Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

25 Jahre Katholische Arbeitsgruppe "Neue religiöse Bewegungen"

Weltanschauungsarbeit im Wandel

Von Rolf Weibel / Kipa

Zürich, 26.6.05 (Kipa) Die katholische Weltanschauungsarbeit ist vor einem Vierteljahrhundert noch stark im Dienst der Gefahrenabwehr gestanden; heute bietet sie in der Unübersichtlichkeit des religiösen Pluralismus Orientierungshilfen an. Auf diesen Wandel ging am Freitag in der Paulus- Akademie, Zürich, ein Podiumsgespräch zum 25-Jahr-Jubiläum der Arbeitsgruppe "Neue religiöse Bewegungen" der Schweizer Bischofskonferenz ein.

Einführend erinnerte der Gesprächsleiter an die Vorgeschichte der institutionalisierten katholischen Weltanschauungsarbeit. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es einzelne Theologen wie der Jesuit Albert Ebneter oder die reformierten Pfarrer Oswald Eggenberger und Eduard Gerber, die sich mit Sondergruppen und religiösen Vereinigungen befassten und sich mit ihnen auseinander setzten. Zu dieser Auseinandersetzung gehörte die theologische Kritik an Sonderlehren dieser sich als christlich verstehenden Vereinigungen; so veröffentlichte Pfarrer Gerber 1974 ein Buch mit dem bezeichnenden Titel "Sekten und Kirchen im Urteil der Bibel".

Ein Jahr später gab der Schweizerische Beratungsdienst Jugend + Gesellschaft die Untersuchung "Religion im Untergrund. Die religiösen Randgruppen Jugendlicher in der Schweiz - Eine Herausforderung" heraus. Diese Untersuchung machte zum einen auf das Phänomen der so genannten Jugendreligionen aufmerksam und zeigte zum andern, wie wichtig in der Weltanschauungsarbeit das Zusammenwirken von Fachleuten verschiedener Disziplinen ist. In der Folge gründete die Theologische Kommission der Schweizer Bischofskonferenz 1979 die Subkommission "Jugendreligionen in der Schweiz", der neben den genannten Theologen auch Fachleute der Sozialwissenschaften angehörten. 1983 erweiterte sich diese Subkommission bzw. Katholische Arbeitsgruppe zur Ökumenischen Arbeitsgruppe "Neue religiöse Bewegungen in der Schweiz".

Kritik an vereinnahmendem Verhalten

Auch heute verzichtet die katholische Weltanschauungsarbeit nicht auf Kritik, wie Martina Schäfer, die als Sozialwissenschaftlerin unter anderem im Bereich der Gewaltprävention arbeitet, ausführte. Nur richtet sich die Kritik weniger gegen bestimmte Inhalte als vielmehr gegen vereinnahmendes Verhalten. Zudem interessieren weniger besondere Lehrinhalte als vielmehr Grundausrichtungen alternativer Religiosität und Spiritualität wie beispielsweise New Age oder Esoterik.

Dazu haben die Päpstlichen Räte für die Kultur und für den Interreligiösen Dialog unter dem Titel "Jesus Christus - Der Spender lebendigen Wassers" vor zwei Jahren Überlegungen aus christlicher Sicht veröffentlicht. Als damaliger Mitarbeiter des Rates für die Kultur und heutiger Berater der Arbeitsgruppe stellte Peter Fleedwood dieses vatikanische Dokument in den zeitgeschichtlichen und kirchlichen Zusammenhang. Als Historiker in der Arbeitsgruppe zeigte Christian Ruch am Beispiel der Mormonen, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage auf, wie ein verdienstvolles Unterfangen wie die Mikroverfilmung von familiengeschichtlich wichtigen Daten weltanschaulich fragwürdig sein kann.

Von Anfang an dabei, zunächst als Mitarbeiter im Sekretariat der Bischofskonferenz, dann als Präsident der Arbeitsgruppe und als Leiter der 1995 eingerichteten Arbeitsstelle "Neue religiöse Bewegzungen" skizzierte Joachim Müller aus institutioneller Sicht den Wandel der Weltanschauungsarbeit und erklärte damit gleich auch den Titel der Veranstaltung: Von der "Sektenjagd" zum spirituellen Konsumentenschutz.

Zu diesem Konsumentenschutz gehört nicht zuletzt eine breite und sachliche Information. Zu diesem Zweck haben leitende katholische Weltanschauungsbeauftragte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das "Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen" herausgegeben. Wie dieses Standardwerk Orientierungen im religiösen Pluralismus leisten will, legten im Anschluss an das Podiumsgespräch zwei der Herausgeber, aus der Schweiz Joachim Müller und aus Deutschland Harald Baer, dar. So geriet die Jubiläumsveranstaltung gleich noch zur Buchvernissage und in Einklang mit der Haltung der Autoren dieses Buches zur Einladung, die religiöse Gegenwart vorurteilsfrei wahrzunehmen.

(Mit freundlicher Genehmigung der Kipa.)

Quelle: Infosekten, 05.07.2005

Dienstag, 5. Juli 2005

 
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