5. Dezember

Unterdessen hatte der Tatort begonnen. Doch an diesem Sonntagabend gelang es Monique nicht, sich auf den Krimi einzulassen. Nach fünf Minuten stand sie vom Sofa auf und sagte: «Mir ist der Sinn nicht mehr danach. Ich geh ins Bett.» Reto schaute sie kurz an, mit erhobenen Augenbrauen, dann war er wieder bei Kommissar Flückiger, den Kovatsch hatte er bereits vergessen.

Monique wälzte sich im Bett. Dieser Advent, den sie heuer ganz bewusst erleben wollte, war schon getrübt, kaum hatte er begonnen. Was war los mit der Frau des Abwarts? War es möglich, dass Kovatsch ihr etwas angetan, sie gar umgebracht hat? Ein Schauder packte sie – minutenlang. Dann fand sie: «Was bin ich für ein schreckhaftes Huhn! Vielleicht hat ja Reto recht mit seiner Metzger-Theorie.»

Allerdings – nie sah man das Ehepaar Kovatsch zusammen. Ob die sich noch liebten? Vielleicht war das Paar heillos zerstritten und der Mann schlug seine Frau regelmässig. Womöglich brauchten die beiden Hilfe. Monique beschloss, der Frage nachzugehen. Gleich morgen würde sie damit beginnen.

Auch die Kinder der Kovatschs würden von einer elterlichen Versöhnung profitieren. Monique seufzte. Der fünfjährige Knabe und das siebenjährige Mädchen hatten ihr schon immer etwas leid getan, wenn sie ihr im Treppenhaus ein scheues Grüezi entboten.

Als erstes müsste sie wohl herausfinden, wo die Frau steckte und ob sie in Gefahr war. Keine einfache Aufgabe. «Ich kann ja nicht einfach Kovatsch fragen.» Die Uhr des nahen Kirchturms schlug zwei, als Monique endlich in einen unruhigen Schlaf fiel. (bal)

Laut der Zeitschrift «Beobachter» ist häusliche Gewalt kein eigener Straftatbestand, aber auch nicht Privatsache.

5. Dezember 2019 | 00:01
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