SKZ 22-23/1998

INHALT

Verstorbene

Max Zemp, Kaplan, Dagmersellen

Es war sehr schmerzlich, Kaplan Zemp in den letzten Monaten seines Lebens hilflos auf seinem Krankenlager zu sehen. Es war schwer, mit ihm, diesem lieben Menschen, nicht mehr plaudern zu können. Eine schwere Hirnblutung war schuld daran. Was in ihm in diesen letzten Zeiten vor sich gegangen ist, wie weit er es innerlich bewusst durchlebte, war dem Besucher verschlossen. Aber sicher traf in seinem Leben zu, was auf der Danksagungskarte steht: «Die Kreuze im Leben des Menschen sind wie die Kreuze in der Musik: sie erhöhen» (Beethoven). So bedeutete es für Max Zemp wirklich eine Erlösung, als am Abend des 2. April 1998 der Tod an sein Krankenlager trat.
Es lohnt sich, dem Lebensweg des Verstorbenen nochmals nachzugehen. Begonnen hat alles am 25. März 1916, am Fest Maria Verkündigung. (Irgendwie hat gerade dieser Tag Max tief geprägt.) Die Familie Zemp wohnte in Entlebuch. Von seinen Eltern hat er ein wertvolles Erbe mitbekommen. Von seinem Vater (er war Gemeindeschreiber und später Regierungsstatthalter) hohes Pflichtbewusstsein und ein wenig Schüchternheit; von seiner Mutter eine feine Form von Kultiviertheit und eine frohe und gesunde Kontaktfreudigkeit; von beiden aber eine tiefe Religiosität. Mit zwei Brüdern und einer Schwester verlebte er, wie er selbst vermerkt, eine behütete und glückliche Jugendzeit. Sein Wunsch, Priester zu werden, erwachte in ihm schon in früher Jugend. So zog er denn vor der 6. Primar weg 1928 ins Kollegium Stans, wo er 1936 die Gymnasialstudien abschloss. Max war ein sehr talentierter Schüler. Er selber bemerkt: Das Lernen ging mir leicht. Es waren für ihn frohe Kollegijahre. Mit besonderem Wohlwollen erwähnte er später immer wieder seinen Deutschlehrer P. Leutfried Signer. Und mit Schmunzeln erzählte er die Sprüche vom berühmten Baschi und das Gehabe des eher etwas nervösen Hubert.
Nach der Matura zog Max Zemp zwei Jahre nach Löwen zum Philosophiestudium, das er mit dem Lizentiat abschloss. Er schmückte seinen Namen aber später nie mit dem «lic. phil.» ­ aus Bescheidenheit. In diesen Löwener Jahren bahnten sich viele wertvolle Freundschaften an, die sehr lange aufrecht erhalten blieben. Auch spätere Bischöfe zählten so zu seinem Freundeskreis.
Nach dem Studienaufenthalt in Löwen meldete sich Max Zemp für das Priesterseminar in Luzern an. Der Eintritt konnte aber nicht gleich erfolgen, weil ihn eine ernsthafte Krankheit zu einem Unterbruch zwang. In seinem zweiten Theologiejahr waren gleich drei Zemp im gleichen Kurs. Um sie auseinanderhalten zu können, gab man jedem ­ seiner Eigenart entsprechend ­ einen Zunamen, nämlich: der fromm Zämp (längst gestorben), der ruch Zämp (mittlerweilen ziemlich zahm geworden) und der fiin Zämp (das war Max). Den dritten und vierten Theologiekurs besuchte Max im Canisianum Sitten. Dort hat ihn vor allem Hugo Rahner und Franz Dander stark beeindruckt.
1943 empfing Max Zemp die Priesterweihe. Vierzig Neupriester waren es in diesem Jahr. Bischof Franziskus hatte Mühe, für sie alle eine Stelle zu finden. Der erste Posten des Neupriesters war Arlesheim. Er fand in Pfarrer Ludwig einen sehr verständigen Chef. Dieser führte ihn gut in seine neue Wirksamkeit ein. Ein erster Posten ist ja immer sehr prägend für einen jungen Vikar. Der Vikar war nun vor allem für die Jugend da. Er war hier im Element.
1950 kam der Ruf als Kaplan nach Dagmersellen. Sein neuer Chef, Pfarrer Johann Korner, war von ganz anderem Schlag, der nach «gut bewährten soliden alten Methoden» pastorierte. Kaplan Zemp nahm das ruhig und gelassen hin. Wieder nahm er sich ganz besonders der Jugend an.
Als dann 1956 Pfarrer Korner als Chorherr nach Beromünster zog, wurde Kaplan Zemp ­ was lag näher ­ sein Nachfolger. Das Wirken von Pfarrer Zemp war geprägt von hohem Verantwortungsbewusstsein und von echter Liebe zu allen ihm Anvertrauten. Niemand war ihm weniger wichtig. Der stille Einsatz war für ihn wichtiger als hohe Programme und erstklassige Organisation. Der Kontakt zu den Familien und die Betreuung der Kranken lag ihm besonders am Herzen.
In seine Amtszeit fiel auch die Aussen- und Innenrenovation der Pfarrkirche und der Bau des Pfarreiheimes. Beides verlangte von ihm viel Kraft und Einsatz. Es zehrte stark an seinen Kräften. Man begreift, wenn er sich nach 21 Pfarramtsjahren nach einem etwas leichteren Posten umsah. Da wurde Knutwil zur Neubesetzung ausgeschrieben. Pfarrer Zemp meldete sich und es klappte. Am 24. August 1975 erfolgte die Pfarrinstallation bei strömendem Regen, aber bei froher freudiger Stimmung. Wieder wartete auf ihn viel Arbeit, wieder war eine Kirchenrenovation fällig. Bei alldem blühte Pfarrer Zemp noch einmal auf. 13 Jahre lang schenkte er seine Kraft der Pfarrei Knutwil.
Mit 72 Jahren entschloss er sich, in den Ruhestand zu treten, um dort seine älteren Jahre zu verleben, wo er seine grösste Kraft investiert hatte, in Dagmersellen. Auch hier übernahm er gerne kleinere Aufgaben.
Am Lebensbild von Kaplan Zemp würde sehr viel fehlen, wenn nicht erwähnt würde: seine Freude am Reisen. Nord Kap bis Johannesburg war die geographische Spanne, Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Nordamerika. Dabei kam ihm seine Sprachbegabung sehr zu nutze. Überall konnte er sich leicht verständigen, manchmal auch mit den Händen. Überall fand er leicht Kontakt, und überall suchte er die Kunstwerke auf. Er liebte die Kultur. Auch seine Geige dürfen wir nicht unerwähnt lassen. Oft kann man seine inneren Gefühle am besten mit diesen Saiten zum Ausdruck bringen. Er liebte auch die Belletristik. Auch stille Dichter, wie Federer und Gotthelf, waren ihm lieb.
Zum Schluss sei erwähnt, dass Johanna Schwegler, seine Haushälterin, sehr viel für das leibliche Wohl von Kaplan Zemp beigetragen hat. Max Zemp hat sich gern und willig ihrer Obsorge anvertraut. Ihr sei dafür besonders gedankt. Kaplan Max Zemp aber danken wir übers Grab hinaus für seinen aufopfernden Einsatz, für seine Liebe und Güte und für seine Herzlichkeit. Er ruhe im Frieden!

Paul Zemp


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1998