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Landgericht Stuttgart verbietet Verbreitung eines anthroposophiekritischen Buches

Zunächst die Mitteilung des "Bundes der Freien Waldorfschulen":

"Das Landgericht Stuttgart hat dem Antrag des Bundes der Freien Waldorfschulen auf eine einstweilige Verfügung stattgegeben, nach der es dem Gütersloher Verlagshaus untersagt ist, die Schrift von Michael Grandt „Schwarzbuch Waldorf“ zu veröffentlichen und zu verbreiten. Laut Information des Verlages sollte das Buch in der nächsten Woche ausgeliefert werden.

Der Bund der Freien Waldorfschulen hat sich vergeblich bemüht, mit dem Verlag ein Gespräch zu führen, um auf die mangelnde journalistische Qualität des Druckwerks hinzuweisen und vor Erscheinen des Buches eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Da der Verlag auf das Anliegen nicht eingegangen ist, vor Auslieferung des Buches über dessen fragwürdigen Inhalt zu sprechen, hat sich der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen nach eingehender Diskussion des Für und Wider dazu entschlossen, den juristischen Weg zu beschreiten.

Der Bund der Freien Waldorfschulen sei grundsätzlich offen für Kritik, betonte dazu Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes. So wurde beispielsweise der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Ullrich von der Universität Mainz, der sich seit Jahren kritisch mit der Waldorfpädagogik auseinandersetzt, Anfang des Jahres zu einer bundesweiten Tagung der Waldorfschulen zum Thema Qualität eingeladen.

Grandt überschreite in seinem Buch demgegenüber die Grenze zwischen zulässiger journalistischer Darstellung und unsachlicher Verunglimpfung. Insbesondere stelle er Tatsachenbehauptungen auf, die erwiesenermaßen falsch seien. Insgesamt gebe es in dem Grandt-Buch, das 224 Seiten umfasst, ca. 120 Stellen, die als unzutreffend, entstellend oder faktisch falsch zu bewerten seien.

„Der Bund vertritt die Interessen von 210 Schulen, rund 7000 Lehrkräften und 80.000 Waldorfschülern. Er kann nicht zulassen, dass das Ansehen von Schulen, Lehrern und Schülern, die sich schließlich auch auf dem Arbeitsmarkt behaupten müssen, in der Öffentlichkeit diskreditiert wird“, so Kullak-Ublick.

Kullak-Ublick verwies auf einen besonders gravierenden Fall, die Behauptung im „Schwarzbuch“, der Bund der Waldorfschulen verharmlose und rechtfertige körperliche Züchtigungen an Schülerinnen und Schülern. Dies sei umso perfider, da in der von Grandt angegriffenen Publikation von Erich Gabert bereits 1951 ein deutliches und nachdrückliches Votum gegen die Prügelstrafe vorliege. Grandt verkehre im „Schwarzbuch“ diese Aussage in ihr Gegenteil. Der Verzicht auf Gewalt in der Erziehung sei von Anfang an, also seit 90 Jahren, ein wesentlicher Bestandteil der Waldorfpädagogik gewesen, während Prügelstrafen im öffentlichen Schulwesen in Deutschland erst seit 1980 vollständig untersagt sind.

Schon vor mehr als 10 Jahren hatte der SPIEGEL anlässlich einer anderen Publikation Grandts über Waldorfschulen, die ebenfalls gerichtlich gestoppt worden war, dem Autor bescheinigt, es gehe ihm weniger um Wahrheitsfindung, schon gar nicht um geistige Auseinandersetzung, sondern um ein lukratives Geschäft."

Bund der Freien Waldorfschulen,
Peter Augustin, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
pr@waldorfschule.de
Quelle dieser Meldung: http://www.waldorfschule.info/index.19.0.1.html

Hier ausserdem die Reaktion des betroffenen Verlags:
"Pressemitteilung
München/Gütersloh 16.09.2008
Am 11. September 2008 hat das Landgericht Stuttgart dem Gütersloher Verlagshaus durch Einstweilige Verfügung untersagt, das Buch des Autors Michael Grandt „Schwarzbuch Waldorf“ anzubieten, auszuliefern oder zu verbreiten, soweit es zum Thema des Verhältnisses der Waldorfpädagogik zu körperlichen Strafen in den Waldorfschulen aus dem Buch „Die Strafe als Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ von Erich Gabert zitiert, ohne dabei nachfolgend näher bezeichnete gerichtliche Auflagen zu beachten. Der Verlag bedauert, dass der Bund der Freien Waldorfschulen das Angebot des Verlages zu einem klärenden Gespräch über angebliche falsche, in Wirklichkeit nie auch nur ansatzweise substantiierte Tatsachenbehauptungen ausgeschlagen und stattdessen gerichtliche Hilfe gesucht hat. Souveränität im Umgang mit Kritikern sieht anders aus, entsteht doch so der Verdacht, dass ein grundsätzlich missliebiges Buch in Gänze verhindert und ein renommierter Autor mundtot gemacht werden soll.
Der Verlag wird diesen durchsichtigen Versuch der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion über die kontroverse, in Michael Grandts Buch thematisierte Frage, ob die Waldorfschulen Weltanschauungsschulen sind, mit allem Nachdruck zurückweisen. Deshalb wird der Verlag gegen die Einstweilige Verfügung Widerspruch einlegen. Bis zu einer positiven Entscheidung über den Widerspruch wird das Buch mit einem klarstellenden Hinweis ausgeliefert, der den gerichtlichen Auflagen entspricht.
Ein Kritikpunkt des Gerichts war, dass im Schwarzbuch nur Passagen aus dem Buch von Gabert, immerhin von 1951 bis 1993 in zehn Auflagen als Band 1 der Schriftenreihe der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen erschienen, zitiert werden, die sich zustimmend zu körperlichen Strafen äußern. Eindeutig der Anwendung körperlicher Gewalt zustimmenden Passagen bei Gabert wie zB „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Er kann rein physischer Schmerz sein, wie bei einem Schlage, einer Ohrfeige.“ müssten, so das Gericht, zukünftig auch Passagen gegenübergestellt werden, in denen Gabert die negativen Folgen körperlicher Gewalt erörtert.
Im Schwarzbuch muss zukünftig weiter klargestellt werden, dass 1993 eine Neubearbeitung des Gabert-Buchs durch einen Autor Kniebe erfolgte, in der körperliche Strafen ausdrücklich abgelehnt werden. Interessanterweise aber nennt das Vorwort der Neubearbeitung Gaberts Fassung trotz der teilweisen Abkehr von dessen Thesen zur körperlichen Gewalt weiterhin einen „Klassiker der Literatur zur Waldorfpädagogik“ und ein „verdienstvolles Buch“. Und die oben zitierte Passage Gaberts zur körperlichen Gewalt schreibt Kniebe trotz seiner Ablehnung körperlicher Gewalt im Übrigen nur eher dezent um zu: „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Der rein physische Schmerz, wie beim Schlag, bei der Ohrfeige, kommt wohl in den seltensten Fällen wirklich in Betracht.“
Schließlich muss nach dem Wunsch des Gerichts klargestellt werden, dass sich die Verlagswerbung des überarbeiteten Gabert-Werkes („Georg Kniebe hat das Buch – bereits in mehreren Auflagen erschienen und zu einer unverzichtbaren Grundlage der Waldorfpädagogik geworden – grundlegend aktualisiert und durch eigene Überlegungen ergänzt“) nicht mehr auf die Gabert-Fassung, sondern ausschließlich auf die Kniebe-Neubearbeitung beziehen soll. Der Verlag wird diesen Hinweis beachten, jedoch seine entgegenstehende, der Sprachlogik folgende Auslegung der Reichweite der Verlagswerbung gerichtlich verteidigen."

Pressekontakte:
Karin Rohde, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit karin.rohde@gtvh.de

Zusammenstellung durch Christian Ruch

Quelle: Infosekten, 16.09.2008

Dienstag, 16. September 2008

 
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