SKZ 26/1998

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Wortmeldungen

Zur Tagsatzung

Es ist ein Faktum, dass sich die Kirche in der Schweiz in einer Umbruchsituation befindet. Die ungelösten innerkirchlichen Fragen verzehren viel Kraft und Energie bei Seelsorgern und Seelsorgerinnen. Es scheint gerade, dass die Fixierung auf die eigenen innerkirchlichen Probleme die Kirche schwächt und ihr die Kraft nimmt, entschieden und mutig ihre Sendung in dieser Welt wahrzunehmen.
Wie ein Gegenpol zu dieser Situation, wie ein Pfingstereignis tauchten die Anliegen der Tagsatzung auf. Gerade die Prioritätensetzung durch die Abstimmung im Gesamtplenum hat dies gezeigt. Es gibt vitale Kräfte in unserer Kirche, die ihr erlauben, über sich selbst hinauszublicken ­ ohne Fixierung auf die eigene interne Problematik ­ und ihre Sendung in der Welt wahrzunehmen. Unsere katholische Kirche in der Schweiz hat noch viel Kraft und Mut, in dieser Welt ihre Stimme zu erheben und die ungerechten sozialen Verhältnisse dieser Welt in Frage zu stellen; sie hat das Bewusstsein, etwas in dieser Welt zu verändern, damit Armut und Not der Ärmsten gemildert werden. Die Delegierten für die Tagsatzung haben sich grossmehrheitlich dafür entschieden (erste Priorität), dass die katholische Kirche sich für die Solidaritätsstiftung einsetzen und sie voll unterstützen soll. Auch die zweite Priorität betrifft die Sendung der Kirche in der Welt: Die Tagsatzung stellte sich voll hinter die Ökumenische Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz. Manchmal übersehen Journalisten diese eindeutige Sprache der Prioritätensetzung, so zum Beispiel verdrängt die Neue Luzerner Zeitung (25.5.1998) mit einem grossen Titel «Die Stellung der Frau in der Kirche muss aufgewertet werden» dieses Pfingstereignis der Tagsatzung und die beiden Prioritäten macht er zu einem nebensächlichen («zudem»-)Ereignis.
In der Tagsatzung ist noch ein zweites erfreuliches Ereignis aufgetaucht. Das ermächtigte und gesandte Volk Gottes ­ die Delegierten der Tagsatzung, von denen 23 Laien waren ­ wusste gut, wie man seinem Bischof einen gebührenden Respekt, eine Wertschätzung und Herzlichkeit vor und nach seinem Auftreten entgegenbringt. Diese herzliche Aufnahme und den kräftigen Applaus halte ich für ein wichtiges ekklesiologisches Ereignis in der Bistumskirche. Wenn die Hauptamtlichen es oft nicht können, so kann es das ermächtigte Volk Gottes. Mit seinem kräftigen Applaus hat das Volk Gottes zu Recht gezeigt, dass es weiss, was es heisst, sentire cum ecclesia.

Sylwester Kwiatkowski


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1998