Mauritiustag in Gonten 23.09.2018

 

Aufgrund der Renovation der Pfarrkirche Appenzell wurde auch das Fest des Landespatrons auswärts gefeiert

Dass das Fest zu St. Mauritius nicht in der Kirche St. Mauritius gefeiert wird, mutet durchaus speziell an und dürfte in der rund 950jährigen Geschichte der Pfarrei kaum vorgekommen sein. Dass es trotzdem selbstverständlich ist, zeigte sich am Samstag in Gonten bereits im Eröffnungslied des Kirchenchors. «I dim Name söme zeme cho» – da spielt der Ort keine Rolle mehr.

Clemens Fässler

«De Moritz» war zu Gast «bi de Vrene». Das ist gar nicht so abwegig. Denn die beiden gehören seit jeher zueinander. Dort Mauritius, der Legende nach Anführer der Thebäischen Legion, der wegen seiner Weigerung, an der Christenverfolgung teilzunehmen, um 300 n. Chr. hingerichtet wurde. Hier Verena, ebenfalls aus Theben stammend, sie zog wie viele andere im Tross der Thebäischen Legion nach Mailand und weiter über die Alpen. Die beiden waren also schon immer eine Art Gefährten. Und es erstaunt deshalb auch nicht, dass zahlreiche Kirchen beiden Heiligen geweiht sind. Darüber hinaus wird von Verena berichtet, dass sie leidende Menschen bei sich aufgenommen hätte, sie geheilt, gestärkt und auch gewaschen hätte – deshalb der Wasserkrug und der Kamm als Attribute der Heiligen. Da ist es doch passend, dass die Pfarrkirche St. Verena den an Platznot leidenden Appenzeller die Gastfreundschaft anerbot. Auch wenn diese keine körperlichen Leiden zeigten und auch nicht gewaschen werden mussten. Im Gegenteil, der Standespfarrer rückte in den schönsten Paramenten an.

Für wen gehst Du?

Wie also «de Moritz» und «d Vrene» ohnehin zusammengehören, so ging auch Pfarrer Lukas Hidber nicht näher auf die historische Aussergewöhnlichkeit des Tages ein, sondern richtete den Blick auf das Heute und das Morgen. Das Evangelium erzählte die berühmte Geschichte vom Sämann, dessen Saat nur auf gutem Boden gedeihen kann. Die Saat ist das Wort Gottes und entsprechend bezeichnete Hidber die Frauen und Männer des Seelsorgeteams als Sämänner. Anstelle des Predigtwort beantworteten diese die Frage, für wen sie in ihrer Arbeit gehen. So verschieden die Antworten waren: alle berichteten von der Freude an der Arbeit mit Menschen, am Begleiten in frohen und düsteren Stunden. Abschliessend fragte Hidber die Gottesdienstbesucher, für wen sie im Leben gehen. Eine Antwort sah er im Glaubensbekenntnis. Dieses stammte wie auch die anderen Lieder aus der Dialektmesse «I dim Name» von Roman Bislin. Der Kirchenchor Gonten hatte die Messe zusammen mit Instrumentalisten eigens für den «Moritz» einstudiert.

Appenzeller abwesend?

Der Einsatz des Kirchenchors, das aktive Mitwirken des ganzen Seelsorgeteams, die stattliche Anzahl Trachtenfrauen und -kinder: das Fest des Landespatrons wurde würdig und feierlich begangen. Bescheiden war nur der Aufmarsch der Hofer-Bevölkerung. Die Stühle, die in Erwartung von Mauritiens Legionen zusätzlich in die Kirche gestellt wurden, blieben leer. Ob die Feier des Landespatrons an «seine» Kirche gebunden ist? Ob durch den Ortswechsel die heilige Tradition übermässig gestört wird? Oder ob die heutigen Transportmittel eine Verschiebung ins Nachbardorf verunmöglichen? Die anwesenden Gäste bewiesen das Gegenteil. Und nach dem Gottesdienst genossen alle einen kleinen Aperitif. Denn wie ihr heiliges Vorbild sorgte auch «d Vrene» für das leibliche Wohl und weitere Begegnungen.