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New Age aus christlicher Sicht

Das Geheimnis der „Illuminati“

Verschwörungsthriller sind „in“. Darum dürfte auch die zweite Verfilmung eines Dan Brown-Bestsellers für volle Kinos sorgen. Thema diesmal: die mysteriösen Illuminaten.

Nach dem Erfolg von „Sakrileg“ („The Da Vinci Code“) war klar, dass Hollywood auch den zweiten Bestseller des amerikanischen Autors Dan Brown verfilmen würde. „Angels and Demons“ („Engel und Dämonen“) heissen Buch und Film im Original, „Illuminati“ lautet der deutsche Titel. Der Film läuft jetzt in den Kinos. Wieder ist Tom Hanks als Professor Robert Langdon einer Verschwörung auf der Spur: Diesmal will die geheime Organisation der Illuminaten den Vatikan vernichten. Browns Erfolgsrezept ist eine Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit. Denn die Illuminaten hat es wirklich gegeben – doch gibt es sie, wie Brown behauptet, auch heute noch? Und sind sie tatsächlich ein gefährlicher Geheimbund?

Dass Dan Brown spannend erzählen kann, wird wohl niemand bestreiten. Eine andere Frage ist, ob denn auch alles stimmt, was er an Behauptungen in die Welt setzt. Brown erwähnt gleich zu Beginn seines Romans, die Illuminaten seien ein immer noch existierender Geheimbund. Nun sei einmal dahingestellt, ob er das selber tatsächlich glaubt – wenn er es glauben sollte, wäre er jedenfalls nicht allein. Denn immer wieder erscheinen Bücher, die unterstellen, dass die Welt nicht von gewählten Parlamenten und Regierungen, sondern in Wahrheit von den Illuminaten beherrscht werde. Sie würden im Verborgenen die Fäden ziehen, um eine gottlose oder sogar satanistische Weltdiktatur zu errichten. Zu diesem Zweck hätten sie vor allem die Hochfinanz unterwandert. Auch Institutionen wie die UNO oder der Vatikan stünden längst unter der Kontrolle der Illuminaten.

Geheimnisvolle Dollar-Note?

Anhänger dieser Verschwörungstheorie glauben, dass das geheime Erkennungszeichen für die teuflischen Pläne der Illuminaten auf der Rückseite amerikanischer Dollar-Noten zu finden sei. Das behauptet übrigens auch Dan Brown. Doch die Wahrheit ist gar nicht so aufregend: Auf der Rückseite des Dollar-Scheins sieht man eine Pyramide mit der Jahreszahl 1776 sowie die lateinischen Worte „Annuit coeptis“ und „Novus Ordo Seclorum“. Die Zahl 1776 steht nicht, wie gerne behauptet wird, für das Gründungsjahr der Illuminaten, sondern für das der USA. Ebenso wenig entsprechen die 13 Stufen der Pyramide den angeblich 13 Einweihungsgraden der Illuminaten, sondern den 13 Gründungsstaaten der USA. Der Schriftzug „Annuit coeptis“ heisst nicht – wie Verschwörungsfans meinen – „begonnen und gewährt“, sondern „Er hat das Begonnene gesegnet“. Und „er“ ist in diesem Fall Gott, für den das Auge im Dreieck oberhalb der Pyramide steht. Das ominöse „Novus ordo seclorum“ wird von fast allen Liebhabern der Verschwörungstheorie als „neue Weltordnung“ übersetzt, heisst aber eigentlich „neue Ordnung der Zeitalter“. Das bedeutet, dass mit der Schaffung des demokratischen Bundesstaates USA eine neue Epoche angebrochen ist. Mit angeblichen Machenschaften der Illuminaten haben die Symbole auf dem Dollar also absolut nichts zu tun.

Der Erfinder guter Manieren – ein Illuminat!

In einem haben Dan Brown und die Anhänger von Verschwörungstheorien allerdings recht: Die Illuminaten hat es wirklich gegeben. Sie wurden am 1. Mai 1776 von dem ehemaligen Jesuiten Adam Weishaupt (1748-1830) in Ingolstadt (Bayern) gegründet. Der Name „Illuminati“ ist lateinisch und bedeutet „Die Erleuchteten“. Als solche sahen sich Adlige und Bürger, die sich ähnlich wie die Freimaurer im Verborgenen für moralische Werte und ein tugendhaftes Leben einsetzten. Zu ihrer Blütezeit zählten die Illuminaten nicht mehr als 2000 Mitglieder. Es war also nie eine besonders grosse Organisation. Der berühmteste Illuminat war übrigens der heute als Erfinder guter Manieren bekannte Freiherr Adolph von Knigge. Der Freiherr war ein frommer Christ und wäre wohl kaum Illuminat geworden, wenn der Geheimbund tatsächlich satanistische Ziele verfolgt hätte. Allerdings gerieten die Illuminaten ins Visier der bayrischen Behörden und wurden 1785 wegen angeblich staatsfeindlicher Betätigung verboten. Wie lange die Organisation weiterexistierte, ist unklar, jedenfalls verschwand sie bald von der Bildfläche. Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es Versuche, sie neu zu gründen, doch ohne Erfolg. Die „echten“ Illuminaten sind also nichts weiter als ein längst verschwundener Geheimzirkel des 18. Jahrhunderts.

Die Illuminaten – schuld an allem?

Warum tauchen die Illuminaten dann heute, mehr als 200 Jahre später, immer wieder auf? 1797 behauptete ein französischer Jesuit, Abbé Augustin Barruel, in einem Buch, dass die Französische Revolution ein Werk der Illuminaten sei. Barruel wurde damit zum Vater aller heutigen Verschwörungstheorien. Und er will entdeckt haben, dass es sich bei den Illuminaten um eine noch viel ältere Organisation praktizierender Satanisten handle. Im Mittelalter seien diese Satanisten als die sagenumwobenen Tempelritter aufgetreten, die wegen ihres angeblich teuflischen Kults ab 1307 blutig verfolgt wurden. Doch das ist falsch: Grund für die Verfolgung war in Wahrheit der Neid des französischen Königs auf den Wohlstand dieses Ritterordens.
Doch Barruel baute seine Theorie noch weiter aus. 1808 will er erfahren haben, dass hinter allen finsteren Plänen eigentlich eine Gruppe stehe, die schon immer als Sündenbock herhalten musste: die Juden. Die Juden planten angeblich die Weltherrschaft zu übernehmen und den Vatikan zu unterwandern. Um das Jahr 1906 herum würden sie alle Kirchen in Synagogen umwandeln. Damit war der Mythos von der jüdisch-illuminatischen Weltverschwörung geboren. Dass die meisten Illuminaten gar keine Juden waren, wird gern übersehen. Ausserdem ist die These, dass die Illuminaten die Französische Revolution ausgelöst haben, mittlerweile eindeutig widerlegt. Aber das kann überzeugte Verschwörungsfans natürlich nicht so leicht erschüttern. Und so werden die Illuminaten von ihnen auch heute noch für alles Mögliche verantwortlich gemacht: für die russische Revolution von 1917 ebenso wie für die beiden Weltkriege. Auch die jetzige Wirtschaftskrise wird in den Internetforen der Verschwörungstheoretiker den Illuminaten in die Schuhe geschoben.

Ein lebendiger Mythos
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Der Mythos von den dunklen Machenschaften der Illuminaten ist also alles andere als eine Erfindung von Dan Brown. Vor allem Rechtsextremisten haben immer wieder versucht, das gefährliche Treiben der Illuminaten zu entlarven und zu beweisen, dass es sie auch heute noch gibt. Bekannt wurde vor allem der deutsche Autor Jan van Helsing alias Jan Udo Holey. Für ihn sind die Illuminaten sogar die Verbündeten böser Ausserirdischer. Dem Erfolg seiner Bücher tat die Absurdität seiner Behauptungen keinen Abbruch. Denn wie Dan Brown verpackt er seine angeblichen Erkenntnisse in eine gut lesbare, leicht verständliche Sprache. Doch auch Jan van Helsing kam nicht ohne Hetze gegen die Juden aus – was dazu führte, dass ein deutsches Gericht 1996 die Beschlagnahmung und das Verbot seines zweibändigen Werks „Geheimgesellschaften“ anordnete. Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg stufte ihn 2004 als „rechtsextremistischen Esoteriker“ ein.
Solch einen Unsinn wie Jan van Helsing behauptet Dan Brown natürlich nicht. Dafür ist er viel zu clever und zu geschäftstüchtig. Aber auch er macht aus der Mücke einen Elefanten und schreibt den Illuminaten eine Bedeutung zu, die sie niemals gehabt haben. Wenn man das aber weiss, kann man sich getrost zurücklehnen und sich von der Spannung seiner Geschichten packen lassen. Nur für wahr halten sollte man sie nicht – doch das käme bei Harry Potter ja auch keinem in den Sinn.

Dr. Christian Ruch

Quelle: Infosekten, 13.05.2009

Mittwoch, 13. Mai 2009

 
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