|
|
|
|
|
Lesejahr A |
Hochfest von Pfingsten: Lev 23,1-38 (Vorschlag)
Bibel: Der priesterliche Festkalender
Der im Buch Levitikus aufgezeichnete Festkalender schafft einen
zeitlichen Kosmos. Er baut die älteren Festkalender (vgl.
Kasten) auf sieben Feste aus:
A Einleitung (23,1f.)
B 1. Sabbat (23,3)
C 2. Pessach- und Mazzenfest (23,4&endash;8)
D 3. Garbenfest (23,9&endash;14)
X 4. «Siebnerfest» und Totalerntetabu
(23,13&endash;22)
D' 5. Neujahrsfest (23,23&endash;25)
C' 6. Versöhnungsfest (23,26&endash;32)
B' 7. Hüttenfest (23,33&endash;36)
A' Schluss (23,37&endash;38)
Die Einleitung betont, dass Feste, wie es das deutsche Wort sagt, festgelegte Zeiten sind. Der Gedanke wird am Schluss mit der Aufforderung zur Heiligung wiederholt (A/A'). Der Sabbat, eigentlich ein Wochenfest und kein Jahresfest, bildet den programmatischen Anfang, denn er ist der siebte, von JHWH geheiligte Tag und auf der Siebenzahl baut der ganze priesterliche Kalender auf. Gemeinsam mit dem das Erntejahr krönenden Laubhüttenfest bildet er den fröhlichen Rahmen des Kalenders (B/B'). Das Pessachfest wird mit dem ursprünglich davon unabhängigen Mazzenfest verbunden und eng mit dem Exodus verzahnt (vgl. SKZ 14/1998). Der ihm gegenübergestellte Versöhnungstag (jom ha-kippurim; vgl. Lev 16) wird als neues Fest besonders stark geschützt (C/C'). Er wird wie der Sabbat als absoluter Ruhetag (schabbat schabbaton) bezeichnet. Wer ihn nicht befolgt wird der Ausmerzung durch Gott (karet) anheimgestellt. Indem die Darbringung der ersten Gerstengarbe als eigenes Fest betrachtet wird und das babylonisch inspirierte Neujahrsfest Eingang in den Festkalender findet, wird die angestrebte Siebenzahl erreicht (D/D'). Die Mitte des Kalenders (X) bildet das «Siebnerfest» (schawuot). Vom Tag nach dem Garbenfest werden sieben Siebte/Sabbate gezählt. Von daher auch der Name «Wochenfest». Am Tag nach dem siebten Sabbat, also am fünfzigsten Tag, wird das Fest begangen. In der Septuaginta heisst es deshalb «(Fest des) fünfzigsten Tages», hä pentäkostä, woraus (ital.) pentecoste, (frz.) pentecôte und Pfingsten abgeleitet sind. Es handelt sich um das alte Fest der Weizenernte (vgl. Ex 23,16a; Dtn 16,9&endash;12), weshalb zwei gesäuerte Brote aus der frischen Ernte dargebracht werden. Durch die Quadrierung der Siebenzahl wird es als Mitte des Festkalenders besonders hervorgehoben. Aber auch bezüglich der Opfer sticht das Fest hervor. Nebst umfangreichen Brand-, Speise- und Trankopfern, die als Feueropfer dargebracht werden, muss sogar ein Sündopfer geleistet werden. Der Grund dafür ist unklar. Vielleicht soll sichergestellt werden, dass an diesem höchsten Fest alle unbeabsichtigten Verunreinigungen getilgt sind und das Heiligtum rein. An dieser bedeutenden Stelle wird das Verbot, ein Feld bis zum Rand abzuernten, wiederholt. Dieses zunächst aus Furcht vor Feldgeistern beachtete Tabu wurde in Israel mit sozialen Argumenten begründet (vgl. Lev 19,9f.; Dtn 24,19&endash;22). Es wurde bis zum Aufkommen von Erntemaschinen und Sozialversicherungen auch im christlichen Europa beachtet.
Synagoge/Kirche: Das zentrale Ereignis
Das Judentum hat das zentrale Fest mit der Gabe der Tora am Sinai
verbunden, als das Echo der göttlichen Stimme sich &endash;
mündlicher Überlieferung zufolge &endash; in Feuer
verwandelte und in siebzig Sprachen vernommen werden konnte. Lukas
hat diese Motive in seinem Pfingstbericht auf die
Jünger(innen)gemeinde übertragen. Dieser steht in der Mitte
seines Doppelwerkes (Lk; Apg). In den Darstellungen der Trinität
nimmt der an Pfingsten ausgegossene Geist die Mittelstellung zwischen
Vater und Sohn ein. Im grossen mittelalterlichen Bildprogramm der
Fenster der Kathedrale von Chartres bildet das Pfingstfenster die
Mitte.
Welt: GFS
Die an Pfingsten 1989 in Basel initiierte ökumenische
GFS-Bewegung trifft mitten in die Weltverwicklungen und führte
damit die gute pfingstliche Tradition fort, die im zentralen Fest der
Tora und des göttlichen Geistes den Himmel mit der Erde zu
verknüpfen versucht.
Der hebräische Kalender beruht auf zwölf Mondmonaten,
doch das Sonnenjahr war bekannt (vgl. die Zahlen in Gen 5,23; 7,11;
8,14; SKZ 18/1999). Da das Mondjahr (354d 8h 48m 36s) kürzer ist
als das Sonnenjahr (365d 5h 48m 46,43s), müssen von Zeit zu Zeit
Schaltmonate eingefügt werden. Noch im 1. Jh. n. Chr. wurden
diese allein aufgrund von Naturbeobachtungen vorgenommen.
Das Jahr beginnt im Herbst, wenn das von der Sommerhitze ausgebrannte
Land Palästinas auf den Winterregen wartet, wie schon der
älteste erhaltene Kalender Kanaans, der sogenannte
Bauernkalender von Gezer (10. Jh. v. Chr.; vgl. Bild) bezeugt:
«Zwei Monate des Einbringens (Okt./Nov.); zwei Monate der Saat
(Dez./Jan.); ein Monat der Spätsaat (Feb.); ein Monat
Flachsschnitt (März); ein Monat Gerstenschnitt (April); ein
Monat des Schnittes und Messens (Mai); zwei Monate der Weinlese
(Juni/Juli); ein Monat der Sommerfrucht (Aug.)». Der
zwölfte Monat, der Festmonat, der ungefähr dem September
entspricht, fehlt auf dieser Arbeitsliste. Der älteste in der
Bibel erhaltene Kalender (Ex 34,18&endash;6) nennt drei
Erntedankfeste (Gerstenernte, Weizenernte, Weinlese) und steht damit
noch in der herkömmlichen Tradition der Verbindung von
Festkalender und Erntejahr. Doch schon im Bundesbuch, dem
ältesten biblischen Rechtskodex, wird das Naturjahr dem viel
starreren Siebnerrhythmus der Sabbate, der zum Kennzeichen der
JHWH-Frömmigkeit geworden ist, untergeordnet und das Mazzenfest
wird mit dem Exodus in Verbindung gebracht (Ex 23,12&endash;17). Der
laizistische Kalender des Deuteronomiums (Dtn 16,1&endash;17) macht
die alten populären Erntefeste im Rahmen der Kultzentralisation
zu Wallfahrtsfesten nach Jerusalem.
Mit dem priesterlichen Festkalender (Lev 23) wird schliesslich ein
ganz auf der Zahl Sieben aufgebautes System geschaffen, das in der
Lage ist, Feste, die man in Babylon kennen lernte, zu integrieren.
Ansätze dazu finden sich schon bei Ezechiel (Ez
45,18&endash;25). In der Opfertarifliste (Num 28f.) wird auch das
Neumondfest genannt, mit dem im Judentum bis heute der Mond
begrüsst wird. Dieses Fest lässt sich nicht ins
Schabbat-Schema einfügen und kann seinen naturbezogenen
Charakter nicht verleugnen. Monatsnamen kannte man nicht. Erst im
babylonischen Exil hat man die akkadischen Monatsnamen
übernommen und das Jahr nach babylonischer Sitte mit dem Monat
Nisan, ca. im April, wenn die Hochwasser von Euphrat und Tigris dem
Land ihren Segen bringen, beginnen lassen. Priesterliche Kreise in
Jerusalem haben sich mit dieser fremdländischen Sitte nicht
abgefunden und aus Protest einen strengen Sonnenkalender
eingeführt, der sich aber nur bei den Essenern halten
konnte.