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Antisemitismus in der Schweiz
Die Aufarbeitung der Geschichte des Antisemitismus in der Schweiz ist
unerlässlich, warum ich den Beitrag in der SKZ Nr. 49/1999 sehr begrüsse.
Aussagen von katholischen Exponenten in der Vorkriegs- und Kriegszeit erhalten
in diesem Zusammenhang mit Recht einen besonderen Stellenwert. Wenn jedoch
eine antijüdische Äusserung von Alois Scheiwiler wiedergegeben
wird, ist es nicht mehr als fair, auch auf seinen Beitrag «Das Verhältnis
Jesu Christi zum Judentum» in dem 1935 erschienenen Buch «Die
Gefährdung des Christentums durch Rassenwahn und Judenverfolgung»
hinzuweisen. Darin zeigt er die Provenienz des Christentums aus dem Judentum
auf und richtet sich gegen antijüdische Tendenzen und die Verfolgung
von Juden. Die christliche Nächstenliebe sowie die tiefen heilsgeschichtlichen
Wurzeln und Zusammenhänge zwischen Judentum und Christentum verbieten
seinen Ausführungen zufolge jede Art von Rassenwahn und Judenverfolgung
(vgl. Alois Scheiwiler, Das Verhältnis Jesu Christi zum Judentum, in:
Die Gefährdung des Christentums durch Rassenwahn und Judenverfolgung
[Luzern 1935]).
Im selben Buch reflektierten auch andere Autoren über das Verhältnis
vom Judentum zum Christentum. Sie verurteilen den übertriebenen Nationalismus
und die Rassentheorie in Deutschland sowie den Judenhass und die Judenverfolgung.
In ihrem Hirtenbrief für den Bettag 1938 (vgl. SKZ 1938, 309311
[22.9]) äusserten sich die Schweizer Bischöfe auch gemeinsam zur
Rassenideologie. Wie den übertriebenen Nationalismus und den Staatsabsolutismus
bezeichneten sie den Rassenwahn als Irrlehre, vor der die Schweiz geschützt
werden müsse.
Übrigens hat die SKZ seit 1938 über die in verschiedenen Ländern
praktizierten Repressionen gegen das jüdische Volk berichtet und diese
kritisiert. Mit der Rassenideologie und ihrer pseudowissenschaftlichen Grundlage
setzten sich Autoren der SKZ seit 1933 mehrmals auseinander und betonten,
dass sie mit dem katholischen Glauben unvereinbar sei.
Simon Eicher
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2000