6/1999 | |
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Religion in der Schweiz |
Die Menschheit steht an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Über die Bedeutung des Jahres 2000 scheiden sich die Geister; auf jeden Fall stellt es ein «fascinosum et tremendum» dar. Auch im Orden Fiat Lux der durch den Mannheimer Prozess erneut Schlagzeilen lieferte wird über diese Janusköpfigkeit der Jahrtausendwende spekuliert. Dessen Oberhaupt Bertschinger Eicke Erika alias Uriella weissagt den «Weltuntergang» auf das Jahr 1999. In den folgenden Ausführungen soll die Endzeitatmosphäre in dieser Gemeinschaft durchleuchtet werden (1). Danach wird die Sicht des Ordens von der Bewältigung der Jahrtausend-Zeitenwende vorgestellt (2). Anschliessend richtet sich das Augenmerk auf die Neuanfangszeitstimmung in dieser Gruppe (3). Dann werden einzelne Besonderheiten der Ordenslehre besprochen (4). Schliesslich werden abrissmässig Schlussfolgerungen aus der Untersuchung gezogen (5).<*>
Die Mitglieder des Ordens Fiat Lux (im Folgenden OFL) erreichen 1998/1999
vor der im Jahr 2000 einsetzenden Besiedelung des goldenen Landes Amora
die absolute, apodiktische Endphase ihrer Umwandlung. Das Endziel ist in
Anlehnung an die Paränese in Mt 5,48<1>
und die Neuoffenbarungen Jesu Christi im OFL in ontischer Hinsicht die relative
göttliche (Wieder-)Vervollkommnung der Fiat-Lux-Lehre-Anhänger.
Die mit göttlichen Urkeimen versehenen Menschen müssen sich zusammenfinden,
wodurch es sukzessiv zur «Verschmelzung aller von Gott ausgesandten
Urkeime mit ihrem Ursprung [= Gott]» kommt.
Gemäss der 581. Offenbarung von Jesus Christus empfangen durch
das Volltrance-Sprachrohr Erika Bertschinger Eicke alias Uriella am 31.12.1997/1.1.1998
im Heiligtum in D-79837 Ibach, Lindau 2 zieht das neue Äon entsprechend
bereits erfolgtem göttlichem Schluss auf geistiger Ebene nach dichter
Aufeinanderfolge gesellschaftlicher, staatlicher, wirtschaftlicher, umweltbezogener
und kosmischer Katastrophen von weltumspannender Bedeutung auf körperlicher
Ebene herauf. Das im Zeichen des zodiakalen Wechsels vom Fische- ins Wassermannzeitalter
stehende Jahr 2000 eröffnet die letzte tausendjährige Periode
des mit der Sintflut einsetzenden und in sieben tausendjährige Abschnitte
eingeteilten irdischen Raum-Zeit-Kontinuums. Diese Zeitenwende ist begleitet
von einer unabdingbaren Globalreinigung im alten Äon mit apokalyptischem
Ausmass, der nur wenige auserwählte Menschen entrinnen können.
Ihr gehen irdische Fanale voraus, die jedoch von den meisten Menschen infolge
starrem Festhalten an «eigens gebauten Gesetzen» missachtet
oder zumindest missverstanden werden: Beispielsweise egozentrischer Konsumismus,
Empathielosigkeit, Asebie, sittliche Dekadenz, Pogrome, Kriege, ökologische
Katastrophen, ökonomische Kollapse, politische Desaster oder sogar
der alltägliche Genuss von Fleisch, Alkohol, Nikotin, Kaffee, Schwarztee
oder weicher Drogen<2>. Besondere kosmische
Phänomene wie der Komet Hale-Bopp sind ebenfalls Vorzeichen
einerseits der 1998 auszuführenden Segnungen für konstantes Leben
nach der Fiat-Lux-Lehre und Strafen für hartnäckiges Verstossen
gegen Gottes Gesetze und andererseits des 1999 beim Polsprung erfolgenden
letzten Notschreis des Erdgeistes.
Standen in den 80er Jahren die Zeiger der göttlichen Uhr noch Sekunden
oder wenigstens noch eine volle Sekunde vor zwölf, so stehen sie jetzt
nur mehr Hundertstelsekunden davor. Die Generalreingung kann also jeden
Moment einsetzen «wie ein Dieb in der Nacht»<3>.
(«Die Zeit hat Motoren, nicht nur Flügel», ja «nicht
nur Motoren, sondern wahrhaftige Geschwindigkeitsfaktoren, die an jene der
Lichtjahre erinnern»!) Dabei ist ihr Eintritt sicher, jedoch dessen
Zeitpunkt ungewiss. Es wird mithin durch (exegetisch falschen, aber
eisegetisch ordenskompatibel gemachten) biblischen Hinweis, dass nur Gottvater
den exakten Zeitpunkt der Reinigung kennt<4>
nur eine approximative Angabe hinsichtlich des Beginns dieses Endzeitgeschehens
gemacht. Ihr Ende findet spätestens Ende 1999 statt, weil Anfang 2000
das neue Äon beziehungsweise die tausendjährige Epoche voller
Einheit, Liebe, Friede und Harmonie das irdische Land Amora bestimmen wird.
Die Generalreinigung ist demnach durch einen dies a quo incertus quando
und einen dies ad quem certus quando terminiert. Nur im äussersten
Notfall respektive beim Auftreten völlig unerwarteter Ereignisse ist
ein Aufschub noch möglich.
Die Generalreinigung erfolgt etappenweise nach einem Plan des Gottvaters
und erfasst einerseits den Menschen sowohl als Einzelwesen wie auch als
Gattungswesen und andererseits die Erde als Ganzes. Sie stellt ein menschlich
unabwendbares und planetarisch notwendiges «Korrektiv der Natur»
im Dienst des Karma-Gesetzes dar, weil die Erde und Menschheit angesichts
ihrer unaufhörlich fortschreitenden Devianz von der göttlichen
Ordnung auto-irreversibel und -irreparabel im Argen liegen. Allein ein gewaltiger,
durch nichts auch nicht durch Gebete aufhaltbarer Eingriff Gottes
in den Lauf der Geschichte mittels der vier Elemente Erde, Feuer, Wasser
und Luft vermag die Erde und Menschheit vor ihrem Untergang zu retten.
Die befristete Generalreinigung als conditio sine qua non für
die Weiterexistenz von Menschen auf einem bewohnbaren Planeten Erde
wird vorbereitet durch schwerwiegende Naturkatastrophen, Gesellschaftsdebakel,
Staatskrisen, Technologie-/Technikdefekte und Wirtschaftskollapse und manifestiert
sich konkret in dem, was aus Jesu Christi Neuoffenbarungen und Mariens Botschaften
durch das Volltrance-Sprachrohr Uriella an den Orden Fiat Lux folgt:
Vor Abschluss der globalen Säuberung der Erde von allem Unrat und der Reinigung der Menschheit von allen Gotteslästerern beziehungsweise zwischen der dreitägigen Sonnenfinsternis und dem Polsprung läuft die in göttlicher Mission stehende Operation «Evakuation OFL» durch Raumschiffe ab.
In der letzten Phase der Generalreinigung erbarmt sich Gott nochmals der mit ihm in Gedanken, Worten und Werken innig verbundenen Menschen. Eine Rettung vor dem endgültigen Untergang ist im ordensinternen Klartext nur jenen Menschen möglich, die sich bis zum Ablauf der dreitägigen Sonnenfinsternis der Lehre des Ordens Fiat Lux und dem Leben nach dessen Regeln angeschlossen haben. Entweder geschieht die Befreiung aus der Misere am Ende des alten Äons durch Flucht in wenige, magnetisch geschützte Regionen und Lokalitäten, deren Lage in den Neuoffenbarungen genannt worden sind, oder (je nach Entwicklungsstand der jeweiligen Seele) durch Bilokation oder durch weltweit stattfindende Evakuation mit Raumschiffen.
Das Signal zur Evakuation geben von der Erde aus beobachtbare, kreuzförmig
positionierte, mit Interplanetariern beziehungsweise halbmateriellen Geistmenschen
bemannte Raumschiffe, die dem in Mt 24,30 erwähnten Zeichen des Menschensohnes
am Himmel entsprechen. Daraufhin erfolgt der Einsatz von kleinen, unbemannten
Raumkapseln zur Evasion der nach den Gesetzen Gottes beziehungsweise «durch
das Leben nach den Ordensregeln verfeinstofflichten» Menschen aus
den von Satan und seinen Anhängern heimgesuchten Gefilden der Erde.
Gottes Widersacher versuchen mit Hilfe von bemannten, aufmunitionierten
Kampfraumkapseln, die der Gestalt nach den die OFL-Anhänger evakuierenden
Raumkapseln täuschend ähnlich sind, die Evasion durch gezielte
Angriffe und breit angelegte Störaktionen zu vereiteln; doch das Vorhaben
der Widersacher scheitert.
Die gottesfürchtigen Anhänger der Fiat-Lux-Lehre besteigen mit
unzerstörbarem materiellem Schutzschild ausgestattete, kugelrunde,
sechsplätzige Raumkapseln ohne Crew, die von den im Weltraum schwebenden,
kreuzförmig positionierten Raumschiffen ferngesteuert per Autopilot
zur Erde geflogen worden sind. Der Rückflug zu den Raumschiffen erfolgt
vorerst durch Selbststeuerung der zu rettenden Menschen bis zu einer bestimmten
Höhe in der Atmosphäre und wird dann im Sog elektromagnetischer
Kräfte durch ferngesteuertes Anziehen und Andocken an eines der Raumschiffe
abgeschlossen. Die Raumschiffe nehmen die geretteten OFL-Anhänger für
zirka drei Wochen auf und transformieren deren grobstoffliche Körper
mit göttlicher Strahlenkraft in ihrem Bordmagnetismus in feinstoffliche,
mit dem neuen Äon kompatible Körper.
Die Schlacht von Harmagedon (Offb 16,16), die nach der Lehre des OFL bereits
mit dem Satanssturz aus dem Himmel ins Weltall (Vgl. Offb 12,7ff.) auf geistiger
Ebene vollzogen worden ist,<6> wird auf
körperlicher Ebene mit der Generalreinigung endgültig geschlagen.
Nach der Evakuation der sich zur Lehre des OFL in Gedanken, Worten und Werken
bekennenden Menschen besiegelt Gott das Schicksal seines Widersachers und
dessen Mitläufer in zirka drei Wochen. Dann ist die Erde von allem
Unrat gesäubert und die Menschheit von allen Gottesabtrünnigen
befreit. Lediglich ein Drittel der Menschheit kann ins Land Amora ziehen.
Das mit dem Jahr 2000 anbrechende, neue Äon ist nach Meinung der
Mitglieder des OFL das Goldene Zeitalter beziehungsweise das tausendjährige
Friedensreich nach Offb 20,1ff.<7> respektive
eine Epoche der Eintracht, des Friedens, der Harmonie und der Liebe. Nach
der dreiwöchigen körperlichen Verfeinstofflichung auf den Raumschiffen
kehrt das Harmagedon überlebende Drittel der Menschheit auf die gesäuberte
Erde in das sogenannte Land Amora zurück. Unter der Regentschaft der
Gottesmutter Maria der allein wegen ihrer adäquatesten Verkörperung
sowohl der menschlichen und göttlichen Liebe als auch des weiblichen
Prinzips Gottes diese Aufgabe unter den Menschen zukommen kann strebt
die menschliche Elite unter paradiesischen Umständen eine kontinuierliche
Verfeinstofflichung beziehungsweise «Metamorphose» an mit dem
sich erst nach Äonen nach dem Goldenen Zeitalter realisierenden Endziel
der vollständigen Dematerialisierung in Licht und der anschliessenden
Vereinigung mit dem «Ur-Ur-Urlicht» der «Ur-Ur-Urzentralsonne»
beziehungsweise mit Gott.
Das Land Amora ist folglich nur ein Zwischenziel in der Evolution der göttlichen
Schöpfung. Der Aufenthalt in diesem Land mit seinen einst durch den
Schöpfungsakt in Kraft getretenen, seither und weiterhin gültigen
göttlichen Gesetzen vor allem mit den drei Gesetzen der Rationalität,
Dualität und Rotation dient der beschleunigten In- und Extensivierung
des göttlichen Lichtfunkens in den Menschen der neuäonischen Elite.
Wer zu dieser Auslese der Besten gehört, geniesst als Lohn für
geleisteten Gehorsam im Leben vor dem Jahr 2000 den bannenden Schutz von
Amora vor den satanischen und dämonischen Mächten, die während
der Generalreinigung aus diesem Gebiet verbannt wurden. Er/Sie erfährt
nicht wie die Träger dieser negativen Mächte nach der Globalsäuberung
statt ewiger Gottverdammnis einen totalen Rückschlag in der nach einem
göttlichen Heimholungsplan ablaufenden, heptastadialen Entwicklung
der Einswerdung mit Gott beziehungsweise «eine Wiederholung des Kreislaufs
der [menschlichen] Reinkarnation von Anbeginn». Vielmehr erfährt
die Elite in einem paradiesischen Reservat einen Dematerialisierungs-Schub.
Dem neuen Äon ist Dunkelheit fremd; es gibt nur Tageslicht oder
Dämmerlicht. Damit kann sich der im menschlichen Körper enthaltene
Gottesfunke als Relikt des in Emanationen aus Gottvater dem Geschaffenen
bei der im Namen des Gottvaters mit der Kraft des Heiligen Geistes durch
den Gottessohn erzeugten Schöpfung mitgeteilten Lichts rascher
zu einem lodernden Feuer entwickeln. Das Land Amora schafft demnach die
sphärische Grundlage für eine gediegene Entwicklung des menschlichen
Erleuchtungszustandes sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen
Sinn.
Eine sichere «Lichtstrasse» zu Gott bedarf zusätzlich der
individuellen Transformation der leiblich-geistig-seelischen Einheit des
Einzelmenschen in Theorie und Praxis nach der für die überlebende
Menschheit geltenden kosmischen Religion mit ihren zeitlich, räumlich,
persönlich und sachlich unbegrenzt gültigen drei Hauptgesetzen
beziehungsweise göttlichen Urgesetzen der Rationalität, Dualität
und Rotation. Unter günstigen sphärischen Bedingungen hat sich
die Bevölkerung des Landes Amora zu einer für die Gottes(an)erkenntnis
notwendigen Vernunftgemeinschaft zu entfalten, deren Mitglieder in
einer der in Gott ruhenden Dualität von Weiblichkeit und Männlichkeit
und dem göttlichen Schöpfungs-Dualismus von Mann und Frau nachgebildeten
Dualliebe kreativ miteinander verbunden sein müssen und ständig
nach Vereinigung mit dem «Ur-Ur-Urzentralpunkt» beziehungsweise
mit Gott zu streben haben. Nur durch konsequentes Befolgen der göttlichen
Gesetze erschliesst sich folglich den Mitgliedern der Amora-Elite das göttliche
Licht, das sie gleichzeitig läutert und befähigt, als «Lichtträger»
den Weg der Vereinigung zurück zum Urlicht beziehungsweise zu Gott
zu gehen.
Auf dem Fundament der römisch-katholischen Glaubenstradition baut der Orden Fiat Lux ein synkretistisches religiöses Lehrgebäude von gewisser grundsätzlicher, weltanschaulicher Bedeutung beziehungsweise eine synkretistische Gesamtsicht der Wirklichkeit beziehungsweise «eine religiös fundierte, zusammenhängende Sicht grundlegender Probleme»<8> auf und geniesst damit die in Art. 49 und 50 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft und in Art. 9 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten grundsätzlich garantierte Religionsfreiheit.
In Bezug auf die kosmisch-mundane Genese im Allgemeinen und die humane Genese im Besonderen ist die Sicht des OFL stark gnostisch geprägt. Nach der Lehre des Ordens gibt es entgegen der jüdisch-christlichen Protologie keine Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo). Gottes Andersartigkeit und Unabhängigkeit von allem Geschaffenen wird durch eine Emanationen-Lehre eigentlich gnostischer Provenienz erheblich relativiert. In den Spuren gnostischer Systeme entsteht das Universum im Allgemeinen und der Planet Erde im Besonderen das heisst die sichtbar-materielle Wirklichkeit durch eine «Pleroma»-Störung beziehungsweise durch Missachtung der Ordnung der aus Gott und den sogenannten paarweise auftretenden Äonen oder Halbgöttern beziehungsweise Engeln bestehenden Fülle der Gottheit seitens der Äonen respektive bestimmter Engel unter Luzifers Führung. Gott kreiert also nicht wie in der jüdisch-christlichen Glaubenstradition voraussetzungs-, bedingungs- und auflagenlos ein sichtbares universales Gefüge; die Entstehung der sinnlich wahrnehmbaren Welt ist vielmehr die Folge des kontinuierlichen, von ständig zunehmender Dunkelheit und Materialisierung begleiteten Abfalls bestimmter Engel von Gott beziehungsweise vom vollständig geistigen Urlicht. In den Menschen liegt schliesslich nur noch ein kleiner, im Herzen ruhender Lichtfunke als Relikt einer in Emanationen aus dem unveränderlichen, vollkommenen, göttlichen Ursprung einem Geistwesen anfänglich verliehenen, göttlichen Eigenschaft.
Was das Endschicksal des Menschen als Einzel- und Gattungswesen einerseits
und der Welt andererseits anbetrifft, vereinigt die Lehre des OFL vor allem
Elemente der gnostischen Weltanschauung, der buddhistischen Religion, der
jüdisch-christlichen Offenbarungslehre, der New-Age-Botschaften, der
astrologischen Vorstellungswelt, der esoterischen Lehren und des ufologischen
Gedankengebäudes. Endziel der Anhänger des OFL ist in Anlehnung
an die Gnosis die Wiedervereinigung mit dem göttlichen Urlicht nach
einem unter Bezugnahme auf den Buddhismus generell-abstrakt und individuell-konkret
zeitlich inkommensurablen, weil vom Karma-Gesetz mit dessen Reinkarnationseffekt
bestimmten Erlösungsprozess der Dematerialisierung respektive Respiritualisierung.
Demzufolge ist der Erlösungsvorgang im Idealfall eine «konzertierte
Aktion» von Gott und einsichtigem, willigem Mensch, der umso schneller
vonstatten geht, je mehr der Mensch um Gotteserkenntnis und deren Umsetzung
ins Leben bemüht ist. Das Heil muss insofern entgegen der christlichen
Soteriologie, nach der das göttliche Heil primär den Menschen
voraussetzungs-, bedingungs- und auflagenlos angeboten wird und sekundär
von den Menschen nach freier Wissens- und Willensbildung und endgültigem,
aktuellem Entschluss in Theorie und Praxis subjektiv und intersubjektiv
angenommen wird, gnadenlos erkauft werden nämlich durch peinliches
Befolgen aller göttlichen Gesetze beziehungsweise aller Ordensregeln
(Leiturgia-, Diakonia-, Martyria- und Koinoniavorschriften).
Der absolute Gehorsam beziehungsweise die konsequente Erfüllung der
Vorleistungspflicht wird nach dem Vorbild des Talionsprinzips respektive
des Do-ut-des-Grundsatzes durch Raumschiffmissionen im Auftrag Gottes unter
der Leitung von halbmateriellen Interplanetariern/Geistwesen mit dem Ziel
einer kosmischen Evakuation der sich in Gottes Willen um genau zu
sein in Uriellas Willen ergebenden Menschen abgegolten. Hier integriert
der OFL Elemente der Science-fiction, der UFO-Spekulationen und der Star-Trek-Movies
in seine Lehre und reagiert so auf die dem Menschen eigentümliche Sehnsucht
nach Immanenzüberschreitung respektive nach kosmischem Fernweh.
Interessant ist auch die ordensinterne Deutung der altäonischen
Endzeit. Für die Mitglieder des OFL bewirken die dem Jahr 2000 unmittelbar
vorangehenden Kataklysmen und der harmagedonsche Showdown keinen planetarischen
Untergang, sondern sie erreichen im Gegenteil eine Revitalisierung und «Metamorphose»
der Erde und des Menschen als Einzel- und Gattungswesen. Aus diesem Grund
kann die Endzeitlehre des OFL nicht unter die Apokalyptik im Sinne einer
die gegenwärtigen irdischen Gegebenheiten als endgültig im Untergehen
begriffen seiende irdische Wirklichkeit offenbarenden Weltanschauung subsumiert
werden. Teilweise ist eine Zuordnung zur Geisteshaltung des Survivalismus
und dessen Escheinungsform der Survivalistik möglich. Wie beim Survivalismus
manifestiert sich für die Führung des OFL in der Politik, der
Wirtschaft, der Technologie/Technik, den Massenmedien, der modernen Industriegesellschaft
das Böse schlechthin. Durch Vereinigung, mindestens durch Bildung einer
einfachen Gesellschaft, und/oder durch Personenverbindung zu wirtschaftlichen
Zwecken wird dem Bösen zu begegnen versucht. Obschon sich der
OFL nach seinem «Spiegelbild» nicht als Verein betrachtet und
Bertschinger Eicke Erika alias Uriella sich nicht als dieser Welt Angehörige
bezeichnet, muss dieses Phänomen und dessen ordensinterne und -externe
Aktivitäten jedoch ins Recht gefasst werden. Der survivalistische
Kampf gegen das Übel in dieser Welt wird als Kontrastgemeinschaft einesteils
defensiv/esoterisch in (Überlebens-)Zentren geführt und andernteils
offensiv/exoterisch in diversen Aktionen.
Allerdings finden sich im tendenziell survivalistischen Gedankengebäude
des OFL sichtbar und unsichtbar apokalyptische Elemente jüdisch-christlicher
Provenienz. Zu denken ist hier an den ethisch-moralischen Dualismus von
Gut und Böse; die Menschen werden in die zwei Kategorien von Gottgerechten
und Gottabtrünnigen respektive von Geretteten und Verlorenen eingeteilt.
Damit geht im OFL ein starkes Verlangen nach geistiger, seelischer und körperlicher
Reinheit einher wie sie paradigmatisch in der Offenbarung des Johannes
klar zutage liegt. So schreibt die Ordensleitung in Bezug auf die körperliche
Makellosigkeit etwa Askese, Asexualität und helle bis weisse Kleidung
vor und verordnet in Bezug auf die geistige, seelische Lauterkeit Metanoia
beispielsweise mittels Geistesschulungen, wiederholtem Affirmieren von Losungsworten
und Visualisieren von zentralen Glaubensinhalten. Daneben besteht die Sehnsucht
nach Aufhebung der irdischen Dualität beziehungsweise nach Einheit.
Die erwartete weltumspannende Katastrophe ist lediglich ein Übergang
in eine neue, heile Welt.
Schliesslich soll im Rahmen der vorliegenden Untersuchung die Sicht des Ordens vom tausendjährigen Friedensreich unter dem Aspekt des Chiliasmus oder Millenarismus kurz analysiert werden. Der OFL vertritt einen marianisch modifizierten und eschatologisch entfremdeten Chiliasmus. Seine Anhänger erwarten nicht eine tausendjährige Herrschaft Christi und der bereits zum ewigen Leben auferweckten Gerechten vor der endgültigen Vernichtung des Bösen respektive vor der unumstösslichen Heilsgemeinschaft mit Gott, sondern eine tausendjährige Herrschaft der im Auftrag Christi regierenden Gottesmutter Maria und der in irdischer Daseinsweise lebenden Gerechten lange vor der definitiven Vollendung der Menschen als Einzel- und Gattungswesen und der Welt. Demzufolge wird das in Offb 20,1ff. erwähnte Friedensreich in der Lehre des OFL in allernächster Zukunft in irdischen Dimensionen antizipiert.
Im religiös interpretierten Rückblick auf die sich zuspitzende
ökologische Krise und das sich verschärfende humane Elend verorten
sich die Anhänger der OFL-Lehre in die Endzeit: Sie weisen ein Endzeitbewusstsein
auf. Ausserdem erwarten die Anhänger der OFL-Lehre gestützt auf
Jesu Christi Neuoffenbarungen respektive Uriellas vaticinia ex eventu in
allernächster Zeit ein von Gott ausgehendes Ereignis von tiefgreifender
Bedeutung innerhalb der erfahrbaren irdischen Geschichte: Sie leben in einer
Naherwartung. Tritt die auf 1998/1999 terminierte Globalreinigung nicht
ein, dann werden die Mitglieder des OFL zusätzlich die Erfahrung der
neuäonischen Verzögerung machen müssen. Die Ordensleitung
wird diesen Verzug mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einer
zusätzlichen Gnadenfrist für die Vervollständigung der noch
unvollzähligen Amora-Elite rechtfertigen.
Das Endzeitbewusstsein und die Naherwartung forcieren die Aktivitäten
dieser Gruppe, was zusehends passiv zur Segregation und aktiv zur Isolation
führen wird; denn ihre Werte sind mit denjenigen der Um- und Mitwelt
inkongruent oder gar inkompatibel. Daraus resultiert für den OFL ein
vielschichtiger apokalyptischer Dualismus mit (1) einem elitären Selbstverständnis
gegenüber einer ihm angeblich feindlich gesinnten Welt, (2) einem hypertrophen
Wahrheitsgehalt der Lehre und (3) einem Infallibilitätsanspruch der
Ordensführung. Zu hoffen bleibt, dass dies den OFL nicht zu einem Himmelfahrtskommando
macht!
Erwin Tanner ist Theologe und Jurist und beschäftigt sich besonders auch mit neureligiösen Phänomenen.
* An dieser Stelle sei dem Orden Fiat Lux für die freundliche
Zustellung von Dokumenten gedankt, ohne die der Artikel nicht hätte
verfasst werden können.
Der Orden soll nicht durch (oft polemische!) Sekundärliteratur zur
Sprache kommen, sondern immer mit seinen eigenen Worten, zu denen kritisch
aus der Sicht eins katholischen Theologen S tellung genommen wird.
1 Die im Zusammenhang mit der Feindesliebe erwähnte Vollkommenheit im Sinne von herzensmässiger Ungeteiltheit und gehorsamsmässiger Ganzheitlichkeit in Erfüllung aller Vorschriften Gottes ist nach Matthäus entgegen der Auslegung nach dem Orden Fiat Lux nicht als seinsmässiger Sonderstatus weniger gläubiger Menschen zu verstehen, sondern als eine alle gläubigen Menschen betreffende Aufgabe.
2 Nach Uriella ernähren sich die Ordensangehörigen gestützt auf den priesterschriftlichen Schöpfungsbericht in der Bibel (Gen 1,12, 4a, hier 1,29) ausschliesslich mit Rohkost; sie sind also biblisch zum Vegetarismus verpflichtet. Indem Uriella der grammatischen Auslegung eine übermässige Bedeutung beimisst, verkennt sie jedoch sowohl den teleologischen Sinn von Gen 1,29 als auch dessen historischen und gegenwärtigen Wert wie auch dessen realistischen Sitz im Leben als auch dessen systematische Einordnung in den Gesamttext. Vers 29 will im Kontext des Schöpfungsberichts den Inhalt und Gehalt des göttlichen Auftrags an den Menschen, die Erde zu unterwerfen und über sie zu herrschen, dahingehend präzisieren, dass die Herrschaft entsprechend der Gottabbildlichkeit des Menschen (Gen 1,26f.) nicht Despotie oder Tyrannei meint, sondern Treuhandschaft. Ausserdem lässt Uriella in ihrer Überlegung Gen 9,4, wonach dem Menschen nach der Sintflut tierisches Fleisch unter Vorbehalt des Blutes zur Nahrung von Gott freigegeben wird, unberücksichtigt.
3 Die Terminologie ist biblisch geprägt; sie erinnert an Mt 25,42ff.; Lk12,39f.; 1 Thess 5,1ff., 2 Petr 3,10; Offb 3,3; 16,15. Wohingegen es in diesen Stellen abgesehen von Offb 3,3 (Das Kommen Christi ist hier bedingt durch das Verhalten der Gemeinde von Sardes. Folglich steht dieser Vers nur und gerade im Dienst der Paränese) um die unbedingte Wiederkunft Christi beim Jüngsten Gericht geht, stellt die Generalreinigung «die allerersten Geburtswehen des ÐNeuen Äonsð» (579. Offenbarung [...] empfangen [...] am 30. November 1997 [...], 3; Hervorhebung vom Verfasser.) auf Erden dar.
4 Bei Mt 24,36 parr. geht es um Gottvaters Alleinwissen um den Zeitpunkt der Parusie und nicht um den einer Reinigung der Erde und der Menschheit.
5 Der Name «Typhon» hat seine Wurzeln in der ägyptischen Mythologie. Hier ist Typhon bzw. Seth der Drache der Finsternis und Widersacher der schwangeren Sonnengöttin Hathor bzw. Isis und des von ihr geborenen Sonnengottes Horus. Der Asteroidenname ist also gezielt gewählt und passt gut zum vom Orden vertretenen Dualismus von Licht und Dunkelheit (s. hinten 4.1.).
6 Nach der Lehre des Ordens werden Satan und seine Anhänger aus dem Himmel ins Weltall geworfen. Dies entspricht jedoch nicht dem Sachverhalt in Offb 12,9, wonach Satan und seine Engel auf die Erde gestürzt werden. Ausserdem hat der himmlische Kampf in Offb 12,7f. nicht die Funktion eines himmlischen Vorzeichens irdischer Kämpfe zwischen Gott und seinen Engeln einerseits und Satan und seinen Dämonen andererseits; denn der Krieg nach 12,7ff. wird erst in 20,1ff. als Akt des Jüngsten Gerichts fortgesetzt.
7 Das tausendjährige Reich nach Offb 20,46 steht in eschatologischem Kontext (Offb 19,1122,5!). Beim Lebendigwerden der treuen Christen (20,4) geht es nicht um ihre Rückkehr in ein irdisches Leben, sondern in Anbetracht ihres vorigen Todes (vgl. 20,5) um die leibliche Auferstehung beziehungsweise um den Anfang der Heilsvollendung. Ausserdem bedeutet die tausendjährige Herrschaft Jesu Christi mit den Seinen nicht eine zeitliche Zäsur im chronologischen Ablauf irdischer Geschichte, sondern wegen des mutmasslichen Symbolcharakters der Zahl 1000 den Beginn einer qualitativ neuen Existenz im Sinne einer ewigen Gemeinschaft der treuen Christen mit Jesus Christus (und durch ihn auch mit dem Gottvater und dem Heiligen Geist) in der Spannung von zeitgebundenem Schon und zeitlosem Noch-Nicht des göttlichen Heils. Folglich stellt die tausendjährige Herrschaft der treuen Christen unter Jesus Christus entgegen der Annahme des Ordens Fiat Lux kein irdisches Zwischenreich von bestimmter Dauer dar.
8 BGE (Entscheidungen des schweizerischen Bundesgerichts. Amtliche Sammlung) 119 Ia 183 Erw. 4 b.
Aufgrund des begrenzten Raumes in der SKZ verzichtet der Autor auf das exakte Anführen von Belegstellen aus der konsultierten Literatur. Ein erweiterter Text einschliesslich des wissenschaftlichen Apparates wird voraussichtlich in der Zeitschrift für Religionswissenschaft 7 (1999) erscheinen. Hier sei nur, aber immerhin ein Literatur-Überblick gegeben: U. Becker, (Hrsg.), Lexikon der Astrologie (= Herder Spektrum 4596), Freiburg i.Br. 1997; N. Bischofberger, Werden wir wiederkommen? Der Reinkarnationsgedanke im Westen und die Sicht der christlichen Eschatologie, Mainz/Kampen 1996 (= Diss. Luzern 1995); O. Böcher, Die Johannesapokalypse (= Erträge der Forschung 41), 4. durchgesehene und mit einem neuen Nachtrag versehene Aufl., Darmstadt 1998; F. Bovon, Das Evangelium nach Lukas, Bd. 2: 9, 5114, 35 (= EKK III/2), Zürich/Düsseldorf/Neukirchen-Vluyn 1996; P. Busch, Der gefallene Drache. Mythenexegese am Beispiel von Apokalypse 12 (= TANZ 19), Tübingen/Basel 1996 (= Diss. Heidelberg 1995); H. Cerutti, Vom Himmel hoch. Die Katastrophentheorie des Russen Immanuel Velikovsky empörte vor fünfzig Jahren die Gelehrtenwelt. Jetzt ist Chaos im Kosmos erneut aktuell: Droht uns schon wieder ein Weltuntergang?, in: NZZ-FOLIO 12/1997 (Die Schöpfung), 49ff.; K. Erlemann, Naherwartung und Parusieverzögerung im Neuen Testament. Ein Beitrag zur Frage religiöser Zeiterfahrung (= TANZ 17), Tübingen/Basel 1995 (= Habil. Heidelberg 1993); V. Essene/S. Nidle, Der Photonenring. Nachricht vom Sirius, 3. Aufl., Seon 1996; J. Finkenzeller, Chiliasmus, in: W. Beinert (Hrsg.), Lexikon der katholischen Dogmatik, 3. durchgesehene und aktualisierte Aufl., Freiburg i.Br./Basel/Wien 1991, 58f.; H. Giesen, Die Offenbarung des Johannes, übersetzt und erklärt von demselben (= Regensburger Neues Testament: Die Offenbarung des Johannes), Regensburg 1997; W. J. Harrington, Revelation (= Sacra Pagina Series 16), Collegeville/Minnesota/USA 1993; G. Heinz-Mohr, Lexikon der Symbole. 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Auf römisch-katholischer Seite wird in der Schweiz die Szene der neuen religiösen Bewegungen und der Neureligionen seit 20 Jahren von einer Arbeitsgruppe beobachtet, die einerseits als von der Schweizer Bischofskonferenz ernannte Mitglieder in der Ökumenischen Arbeitsgruppe «Neue religiöse Bewegungen in der Schweiz» mitarbeiten und anderseits seit bald zwei Jahren auch als eigenständige Arbeitsgruppe auftreten; ihre Arbeitsstelle wird teilzeitlich von Joachim Müller, dem katholischen Kopräsidenten der Ökumenischen Arbeitsgruppe geleitet. Diese Arbeitsgruppe - und ihre Arbeitsstellen - bieten immer mehr Informationen im Internet an, sie ist aber auch mit einer Buchreihe in der Öffentlichkeit präsent: «Weltanschauungen im Gespräch».<1>
1 Der jüngste Band: Jean-François Mayer, Der Sonnentempel. Die Tragödie einer Sekte, (Weltanschauungen im Gespräch, Band 16), Paulus Verlag, Freiburg Schweiz 1998, 159 Seiten.