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Eine tödliche Psychositzung in Berlin ...und was sie mit der Schweiz zu tun hat

Ein aus Usbekistan stammender Arzt hat am vergangenen Samstag im Rahmen einer "psycholytischen Gruppentherapie" den zwölf Gruppenteilnehmern bewusstseinserweiternde Drogencocktails verabreicht. Offenbar hatte er zu hoch dosiert oder eine neue Substanz ausprobiert, denn zwei Teilnehmer verstarben am Wochenende, und viele Verletzte sind zu beklagen. Noch am Sonntagabend wurde ein Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner unter anderem zweifachen Mord, mehrfache gefährliche Körperverletzung und Drogenhandel vor.

In der "psycholytischen Therapie" wird mit psychoaktiven Substanzen gearbeitet – angeblich, um traumatische Erlebnisse stärker empfinden und verarbeiten zu können. Ein Begründer dieser Behandlungsmethode ist Stanislav Grof, nach dessen Lehre der Berliner Arzt gearbeitet haben soll. Dem 1931 in Prag geborenen Psychiater Grof geht es in seinen Behandlungen darum, die Identifikation mit einem persönlichen Schicksal aufzulösen und hineinzufinden "in eine neue Identität als eines Wesens, dessen Sein viele Leben umspannt" (Kosmos und Psyche, Frankfurt 2000, 251). Die spekulativen Lehren von Karma und Reinkarnation sind hier maßgeblich.

Nach therapeutischer Tätigkeit in einer Klinik mit spirituellem Zuschnitt arbeitete der Arzt zuletzt mit seiner Ehefrau zusammen, die als Heilpraktikerin tätig ist. Beide waren Referenten einer "Therapeutisch-Tantrisch-Spirituellen Universität" in der Schweiz. Dort hat sich eine spirituelle "Kirschblütengemeinschaft" unter der Leitung des umstrittenen Arztes Samuel Widmer gebildet. In der Kommune leben laut eigenen Angaben 80 Erwachsene und 55 Kinder (vgl. dazu http://www.relinfo.ch/widmer/index.html).

Aus der schrecklichen Bilanz eines fragwürdigen Therapieansatzes folgt:

· In einer fachlichen Psychotherapie werden niemals bewusstseinserweiternde Techniken oder gar illegale Drogen eingesetzt. Allerdings ist es ein Skandal, dass es laut Berliner Ärztekammer nicht möglich ist, einem approbierten Arzt zu verbieten, auch obskure Heilmethoden als "besondere Therapieverfahren" anzubieten und auszuüben. Hier sind dringend Klärungen und Qualitätssicherung nötig.

· Während traditionelle Sekten wie die Zeugen Jehovas in Europa keinen nennenswerten Zuwachs verzeichnen, erleben therapeutische Kleingruppen und spirituelle Heilungsangebote auf dem Psychomarkt vermehrt Zulauf (vgl. http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_im_blickpunkt_ein_land_voller_propheten.php). Esoterisches Gedankengut und bewusstseinserweiternde Techniken werden hier vielfältig eingesetzt. Die Grenzen zwischen einem therapeutischen Heilverfahren und einem spirituellen Heilsangebot sind jedoch strikt zu wahren, um nicht mehr Schaden als Nutzen zu bringen.

· Um auf dem Psychomarkt Spreu vom Weizen zu trennen, muss das Heilpraktikergesetz, das aus dem Jahr 1939 (!) stammt, den heutigen Bedingungen angepasst werden. Die Zulassung zum "Heilpraktiker für Psychotherapie" durch das Gesundheitsamt genügt den Erfordernissen dieses verantwortungsvollen Berufs nicht.

Dr. Michael Utsch, Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin)

Quelle: Infosekten, 24.09.2009

Donnerstag, 24. September 2009

 
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