25/2001

INHALT

Kirche in der Welt

Ein nachhaltiger Lebensstil

von Walter Ludin

 

Alle Christen sollten durch einen konsequent umweltschonenenden Lebensstil Zeugnis vom Schöpfungsglauben ablegen.» So heisst es im Schluss-Communiqué der Konferenz, die im slowakischen Badin zum Thema «Christlicher Lebensstil und nachhaltige Entwicklung» stattfand (17.­20. Mai 2001). Auf Einladung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) trafen sich dort 60 Delegierte aus 20 Ländern.
Den Anstoss für eine solche Konferenz, die nun schon zum dritten Mal durchgeführt wurde, gab die ökumenische Versammlung von Graz (1997). Dort wurde eine Vernetzung der kirchlichen Umweltbeauftragten angeregt. Das CCEE erinnerte im Vorfeld des Treffens von Badin daran, dass auch in der kürzlich veröffentlichten Charta Oecumenica die Kirchen sich dazu verpflichten, «einen Lebensstil weiter zu entwickeln, in dem sie gegen die Herrschaft von ökonomischen Zwängen und Konsumzwängen auf verantwortbare und nachhaltige Lebensqualität Wert legen» (III.9) .

Freude an der Schöpfung

Markus Vogt, der Delegierte der deutschen Umweltbeauftragten, forderte, die kirchliche Soziallehre müsse ihre Prinzipien (Solidarität, Subsidiarität, Menschenwürde) durch jenes der Nachhaltigkeit ergänzen. Das Postulat blieb unbestritten.
Paul Gallagher erinnerte daran, dass nach Auffassung von Papst Johannes Paul II. das Recht auf eine unversehrte Mitwelt in die Liste der Menschenrechte aufgenommen werden sollte. Der Ständige Vertreter des Vatikans fügte jedoch bei, die Kirche habe keine Mühe, schöne Texte zu verfassen. Mangelware seien Projekte und Taten.
Auch wenn ethische Standards und Verlautbarungen nötig sind und bleiben, viel stärker als Theorien motivieren positive Erlebnisse mit der Umwelt zu einem nachhaltigen Umgang mit ihr. Darum heisst es im Schlussbericht der Konferenz von Badin: «Eine Änderung der Lebensstile wird sich nur dann auf breiter Basis durchsetzen, wenn sie von einer inneren Freude an der Schöpfung getragen ist. Es geht um den Respekt vor der Schöpfung in ihrer ganzen Vielfalt als Basis für eine bessere Lebensqualität. Eine Kultur des Lebens, die fundamentaler Bestandteil einer authentischen christlichen Spiritualität ist, kann aus den reichen Quellen christlicher Tradition von Konsumzwängen befreien.»

OeKU

Erwähnt wird im Zusammenhang mit der Freude an der Mitwelt der Schöpfungstag, der bereits in mehr als zehn europäischen Ländern «in grosser Vielfalt gefeiert wird». In die gleiche Richtung zielt die Schöpfungszeit, wie sie bekanntlich von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt (OeKU) seit Jahren initiiert wird.
Anstelle des an der Teilnahme verhinderten OeKU-Stellenleiters Kurt Zaugg-Ott vertrat das Vorstandsmitglied Walter Ludin die Schweiz in Badin. In seinem Länderbericht konnte er darauf hinweisen, dass die 1986 gegründete Arbeitsgemeinschaft sowohl vom Kirchenbund wie auch von der Bischofskonferenz als Fachstelle anerkannt ist, die beide Landeskirchen in Umweltbelangen berät. Auch werde in den Schweizer Kirchen kaum noch bestritten, dass die Umweltfrage ein zentrales Anliegen sein müsse.

Kampf ums Klima

Neben den 20 Länderberichten standen rund 25 Kurzreferate und Grussbotschaften (u.a. des slowakischen Umweltministers) auf dem reichhaltigen Programm der Konferenz. Der Schweizer Delegierte hatte die Aufgabe, in 15 Minuten die Möglichkeiten der Kirche im Bereich «Klima und Energie» aufzuzeigen. Er konnte dabei auf die zahlreichen Aktionen der OeKU zurückgreifen, angefangen von «Die Haut der Erde retten» (1990 gemeinsam mit den Ärzten für Umweltschutz) bis zu den Klima-Petitionen von 1997 und 2001.
Die Misserfolge der Bemühungen um eine bessere Klima-Politik ­ vgl. beispielsweise die Ablehnung der Solar-Initiative! ­ sei kein Grund zur Resignation, meinte der Referent. Er betonte: «Wir sind überzeugt, dass die Mitwelt unsere Stimme braucht ­ auch wenn sie nicht überall Gehör findet. Dazu der Theologe Kurt Zaugg, Stellenleiter der OeKU: ÐEin Hauptproblem bei unsern Anliegen scheint mir, dass Dinge gefordert sind, die weder Ðinð noch Ðbequemð sind. Fast scheint es darum zu gehen, eine Ðerdölsüchtigeð Gesellschaft umzuerziehen. Zu viele schlechte Gewohnheiten gehören heute zu unserem Lebensstil, als dass sie einfach zu ändern wären. Weder Kirchen noch Umweltorganisationen können die Umerziehung alleine leisten.ð»

Tschernobyl

Die «Erdölsucht» durch die Abhängigkeit von der Atomenergie ersetzen, hiesse den Teufel durch Beelzebub austreiben. Dies zeigten die Berichte aus der Ukraine und aus Weissrussland. Die Spuren der Katastrophe von Tschernobyl sind auch nach 15 Jahren allgegenwärtig. Nach wie vor ist der Boden stark verseucht. Dies führt dazu, dass die dort angebauten Lebensmittel giftig sind. (Für den Import fehlt es an Geld.) Viele menschlichen Gene sind defekt. Dies bedeutet, dass auch die kommenden Generationen geschädigt sind.
Nicht nur, aber auch wegen Tschernobyl ist die Sterberate in der Ukraine grösser als die Geburtenrate. Die Bevölkerungszahl sank bereits von 52 auf 49 Millionen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt nur noch 56 Jahre.

Was tun?

Von den zahlreichen Anregungen für ein konkretes kirchliches Handeln auf dem Gebiet eines nachhaltigen Lebensstils seien hier nur einige kurz erwähnt:

Wie bereits der OeKU-Leiter Kurt Zaugg im zitierten Passus ruft auch das Schluss-Communiqué der Umweltkonferenz im slowakischen Badin die Kirchen zur Kooperation auf: «Nur durch Lernbereitschaft, Dialog und konsequente Zusammenarbeit mit andern Konfessionen, Religionen, gesellschaftlichen Gruppen und staatlichen Einrichtungen kann die Kirche genügend Fachkompetenz und Wirksamkeit für Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Nachhaltigkeit gewinnen.»


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2001