SKZ 33-34/1998

INHALT

Die andere Sicht

Jugendtreffen

von Roger Häfner-Neubauer

 

Sehr geehrter P. Dr. Roland Trauffer

Aus der SKZ 31­32/1998 entnehme ich, dass Sie an die Jugendseelsorgestellen in der Deutschschweiz einen Brief geschrieben haben. Deshalb wähle ich für eine briefliche Antwort ebenfalls den Weg über die SKZ.
Es sind drei Wochen vergangen, seit ich mit Jugendbischof Martin Gächter ein Gespräch bezüglich der verschiedenen Treffen auf Bistums-, nationaler und internationaler Ebene geführt habe. Dabei haben wir eine Aussprache mit den Bundesleitern und Bundesleiterinnen von BR, JW und VKP sowie den Verantwortlichen der Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit und dem Vorstand des Vereins deutsch-schweizerischer Jugendseelsorger und -seelsorgerinnen vereinbart. Ziel dieses Gespräches ist es, an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins deutsch-schweizerischer Jugendseelsorger und -seelsorgerinnen vom 24. November diese Treffen zu thematisieren. Mein Anliegen ist es, dort im Sinne eines Hearings die verschiedenen Erfahrungen und Einschätzungen bezüglich kirchlicher Jugendarbeit von heute und solcher überregionaler Treffen auszutauschen.
Der Hintergrund für ein solches Hearing liegt in einer Spannung, die wir Jugendseelsorgestellen erleben. Einerseits kommt von bischöflicher Seite ein grosser Elan, Treffen auf grösserer Ebene zu organisieren. Diese Form von Jugendarbeit trifft bei einigen Jugendlichen auf Interesse. Andererseits nehmen wir tagtäglich die Situation kirchlicher Jugendarbeit in unserer Region/unserem Kanton wahr. Hier stellen wir fest, dass, abgesehen von den Kinder- und Jugendverbänden, die verbindliche Jugendarbeit im kirchlichen Umfeld praktisch nicht mehr besteht. Unsere volle Aufmerksamkeit gilt demnach der Unterstützung der Jugendverantwortlichen in den Pfarreien. Es geht primär darum, projektbezogen mit Jugendlichen in Beziehung zu treten. Dies ist zuerst einmal diakonische Arbeit als «Zeugnis ohne Worte», bei der mit Jugendlichen jenes Leben geteilt und reflektiert werden soll, das sie im Alltag erleben. Zugleich wird für und mit interessierten Jugendlichen liturgisches Leben gepflegt und konkretes Engagement gefördert. Unser Hauptaugenmerk als kantonale Stelle liegt bei der Unterstützung und dem Aufbau pfarreilicher Jugendarbeit.
Wenn Sie uns nun auffordern, intensiver für das Treffen vom 12./13. September auf dem Monte Tamaro zu werben, teilen Sie uns mit, dass wir für dieses Treffen zuwenig tun. Damit beurteilen Sie auch unsere Arbeit und schaffen eine Stimmung, die für uns nicht förderlich ist. Im Gespräch mit Jugendbischof Martin Gächter und einem Hearing im November wollen wir das von mir beschriebene Spannungsfeld genauer und breiter wahrnehmen. Heute geht es mir darum, Ihnen zu bedenken zu geben, dass eine tiefe Beteiligung am Treffen auf dem Monte Tamaro von Jugendlichen aus der Deutschschweiz nicht dem schlechten Willen der Jugendseelsorgestellen zuzuschreiben ist, sondern viel komplexere Gründe hat. Einen Sündenbock gibt es dafür nicht! Wir engagieren uns gewissenhaft für eine lebendige kirchliche Jugendarbeit. Wir sind daher auch froh, wenn dies als solches wahrgenommen wird! Danke.

Am Wochenende vom 12./13. September findet in Bern anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums das grosse Jugendfest statt. Ein Datum, das ebenfalls Aufmerksamkeit verdient!

 

Roger Häfner-Neubauer von der JUSESO Thurgau ist Präsident des Vereins deutsch-schweizerischer Jugendseelsorger und -seelsorgerinnen.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1998