25/1999

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Berichte

Ordensleute als Zenmeister

von Livia Leykauf

 

Sie sind die ersten Roshis der Schweiz: Am zweiten Maisonntag wurden der Jesuitenpater Niklaus Brantschen und Sr. Pia Gyger vom St.-Katharina-Werk im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn (Kanton Zug) als Zen-Roshis eingesetzt. Von nun an sind beide berechtigt, selbst Zen-Lehrer/Lehrerinnen auszubilden und zu ernennen. Die feierliche Einsetzung vollzog Bernard Tetsugen Glassman Roshi (New York) unter Anwesenheit von Bischof Peter Henrici (Zürich), Hodjosan Kuroda Roshi (Tokio) und Buddhisten und Christen aus der Schweiz, Amerika, Japan, Deutschland und Polen.
Gyger und Brantschen, die seit Jahrzehnten als überzeugte Christen den Weg der Zen-Meditation gehen, zeigten sich bewegt, von einer «anderen Religion so tief geehrt und ernst genommen» zu werden. Wir wurden heute «ermächtigt, auf besondere Weise an der buddhistischen Tradition teilzunehmen, ohne Buddhisten zu werden. Das ist ein Geschenk Gottes», sagte Pia Gyger. Brantschen betonte: «Ich vollziehe diesen Schritt bewusst als Jesuit und als Mann der Kirche.»
In seiner Ansprache betonte Glassman Roshi, die beiden hätten in der Zen-Praxis den höchsten Schritt erreicht, den man erreichen kann. «Sie haben den Berg bestiegen, aber jetzt müssen sie alle Kraft darauf verwenden, hinunterzusteigen und anderen auf ihrem Weg zu helfen.» Niklaus Brantschen und Pia Gyger seien diese Verpflichtung schon seit Jahren eingegangen. «Heute ehren wir sie für etwas, was schon lange ist.» Damit spielte er darauf an, dass beide als Ordensleute ihr Leben in den evangelischen Räten schon ganz in den Dienst der Menschen und der Welt gestellt haben.
In seiner Ansprache gratulierte Bischof Henrici, der wie Brantschen Jesuit ist, den beiden zu dem «wichtigen Schritt, den sie gegangen sind und der ihnen ermöglicht wurde». Der interreligiöse Dialog sei «für das nächste Jahrhundert noch wichtiger als für das letzte.» Auch Papst Johannes Paul II. habe in seiner letzten Enzyklika unterstrichen, wie wichtig die Weisheit des Ostens für die Christen sei. Die Weisheit, die wir vom Osten zu lernen hätten, sei eine religiöse Weisheit. Mit Verweis auf Kardinal Jean Daniélou erläuterte Henrici, dass grosse spirituelle, religiöse Genies in allen Religionen zu finden seien. Wir hätten von den östlichen Weisen zu lernen, in welche Höhe, Tiefe und Breite sich Spiritualität in uns Menschen entfalten könne. «Das wird unseren eigenen Glauben und den Einsatz für die Gerechtigkeit und Frieden stärken». Er wünschte Niklaus Brantschen und Pia Gyger, dass sie in ihrem eigenen Leben die Tiefe des Buddhismus und die christliche Hoffnung auf die Erlösung der Welt verbinden könnten.
Hildegard Schmittfull, Zentralleiterin des St.-Katharina-Werkes und in diesem Amt Nachfolgerin von Pia Gyger, hob hervor, dass die beiden das beste Beispiel seien, dass man durch teilen, auch das Teilen und Teilhaben in den Religionen, nicht etwas verliere, sondern gewinne.

 

Livia Leykauf ist Medien-Verantwortliche im Lasalle-Haus Bad Schönbrunn.


Jugendliche für Konsultationsprozess motivieren

von Regina Osterwalder

 

Die Projektleitung der «Ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz» hat eben ihren dritten Zwischenbericht herausgegeben. Nach wie vor stosse die «Ökumenische Konsultation» auf grosses Interesse, sind doch bis Ende März an die dreihundert Stellungnahmen eingegangen. Um dem Prozess genügend Zeit zu lassen, wurde die Eingabefrist auf Ende Oktober 1999 verlängert.

Animation und Öffentlichkeitsarbeit

Zurzeit ist die Koordinationsstelle vor allem dort gefordert, «wo die Beteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen von selbst bisher nicht möglich oder erschwert war». Es laufen Abklärungen, über welche Kanäle Jugendliche am besten angesprochen werden können, um sie für eine Beteiligung am Konsultationsprozess zu begeistern. Ein weiteres Anliegen ist für die Koordinationsstelle der Kontakt mit der ausländischen Bevölkerung. So wurden Beziehungen aufgenommen zu «Migrantinnenorganisationen».

Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen

Verantwortlich für die Auswertung sind die Projektleitung und die Auswertungsgruppe, die aus verschiedenen Fachleuten zusammengefügt ist. Diese fassen dann die Ergebnisse in einem Auswertungsbericht zusammen, der auf Juni 2000 geplant ist.
Der nächste Zwischenbericht ist auf September vorgesehen.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999