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Wortmeldungen |
Es ist ein Faktum, dass sich die Kirche in der Schweiz in einer Umbruchsituation
befindet. Die ungelösten innerkirchlichen Fragen verzehren viel Kraft
und Energie bei Seelsorgern und Seelsorgerinnen. Es scheint gerade, dass
die Fixierung auf die eigenen innerkirchlichen Probleme die Kirche schwächt
und ihr die Kraft nimmt, entschieden und mutig ihre Sendung in dieser Welt
wahrzunehmen.
Wie ein Gegenpol zu dieser Situation, wie ein Pfingstereignis tauchten die
Anliegen der Tagsatzung auf. Gerade die Prioritätensetzung durch die
Abstimmung im Gesamtplenum hat dies gezeigt. Es gibt vitale Kräfte
in unserer Kirche, die ihr erlauben, über sich selbst hinauszublicken
ohne Fixierung auf die eigene interne Problematik und ihre Sendung
in der Welt wahrzunehmen. Unsere katholische Kirche in der Schweiz hat noch
viel Kraft und Mut, in dieser Welt ihre Stimme zu erheben und die ungerechten
sozialen Verhältnisse dieser Welt in Frage zu stellen; sie hat das
Bewusstsein, etwas in dieser Welt zu verändern, damit Armut und Not
der Ärmsten gemildert werden. Die Delegierten für die Tagsatzung
haben sich grossmehrheitlich dafür entschieden (erste Priorität),
dass die katholische Kirche sich für die Solidaritätsstiftung
einsetzen und sie voll unterstützen soll. Auch die zweite Priorität
betrifft die Sendung der Kirche in der Welt: Die Tagsatzung stellte sich
voll hinter die Ökumenische Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen
Zukunft der Schweiz. Manchmal übersehen Journalisten diese eindeutige
Sprache der Prioritätensetzung, so zum Beispiel verdrängt die
Neue Luzerner Zeitung (25.5.1998) mit einem grossen Titel «Die Stellung
der Frau in der Kirche muss aufgewertet werden» dieses Pfingstereignis
der Tagsatzung und die beiden Prioritäten macht er zu einem nebensächlichen
(«zudem»-)Ereignis.
In der Tagsatzung ist noch ein zweites erfreuliches Ereignis aufgetaucht.
Das ermächtigte und gesandte Volk Gottes die Delegierten der
Tagsatzung, von denen 23 Laien waren wusste gut, wie man seinem Bischof
einen gebührenden Respekt, eine Wertschätzung und Herzlichkeit
vor und nach seinem Auftreten entgegenbringt. Diese herzliche Aufnahme und
den kräftigen Applaus halte ich für ein wichtiges ekklesiologisches
Ereignis in der Bistumskirche. Wenn die Hauptamtlichen es oft nicht können,
so kann es das ermächtigte Volk Gottes. Mit seinem kräftigen Applaus
hat das Volk Gottes zu Recht gezeigt, dass es weiss, was es heisst, sentire
cum ecclesia.
Sylwester Kwiatkowski