Sektenflyer
New Age aus christlicher Sicht

Nachruf auf die Basler „Psi-Tage“

Man hat es kommen sehen und kann es doch eigentlich noch gar nicht fassen: Die Basler „Psi-Tage“, einstmals das mitteleuropäische Stelldichein der Sensitiven und Spinner, Heiler und Hellsichtigen, Medien und Meister wird es nicht mehr geben. Nicht einmal das 25jährige Jubiläum – obwohl groß angekündigt – wurde erreicht, geschweige denn gefeiert. Und auch der Versuch, mit Sommerveranstaltungen im nahen Rheinfelden das Interesse wach zu halten, hat nichts gefruchtet.
Woran liegt’s? Den „Psi-Tagen“ scheint – so seltsam das klingen mag – die breite Akzeptanz der Gebrauchsesoterik zum Verhängnis geworden zu sein. Angesichts des Umstands, dass esoterische Angebote bald in jeder Illustrierten und Buchhandlung, Engelläden auch in kleineren Städten zu finden sind und sowieso alles in erschöpfender Fülle im Internet zu haben ist, braucht es keinen Jahreskongress – schon gar keinen, an dem solch horrende Eintrittsgebühren verlangt werden. „In den letzten Jahren“, so die Veranstalter in ihrer Abschiedsbotschaft, „nahm (…) die Zahl der Besucher ab, die kamen, um sich einen Überblick über das Thema zu verschaffen. Das Interesse an der Auseinandersetzung mit den Hintergründen und Erklärungen der Phänomene ist gesunken. Dies hängt zumindest teilweise mit dem verbesserten Kenntnisstand zusammen. Viele Besucher hatten schon ein Grundwissen und wollten nur einzelne Aspekte vertiefen, die ihnen besonders wichtig erschienen. Immer öfter stellten wir fest, dass Besucher nur wegen eines oder zwei Referenten zu uns kamen. Mittlerweilen gibt es jedoch eine Vielzahl von esoterischen und spirituellen Kongressen und Messen, auf denen viele dieser prominenten Referenten zu hören sind.“
Da Selbstkritik noch nie eine Stärke der „Psi-Tage“-Verantwortlichen war, scheinen sie auch jetzt nicht in der Lage zu sein sich zu fragen, inwiefern sie selbst zum Scheitern des Kongresses und der dahinter stehenden Idee beigetragen haben. Stattdessen sind – mal wieder – die Medien schuld, wenigstens ein bisschen: „Leider fand in der Presse nur selten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Inhalten statt; eher ließen sich Journalisten ihre vorgefassten Meinungen bestätigen. In der begleitenden Ausstellung AURA fanden kritische Besucher genügend Material um das ganze Gebiet ins Lächerliche zu ziehen. Wir stehen nach wie vor zu vielen Angeboten, die in der AURA vorgestellt wurden. Nichtsdestotrotz war in der Ausstellung sicher einiges zu finden, das nicht über jeden Zweifel erhaben war (ausgenommen sind selbstverständlich alle Angebote von AURA-Ausstellern, die diese Zeilen lesen).“ Dazu ist zu sagen, dass die Kongress-Organisatoren es stets in der Hand hatten, dem Obskurantismus an der Begleitmesse „Aura“ Einhalt zu gebieten. Doch das „pecunia non olet“ galt eben auch hier.
Gestartet waren die „Psi.-Tage“ einst als ernsthaftes Forum des Dialogs zwischen Parapsychologie und Wissenschaft – gestrandet sind sie als eine Art esoterischer Kirchentag und Jahrmarkt selbstverliebter Erleuchtungseitelkeit, die auch vor noch so großen Peinlichkeiten nicht zurückschreckte. Mit Grausen erinnert sich der Autor dieser Zeilen etwa an die Auftritte Bert Hellingers oder der Australierin Jasmuheen, die 2002 einen ganzen Saal „La-la-la“ singen ließ, um die Kongressteilnehmer auf die „Madonna-Frequenz“ einzustimmen (gemeint war übrigens damals die Mutter Jesu, nicht die Pop-Diva…). Wenn die Macher der „Psi-Tage“ jetzt klagen, dass das Feld heute „den privaten Fernsehanstalten“ überlassen werde, „die mit Shows wie der ‚Der nächste Uri Geller’ ein schiefes öffentliches Bild vermitteln“, dann ist das unfreiwillig komisch, denn auch und gerade die „Psi-Tage“ boten Blendern und Tricksern wie Uri Geller immer bereitwillig eine Bühne. Ebenso wohltuend wie selten war es angesichts solchen Unfugs, wenn Leute wie Hansjörg Hemminger oder Walter von Lucadou auftreten durften, um gegen den Stachel der Publikumsverdummung zu löcken.
Letztendlich haben aber trotz allem Spiritualitätsdünkel knallharte irdische Fakten die „Psi-Tage“ zu Fall gebracht, nämlich finanzielle Probleme. Die Organisatoren erklären dazu: „Die Durchführung eines Kongresses mit festen Ausgaben von weit mehr als einer halben Million Schweizer Franken stellt ein großes finanzielles Risiko dar. Schon 2002 standen die Basler Psi-Tage vor dem Aus, da die Messe Schweiz AG, bisherige Veranstalterin der Psi-Tage, sich neu strukturierte und den finanziell nicht interessanten Anlass aufgeben wollte. Wir haben in dieser Situation das Risiko auf uns genommen und seither vier Kongresse in Basel und zwei kleinere in Rheinfelden auf eigene Rechnung durchgeführt. Es gibt kaum Kongresse dieser Größe, die ohne Sponsoren, welche einen beträchtlichen Teil des Risikos abdecken, überleben können. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei unserer Thematik große Berührungsängste bestehen und die Suche nach potenten Sponsoren erfolglos blieb. Unsere Kernkompetenz sind die Parapsychologie und die paranormalen Phänomene. Auf diesem Gebiet weist unser Team sicher mehr Wissen und Erfahrung auf als alle anderen Veranstalter von Publikumskongressen. Allerdings besteht daran nur ein begrenztes Interesse, das es verunmöglicht, weitere Veranstaltungen dieser Größenordnung durchzuführen.“
Dass es auch anders geht, zeigt der „Lebenskraft“-Kongress in Zürich, der praktisch eine ähnliche Struktur aufweist wie die „Psi-Tage“, d.h. ebenfalls Vorträge und Seminare begleitet von einer Verkaufs- und Dienstleistungsmesse bietet, und im Schatten der „Psi-Tage“ zu einer veritablen Konkurrenz und Alternative herangewachsen ist. Die „Lebenskraft“ wird von einem Ein-Frau-Betrieb recht professionell organisiert, wobei diese Organisatorin erkannt zu haben scheint, dass man Besucher eines solchen Events nicht immer dreister mit Eintrittsgeldern und Teilnahmegebühren abzocken darf, wie dies zuletzt in Basel geschah.
So wird man sich halt zukünftig in Zürich statt in Basel sehen. Den Schamanen wird’s gleich sein, wo sie trommeln, und Hellseherinnen wie Hildegard Matheika oder Margit Ilmberger wird es auch egal sein, ob sie nun in Zürich oder Basel Karten legen. Hauptsache, die Kasse stimmt. Und so zieht der Esoterik-Zirkus eben weiter, vom Rhein an die Limmat… The show must go on!

Die Abschiedserklärung der „Psi-Tage“-Organisatoren findet sich unter http://www.psi-tage.ch/index2.html.

Christian Ruch

Quelle: Infosekten, 07.12.2008

Sonntag, 7. Dezember 2008

 
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