, von ihnen erfahren. Darum dürfen Seelsorger und Psychotherapeuten sich solchen Themen nicht entziehen, auch wenn es noch so absurd und beängstigend erscheint. Dabei ist eines der therapeutischen Ziele, zu helfen, dass die Verantwortung über das eigene Dunkel, das Böse übernommen werden kann. Auch ist die persönliche Stellungsnahme: ´wer ist für mich Gott´ ; ´wer ist für mich der/das Böse´ beim seelsorglichen Gespräch wichtig.
Das Verlangen nach ganzheitlicher therapeutischer Hilfe im Zusammenwirken von Medizin, Psychotherapie und Seelsorge wie die Bitte um das Gebet muss ernstgenommen werden (auch in der Hinführung des Hilfesuchenden), ebenso die Sehnsucht nach Heil und Heilung in diesen ganz besonderen Fällen. Es ist ora et labora, Gebet, Liturgie und therapeutische Hilfe.
Weil aber auch Gläubige, die sich von der Realität des Bösen betroffen erfahren, in dieser Sache mit dem Priester/SeelsorgerIn zu beten wünschen, auf die Hilfe des guten, helfenden und rettenden Gottes hoffend, sollte das private wie gemeinsame Beten um den Schutz vor dem Bösen mitbedacht werden. Dazu sollen Christen auch ermuntert werden. Es eignet sich besonders das Herrengebet, das Vater unser; dessen letzte Bitte kann als privater "Exorzismus" verstanden werden.

Literatur zum Thema:
Instruktion über die Gebete um Heilung durch Gott. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 149,
14. September 2000, Bonn
Müller J. (hg.), Dämonen unter uns? Exorzismus heute, Freiburg i. Ue. 1997.
Niemann U., Exorzismus oder/und Therapie? Stimmen der Zeit 217 (2000), 781 - 784.
Niemann U., Exorzismus oder Therapie? Ansätze zur Befreiung vom Bösen, Regensburg 2005.
Probst M.- Richter K., Exorzismus oder Liturgie zur Befreiung vom Bösen, Münster 2002.
Joachim Müller

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter http://www.kath.ch/infosekten/text_detail.php?nemeid=52145

Quelle: Infosekten, 05.12.2005

Montag, 5. Dezember 2005

 
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