33-34/2002 | |
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Kirchliche Berufe |
Eine grosse Sorge unserer Kirche ist der Mangel an kirchlichen Berufungen. Für dieses Anliegen kamen im Mai 1997 253 Vertreter aus allen europäischen Ländern zu einem grossen Kongress in Rom zusammen, der neue Grundlagen für eine Pastoral der Berufungen erarbeitete (vgl. Schlussdokument «In verbo tuo» vom 6.1.1998). Seither gibt es jedes Jahr ein kleineres Nachfolgetreffen: 1998 in Budapest, 1999 in Ljubljana (SKZ 1999, S. 487), 2000 in Innsbruck (SKZ 2000, S. 483), 2001 in Dublin (SKZ 2001, S. 477). Vom 4.7. Juli 2002 trafen sich gegen 50 Vertreter aus 18 europäischen Ländern in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegovina, in der noch viele Spuren des grausamen Krieges von 19921995 zu sehen sind. Die Schweiz wurde vertreten durch den neuen Leiter der Fachstelle IKB (Information kirchliche Berufe), Robert Knüsel (Luzern), und Weihbischof Martin Gächter (Solothurn).
Der Koordinator der Tagung und des EU-
Vocatio-Services, Dr. Rainer Birkenmaier (Freiburg) erinnerte daran, dass wir Christen in Europa heute unterwegs sind von einem alten Ufer, auf dem das Christsein von Geburt her normal und gesellschaftlich breit abgestützt war, zu einem neuen Ufer, auf dem die Christen in einer Minderheit, aus persönlicher Entscheidung und als Alternative zum allgemeinen gesellschaftlichen Trend auftreten werden. Mit Papst Johannes Paul II. dürfen wir aber mit neuem Mut ins 3. Jahrtausend aufbrechen (vgl. sein Schreiben «Novo Millennio ineunte», 2001). Dabei werden wir einiges Liebgewordenes aufgeben müssen, um uns noch mehr auf Jesus zu konzentrieren, der das Leben für alle bringt, dabei aber bewusst Apostel einsetzt (mit Nachfolgern in den geweihten Diensten der Kirche) und auch zur Nachfolge in den evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam) einlädt, die er selber gelebt hat.
Doch wie viele Christen lassen sich heute von der multikulturellen Situation so beeindrucken, dass sie die eigenen christlichen Werte nicht mehr sehen, sondern alle Religionen und Werte nicht nur als gleichberechtigt ansehen, sondern auch als gleich gültig betrachten, wodurch alles gleichgültig werden kann? So fragte P. Melchor Sanchez de Toca Alameda vom Päpstlichen Rat für die Kultur. In einer solchen nivellierten modernen Gesellschaft wird natürlich nicht mehr nach kirchlichen Berufen, nach Priestern und Ordensleuten gefragt.
Dave Hulshoff (USA) berichtete vom grossen Kontinentalkongress für Berufungen im April 2002 in Montreal, an dem 1136 Katholiken aus den USA, Kanada und Mexiko teilnahmen. Dieser grosse nordamerikanische Kongress fiel gerade in eine Zeit, da in den USA die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche wegen Enthüllungen von sexuellen Missbräuchen vieler Priester erschüttert wurde. Bei den zahlreichen Medienberichten dürfen allerdings die Relationen nicht verloren gehen. Von den über 46000 USA-Priestern wurden nur 1% der Missbräuche angeklagt, was eine bedauerlich grosse Zahl ist, doch nicht die ganze katholische Kirche bedeutet. Der Kongress
in Montreal weckte grosse Zuversicht. Jugendliche konnten sich am Kongress gut einbringen, in dem viel Vertrauen wuchs dank der engen Verbindung mit Christus im Glauben und im Gebet und im guten Dialog mit der Jugend.
Als Grundproblem für die Kirche in Europa diagnostizierte der CCEE-Delegierte für Berufungen, Bischof Alois Kothgasser von Innsbruck, die bei uns vorhandene, wenn auch verborgene Angst der Laien vor den Priestern und der Priester vor den Laien. Das 2. Vatikanische Konzil wollte zwar eine solche Zwei-Klassen-Gesellschaft in unserer Kirche überwinden und verkündete das eine Volk Gottes von Laien und Priestern. Dennoch gibt es immer noch diese Spannungen zwischen Laien und Priestern in der Kirche, die eine Förderung von kirchlichen Berufen oft verhindert. Da muss in den Herzen mancher Katholikinnen und Katholiken noch vieles aufgearbeitet werden: der hohe Wert des gemeinsamen Tauf-Priestertums aller Christen, in deren Dienst die geweihten Priester stehen, während die Ordensleute in der radikalen Lebensweise Jesu die evangelischen Räte leben. Diese Grundlagen für die Förderung aller christlichen Berufungen müssen für das nächste europäische Treffen, an dem aus jedem europäischen Land ein Bischof teilnehmen soll, aufgearbeitet werden.<1>
1 Diese ist für Juli 2003 in Warschau (Polen) vorgesehen.