Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Wanderbischöfe (Episcopi vagantes)

In den letzten Wochen machten unterschiedliche Episcopi vagantes auch in der Schweiz wieder auf sich aufmerksam. Anbei einige Hintergrundsinformationen:

Zum Amt des Bischofs in der römisch-katholischen Kirche
Das Vaticanum II stellte in seiner Zusammenfassung der Theologie des Amtes fest, dass den Bischöfen die Fülle des Amtes zukommt, die „aufgrund göttlicher Einsetzung“ an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten sind (LG 20). Bischöfe werden als Weihebewerber vorgeschlagen und für einen historischen Bischofsstuhl geweiht. In der römisch-katholischen Kirche wird er im Einverständnis mit dem Papst unter Beachtung der kirchenrechtlicher Bestimmungen von drei Bischöfen konsekriert.
Für die Bewertung der episcopi vagantes ist es von besonderer Bedeutung, dass jeder Bischof in der römisch-katholischen Kirche sein Amt innerhalb des Kollegiums der Bischöfe in Gemeinschaft mit und unter dem Bischof von Rom, dem Papst hat. Dazu gehören alle in der apostolischen Sukzession (lückenlose Weitergabe des Bischofsamtes von den Aposteln bis zu Bischöfen der Gegenwart) stehenden Bischöfe.
Folgende Kirchen stehen u.a. zur apostolischen Sukzession: die römisch katholische, die christ-(alt-)katholische Kirche und die altorientalischen wie orthodoxen Patriarchate. Da rein kirchenrechtlich die Gültigkeit der Weihe einzig von der richtigen Intention und der Einhaltung des Weiheritus abhängig ist, können die Weihen verschiedener episcopi vagantes zwar gültig, aber unerlaubt sein.
Eine immer grösser werdende Zahl von episcopi vagantes, von ihnen geweihte Priester und Diakone, aber auch Kleinkirchen, die sich von der römisch-katholischen, der christ-(alt-)katholischen Kirche oder den Ostkirchen getrennt haben, berufen sich auf diese apostolische Sukzession.
Nach dem Vaticanum II kann jedoch eine Bischofsweihe unter Umständen nicht gültig sein, wenn sie gegen die „hierarchische Gemeinschaft“ stattfindet, d.h. wenn der weihende Bischof keine Einheit mit dem Papst und dem Bischofskollegium unterhält. So handelt es sich z.B. bei den Weihen, die Bischof Lefèbvre 1988 in der Piusbruderschaft vorgenommen hat, um Weihen gegen den Willen der römisch-katholischen Kirche.

Wanderbischöfe - Episcopi vagantes
- Romolo Antonio Braschi
Der rechtmässig geweihte brasilianische Bischof Carlos Duarte Costa brach mit seiner Kirche und gründete u.a. die Katholisch-Apostolische Kirche Brasiliens (Igreja Catolica Apostolica Brasileira). Aus dieser Sukzessionslinie stammt Romolo Antonio Braschi; ehemals römisch-katholischer Priester (Priesterweihe 1966; Orden de los Maristas) in Argentinien trennte er sich von dieser Kirche, gründete 1978 die Katholisch-apostolisch charismatische Kirche Jesu König. Kontakte zur Igreja Catolica Apostolica Brasileira führten 1998 zur Weihe von Bischof Roberto Garrido Padin zum Bischof dieser Kirche. Romulo Antonio Braschi bezeichnet sich heute als "Erzbischof der katholisch-apostolisch charismatischen Kirche Jesu König mit den Diözesen München, Zürich, San Salvator de Bahia und Buenos Aires". Im Mai 2002 nahm er die Bischofsweihe des ehemaligen Benediktinermönches Ferdinand Regelsberger (bis 1977 in der Abtei Kremsmünster/Österreich) vor. Mit der für die römisch-katholischen Kirche ungültigen Weihe von sieben Frauen zu Priesterinnen durch Bischof Braschi am 29. Juni 2002 erinnerte Kardinal Ratzinger am 5. Aug. 2002 an dessen Exkommunikation aus der römisch-katholischen Kirche und vollzog auch die Exkommunikation der aus der römisch-katholischen Kirche stammenden Frauen.
- Episcopi vagantes, die sich mit von eigenen Kirchen und Akademien verliehenen Titel schmücken. Bei ihnen können Diakons-, Priester- und Bischofsweihen zu einem Handelsobjekt werden. Ihre Kirchen tragen gewichtige Namen, in Verbindung mit katholisch, orthodox, christlich-charismatisch. Erfolglose Theologiestudenten, laisierte Priester oder Ordensleute versuchen mit diesen käuflich erworbenen Weihen und in eigenen Kirchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dazu kommen Menschen verschiedener Bildungshorizonte, die auf diese Weise ihrem Wunsch, Priester oder Bischof zu werden, verwirklichten.
Beispiele sind: die Universale Lebenskirche Deutschlands, die Christiana Ecclesia, die Ecclesia Laetitia, die Anglican Free Church oder die Alt-Römisch-Katholische Kirche. Namen solcher Priester sind: Klaus-Jesko Michael Maria Eitel (tritt als Kapuzinerpater Nikolaus oder Kamaldulenserpater Michael Maria auf); Dieter Soumange (als Pater Augustinus aus dem Kloster Pappenheim) oder Hubert Übelhör (Prior des Kloster Pappenheim).
- Der verheiratete Schwertbischof Nikolaus Andreas Schneider, aus Oberriet SG stammend und nach Aufenthalten in Naters VS und Bazenheid SG heute wohnhaft in Rehetobel AR, wurde durch seinen Kinder-Gebetssturm bekannt. Er wurde von Gerard Franck, Katholische und Apostolische Kirche, Sittard, Holland, am 24. 8. 1977 im Sprechzimmer eines Untersuchungsgefängnis zum Bischof geweiht. Gerard Frank, der wegen des Verdachtes auf homosexuellen Praktiken mit Jugendlichen im Untersuchungsgefängnis war, war nach Aussage des Generalvikars des Bistum Roermond von Bischof Van der Made der Altrömisch-katholischen Kirche geweiht worden; nach Angaben des Schwertbischofs wurde Franck von Johannes Brom geweiht (Mehrfachweihen sind bei solchen Bischöfen oft vorhanden, da auch diese Weise eine mögliche Sukzessionslinie nachgewiesen werden soll: hier u.a. die der Antiochenischen Kirche...). Er wurde jedoch von dieser Kirche später ausgeschlossen. Die Gemeinschaft von Nikolaus Schneider nennt sich „Kirche der neuen Christen“ bzw. Neuchristen. Zu ihnen gehören neben einer Hauskirche mit mehreren Priestern und Bischöfen (Walter Noti, Josef Georg Seitz, Josef Keppeler, Matthias Keppeler) um Nikolaus Schneider auch ein Frauenkloster mit Pia Muff als Äbtissin.
- Weitere Gemeinschaften und Kirchen sind: Fraternitas San Francisco de Asis (Wolfgang Sachse); Armitenorden und Franziskusstiftung (J.M.Andreas Endl), die Unabhängige Katholische Kirche (Rüdiger Scheurich als Erzbischof und Metropolit); P. Bartholomäus Schneider als "Altvater" der Verbrüderung der Erimiten vom regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus von Assisi.
- Der Australier Kamm (genannt Little Pebble) glaubt, nach dem Tod von Papst Johannes Pauls I. dessen von Gott gewollter Nachfolger zu sein. Auf Robert Geyer gehen zahlreiche Weihen und die Gründung eines Apostolischen und Erzbischöflichen Amtes und die Ökumenische Katholisch-Apostolische Mission zurück. Eine "Alt-römisch katholische Kirche erhielt ihre besondere Prägung durch Josef Maria Thiesen.
- Bischöfe und aus der katholischen Kirche entstandene Gemeinden und Kirchen, die oft eine der katholischen Kirche ähnliche Struktur aufweisen: diese Gemeinschaften versuchen, die apostolische Sukzession aufzuzeigen. Dazu gehören zahlreiche Migrationskirchen Afrikas und Lateinamerikas, die sich in den letzten Jahren in Europa neu ansiedeln (u.a. die Igreja Catolica Apostolica Brasileira). Dazu zählt auch die Priesterbruderschaft St. Pius X des ehemaligen Bischofs Lefèbvre (1905-1991. In seinem Protest gegen das Vaticanum II, bereits sichtbar in der Gründung des „Coetus Internationalis Patrum“ während der Konzilszeit, suchte er eine Abgrenzung gegen progressive Neuerungen. Nach dem Konzil gründete er in Fribourg/Schweiz die Priesterbruderschaft St. Pius X, für die er 1970 vom damaligen Bischof Charrière die kirchenrechtliche Anerkennung erhielt, die ihm jedoch 1975 bereits wieder entzogen wurde. Parallel dazu entstand in Ecône/VS das Priesterseminar. Als 1976 Bischof Lefèbvre 13 Diakone und 13 Priester weihte, suspendierte Papst Paul VI. ihn von allen Vollmachten des Priester- und Bischöfsamtes. Bis 1988 kam es alljährlich zu erneuten kirchenrechtlich unerlaubten Konsekrationen, wodurch dieses Werk entsprechend ausgeweitet wurde. Als Bischof Lefèbvre die unerlaubten Bischofsweihen von Bernhard Fellay, Bernard Tissier, Richard Williamson und Alphonse de Galarreta vornahm, zog er sich samt seinem Mitkonsekrator A. de Castro Mayer (emeritierter Bischof von Campos) und den neuen Bischöfen die Exkommunikation als Tatstrafe zu. Heute ist die Priesterbruderschaft Pius X in 24 Staaten präsent, gründet Schulen (in der Schweiz z.B. in Oberrried, Mels und Wil), baut Kirchen und eine eigene weltweite innerkirchliche Struktur auf.
- Hochkirchliche Gruppen im evangelischen Raum, die versuchen, die apostolische Sukzession in den Protestantismus zurückzubringen und evangelischen Pfarrern die Priesterweihe zukommen zu lassen. So wurde Prof. DDr. Helmut Echternach, Hamburg, 1996 zum Bischof Ignatius V. konsekriert. Dazu gehört auch die St. Athanasius-Bruderschaft.
- Auf Grund von Visionen der Gründer zurückgehende kirchliche Gemeinschaften und Titel.
Die Erneuerte Kirche des Franzosen Michel Collin (1905-1974), wurde 1958 gegründet; er selbst wurde 1933 als Herz-Jesu Priester geweiht. Seit 1950 glaubte er sich durch eine Vision zum Papst erwählt und nannte sich Papst Clemens XV. 1960 liess er sich in Clémery nieder und weihte dort dort zahlreiche Bischöfe und ernannte Kardinäle (u.a. wurde auch Paul Kuhn und Maria Gallati-Müller dort zu Priestern geweiht, die später die Michaelsvereinigung in Dozwil gründeten).
Die Palmarianisch-katholische Kirche geht auf den Spanier Clemente Dominguez Gomez zurück, der sich aufgrund einer mystischen Vision zum rechtmässigen Papst Gregor XVII. nach dem Tod Papst Pauls VI. 1978 ernannte. Nach dessen Tod wählte die palmarianische Kirche Manuel Cecilio Cooral aus Badajoz im März 2005 zum Papst mit dem Namen Pedro II.
- Theosophische, gnostische und okkultistische Gemeinschaften und ihre „Bischöfe“: Zu diesen gehören u.a die Universale Kirche (auch „Bruderschaft der Menschheit; Dritter Franziskanischer Orden), die 1981 in Virginia/USA aus der I AM – Bewegung durch Peter William Leach-Lewis, „Patriarch und vorsitzender Erzbischof der Universalen Kirche“, gegründet wurde und sich neben der USA rasch in der Schweiz (die zweite Frau von Leach-Lewis ist Schweizerin) ausbreitete. 1995/96 durch antisemitische Verlautbarungen von sich reden machte und im deutschen Sprachraum Kritik zuzog. Ebenfalls kann man dazu die Liberalkatholische Kirche zählen, die ebenfalls der Theosophie zuzurechnen ist. Auch gehören dazu eindeutig blasphemischen okkultistische Gemeinschaften wie die Gnostisch-Katholische Kirche in Stein, AR (bis 1989), die O.T.O (Hermann Joseph Metzger (Zürich, Stein AR) und die Freie Orthodoxe Kirche u.a.m.

Literatur zum Thema:
Anson P., Bishops at large, London 1964. Haack F.-W., Gottes 5. Kolonne, Augsburg 1976; ders., Die freibischöflichen Kirchen im deutschsprachigen Raum, München 1980; ders., Religion und Dekoration, München 1990; Miers H. E., Lexikon der Geheimwissenschaften, München 1987. Plazinski E., Mit Krummstab und Mitra, St. Augustin 1970. Müller J., Episcopi vagantes, in: Neue Gruppierungen im Schweizer Katholizismus. Ein Handbuch, Zürich 2000, 244 – 248 und Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen. Orientierungen im religiösen Pluralismus, Herder 2005, 287 – 293.

Joachim Müller, 2005

Quelle: Infosekten, 09.05.2005

Montag, 9. Mai 2005

 
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