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Buchtipp: „Das Lexikon der Grossstadtmythen“ von Bernd Harder

Im Jahr 2000 veröffentlichte der Frankfurter Eichborn-Verlag Robert Anton Wilsons ebenso informatives wie unterhaltsames „Lexikon der Verschwörungstheorien“. Nun hat derselbe Verlag ein – um es gleich vorwegzunehmen – ebenso empfehlenswertes Ergänzungswerk veröffentlicht, Bernd Harders „Lexikon der Großstadtmythen“. Der Autor – Journalist der Zeitschrift „Skeptiker“ und Pressesprecher der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) – widmet sich darin den bekanntesten jener zahllosen Geschichten, die man immer wieder und in immer neuen Varianten zu hören bekommt: etwa jene von den angeblich durch Rattengift vergifteten Coladosen, den Alligatoren, die sich in der Kanalisation von New York tummelten, oder den Schallplatten, auf denen satanische Botschaften zu hören seien, wenn man sie rückwärts laufen lasse. Diese „Urbanen Legenden“ sind mittlerweile ein eigenes Forschungsgebiet der Volkskunde geworden, und in vielen Fällen lässt sich sogar rekonstruieren, wann und wo sie das erste Mal auftauchten. Daneben hat sich Harder auch so prominenter Mythen wie dem schottischen Nessie, dem Yeti des Himalaya oder dem Bigfoot Amerikas angenommen.
Das Reizvolle an dem Buch ist, dass es seiner Leserschaft immer wieder Überraschungsmomente beschert, weil man stets damit rechnen muss, sich selbst als leichtgläubig entlarven zu müssen. Hat man sich z.B. gerade noch kopfschüttelnd über jene Zeitgenossen amüsiert, die im Ernst glauben, dass der Beatle Paul McCartney längst tot und durch einen Doppelgänger ersetzt worden sei, stösst man vielleicht schon auf der nächsten Seite auf einen Großstadtmythos, dem man selber jahrelang aufgesessen ist (dem Verfasser dieser Zeilen ging es jedenfalls so).
Für die Beratungsarbeit im Weltanschauungsbereich liegt der Wert des Werkes darin, dass es viele Mythen thematisiert und entlarvt, mit denen man immer wieder konfrontiert wird, sei es der angebliche Ufo-Absturz bei Roswell, die Mär von der angeblich auf einem Konzil aus dem christlichen Glaubenskanon verbannten Reinkarnation oder vergleichsweise Harmloses wie Feng Shui und die „Fünf Tibeter“.
Ob man dem Autor Bernd Harder auch dann folgen will, wenn der Skeptiker Bernd Harder gleich noch die Wirksamkeit der Homöopathie oder die Authentizität des Turiner Grabtuchs ins Reich der Legende verbannt, bleibt jedem Leser selbst überlassen. Andererseits hätte Harder natürlich noch viel mehr in sein Buch aufnehmen können, so etwa die unausrottbaren Legenden von der angeblichen Päpstin Johanna oder von den ebenso angeblich immer noch unter den Lebenden weilenden Popgrößen Elvis Presley und Jim Morrison, doch kann man von solch einem Werk sicher keine Vollständigkeit erwarten. Auch den ganzen Verschwörungskomplex rund um den 11. September 2001 musste Harder unberücksichtigt lassen, würde er doch zweifellos einen eigenen Band füllen. Festzuhalten bleibt, dass das Buch viel mehr als ein Lexikon geworden ist, denn sein ansprechender Stil, der dem aufklärerischen Anspruch keineswegs zuwider läuft, macht es auch als eine unterhaltsame Bettlektüre und nicht zuletzt als geeignetes Geschenk für allzu leichtgläubige Mitmenschen empfehlenswert.

Bernd Harder, „Das Lexikon der Großstadtmythen. Unglaubliche Geschichten von Astralreisen bis Zombies“, Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 2005, 320 S., 19,90 EUR, 36,90 CHF.

Christian Ruch, Zürich

Quelle: Infosekten, 24.02.2005

Donnerstag, 24. Februar 2005

 
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