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Neue Bücher |
Zum Beginn des neuen Kirchenjahres werden wieder eine ganze Serie neuer
Predigtbücher und begleitende Texte für den Gottesdienst angeboten.
Mit dem Band «Nähe Gottes feiern»<1>
setzt Dieter Emeis seine mit dem Lesejahr C begonnene Predigtsammlung für
das kommende Kirchenjahr fort. Seine Predigten stehen betont im Zusammenhang
mit den Texten der eucharistischen Sonntagsfeier. Die Homilie soll nicht
irgendeine Predigt sein, sie steht im Rahmen des Gottesdienstes und soll
die jeweilige Liturgiefeier unterstützen. Das heisst aber keineswegs,
dass die Predigten von Dieter Emeis erhaben und problemfern sind. Sie zeigen
vielmehr, wie die Befindlichkeiten der Menschen im Beten und Feiern der
Gemeinde aufgehoben sind und von dort Ordnung und Richtung finden.
Der Kölner Psychiatrieseelsorger Michael Wolff schliesst mit seinem
Band «Jesus Das Urbild des Menschen»<2>
den dreibändigen Zyklus seiner Jesus-Predigten (Jesus Das Wort
des Unaussprechlichen. Lesejahr B; Jesus Das Ebenbild des Unsichtbaren.
Lesejahr C). Michael Wolffs homiletischer Weg geht die entgegengesetzte
Richtung des Professors für Pastoraltheologie Dieter Emeis nicht
deduktiv, sondern induktiv. Er geht vom Menschen aus, vom problembeladenen
Dulder und dem mit dem Alltagstrott belasteten Kämpfer. Michael Wolff
hat auch die Gabe einer ansprechenden, volksnahen Diktion ohne alle literarischen
Ambitionen. Doch Michael Wolff nimmt sein Verkünderamt und das Wort
Gottes ernst. Doch muss sein «köllscher Jargon» wohl behutsam
der Innerschweizer Seele angepasst werden.
In diesem Umfeld darf auch auf die Predigtzeitschrift «Gottes Wort
im Kirchenjahr 1999» hingewiesen werden.<3>
Das Angebot dieser schon über fünfzigjährigen Dienstleistung
wird immer reichhaltiger. Stark erweitert wurde das Angebot an Kurzpredigten,
wobei aber der bisherige Standard von zwei Hauptpredigten (a. thematisch,
b. Exegese des Evangeliums) beibehalten wurde. Sie werden noch ergänzt
durch eine Kinderpredigt. Nun stehen zusätzlich pro Sonntag gewöhnlich
noch zwei Kurzpredigten zur Auswahl. Es gibt überdies im ersten Teilband
(von dreien) eine dreiteilige Predigtreihe zur Vorbereitung auf das Heilige
Jahr 2000 «Gott als Vater»; eine fünfteilige Reihe Fastenpredigten
mit dem Thema «Jeremia»; drei Predigten zu den Hochgebeten.
Auf die einführenden Worte und Fürbitten wurde erneut grosse Sorgfalt
verwendet. Das «Unternehmen» «Gottes Wort im Kirchenjahr»
verfügt über einen grossen Mitarbeiterstab erfahrener Verkünder
der Frohbotschaft.
Eine neue Predigtreihe präsentiert der Pallotiner Peter Hinsen. Er
ist Dozent am Pastoraltheologischen Institut der Pallotiner in Friedberg
(Deutschland) und Chefredaktor der Zeitschrift «Katholisches Apostolat».
Seine gesammelten Predigten und Fürbitten für die Sonntage und
Hochfeste im Lesejahr A tragen den programmatischen Titel «Vom Wort
Gottes leben».<4> Dem Autor geht
es darum, die biblischen Texte mit dem Leben der Gottesdienstteilnehmer
in Beziehung zu setzen und so die Bibel lebendig werden zu lassen. Hinsen
sucht zwischen Wort Gottes und hörender Gemeinde einen Dialog aufzubauen.
Dieser Dialog ist direkt und lebensnah. Der Prediger ist Gesprächspartner
und nicht erhabener Dozent.
In unserer priesterarmen Zeit müssen immer mehr Gemeinden am Sonntag
Wortgottesdienste ohne Eucharistiefeier durchführen. Da ist der Dienst
der Laien nicht mehr wegzudenken wenn er auch nicht bloss auf diese
Notsituation eingeschränkt werden sollte. Die Gottesdienste ohne Eucharistiefeier
sollten auch Impulse zur Aktivität für die ganze Gemeinde geben.
Bernhard Hopf, selber Pastoralreferent in der Diözese Würzburg,
hat mit zirka 30 Autorinnen und Autoren Vorschläge für die Gestaltung
solcher Gottesdienste an Sonntagen und Hochfesten gesammelt.<5>
Diese Materialien für den Gottesdienst enthalten Einleitungen, Kyrie-Bitten,
eine gute auf die Praxis des Alltags ausgerichtete Predigt, Fürbitten,
Anregungen zum Einbau von Symbolhandlungen und Begleitworte in die Woche.
Udo Körner, selber in der Wortverkündung aktiv und engagiert,
präsentiert eine Reihe von Predigten für besondere Anlässe
(Festtage, Marienfeste, Ferienbeginn, Erntedank, Silvester, Primiz).<6> Der Autor legt in seiner Predigttätigkeit
grossen Wert auf die Kunst des gesprochenen Wortes mit seiner eigenen Stilistik.
Predigt darf wie er sich äussert nicht Aufsatz oder Essay
sein. Wichtig ist die Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit des
Redners.
Christiane Bundschuh-Schramm und Gertrud Casel geben einen Sammelband heraus
unter dem Titel «Frauen predigen».<7>
Das Gemeinsame an diesen annähernd 40 Predigten ist die Autorschaft
von Frauen, was keinen Mann davon abhalten sollte, dieses Buch in die Hand
zu nehmen. Diese Frauen behandeln Themen, die Frauen bewegen, aber eben
nicht nur Frauen. Erziehung, Liebe, Alter usw. Zwei weitere Themengruppen
sind Frauengestalten (Maria, Elisabeth von Thüringen, Edith Stein,
Madeleine Delbrêl usw.) gewidmet. Der dritte sehr ansprechende Themenkomplex
behandelt die Frau in der Bibel. In der Einleitung behandeln die zwei katholischen
Herausgeberinnen sehr subtil grundsätzliche Erwägungen zur Predigt
von Frauen.
Eine Chance für den Prediger, der von Erzählungen und packenden
Beispielen ausgehen möchte, ist die umfangreiche Sammlung meditativer
Texte des Dominikaners Rudolf Stertenbrink «In Bildern und Beispielen».<8> Die vier Taschenbücher sind zum
Bersten voll von Kurzerzählungen und zum Teil auch gereimten Auszügen
aus dem Bereich der schönen Literatur. Der Schwerpunkt liegt auf der
Literatur unseres Jahrhunderts, besonders der entschwundenen Epoche, wo
Claudel, Bergengruen, Lefort usw. ihre hohe Konjunktur hatten. Die einzelnen
Kapitel sind dreistufig aufgebaut. Zuerst steht der vollumfängliche
Auszug aus dem poetischen Werk, meist etwa eine knappe Seite. Dann folgt
die eingehende, wie immer bei Stertenbrink originelle und anregende geistliche
Interpretation. Das Kapitel schliesst mit der einschlägigen Schriftlesung.
Das Werk ist so anregend und ideenreich, dass man es mit Vorteil zuerst
als Privatlektüre benutzt. Dann ergeben sich bei der Überlegung
für einen bestimmten Predigtanlass die Assoziationen wie von selbst.
Ein Buch über die Reich-Gottes-Gleichnisse des Neuen Testamentes enthält
ebenfalls keine Predigten, aber wertvolle Zuarbeit zur Predigtvorbereitung.
Es ist das von Johannes Hasselborn edierte Buch «Du bis eingeladen».
Hier werden die Gleichnisse in vollem Text wiedergegeben. Jedes Gleichnis
ist mit einer kurzen prägnanten und kompetenten Interpretation bedacht.
Der Kreis der Interpreten ist ökumenisch weit und viel Prominenz hat
sich als Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Auch dieses Buch kann
eine angenehme, private geistliche Lesung sein.<9>
Bemerkenswert ist eine Publikation aus dem Schwabenverlag: Anton Seeberger,
«Erzählt euren Kindern davon».<10>
Der Herausgeber propagiert, dass die Kinder wieder in den Gemeindegottesdienst
integriert werden. Dazu gehört, dass einzelne Teile der Eucharistiefeier
speziell kindergerecht dargeboten werden und in den anderen Teilen des Erwachsenengottesdienstes
mit abstrakter und begrifflicher Rede behutsam umgegangen wird. Diese Ideen
scheint mir für eine frühe Integration Jugendlicher in die Pfarrgemeinde
wichtig. Die Materialien dieser Publikation sind reich an anschaulichen,
kindergerechten Gestaltungselementen, die auch für Erwachsene anregend
oder zum mindesten erträglich sind, zumal das Kind im Mann sich gerne
regt.
Ein Handbuch aus dem Pustet Verlag gibt Gestaltungshilfen für die Liturgie
der Sonntage in der Advents- und Weihnachtszeit. Die Texte zeichnen sich
aus durch knappe, dichte Formulierungen. Die Fürbitten sind vornehm
zurückhaltend und doch in der Thematik aktuell und konkret aber
alles ohne Moralin. Geboten werden Einführung, Kyrie-Ruf, Tagesgebet
in neuzeitlich aktueller Übersetzung, Fürbitten, Kommunionmeditation
und Schlussgebet.<11>
Hubert Hohmann gibt Einführungsworte und Fürbitten für die
Werktage des Kirchenjahres heraus. Er ist von der Erfahrung angetrieben,
dass die frommen Gottesdienstbesucher der Werktagsmessen kaum persönlich
angesprochen werden und als Folge davon den Kopf gewöhnlich anderswo
haben. Er gibt für diesen Missstand der bereits abgewetzten und abgenutzten
Liturgiesprache schuld, wie sie seit dem Zweiten Vatikanum en vogue ist.
Hohmann hat für eine gute und saubere Formulierung mit Problemnähe
grosse Mühe aufgewendet. Das Ergebnis verdient alles Lob. Zur Umerziehung
einer in traditioneller Frömmigkeit erstarrten Werktagsgemeinde wird
es allerdings noch mehr brauchen als schöne Worte.<12>
1 Dieter Emeis, Gottes Nähe feiern. Predigten für die Sonntage im Lesejahr A, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1998, 200 Seiten.
2 Michael Wolff, Jesus. Das Urbild des Menschen. Predigten zum Lesejahr A. Erfrischende und originelle Gedanken zum Sonntagsevangelium, Echter Verlag, Würzburg 1998, 150 Seiten.
3 Rainer Rack OMI (Hrsg.), Gottes Wort im Kirchenjahr 1999, jährlich drei Bände, Echter Verlag, Würzburg.
4 Peter Hinsen, Vom Wort Gottes leben. Predigten und Fürbitten für die Sonntage und Hochfeste im Lesejahr A, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1998, 197 Seiten.
5 Bernhard Hopf (Hrsg.), Wortgottesdienste für die Sonntage und Hochfeste im Lesejahr A, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1998, 295 Seiten.
6 Udo Körner, Nicht zu vergessen... Predigten zu aussergewöhnlichen Fest- und Gedenktagen, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1998, 156 Seiten.
7 Christiane Bundschuh-Schramm und Gertrud Casel (Hrsg.), Frauenpredigten, Schwabenverlag, Ostfildern, und Klens Verlag, Düsseldorf, 1998, 210 Seiten.
8 Rudolf Stertenbrink, In Bildern und Beispielen. Exemplarische Texte zur Besinnung und Verkündigung in vier Bänden, (Taschenbuchausgabe), Herder Verlag, Freiburg i.Br. 1998.
9 Johannes Hasselborn (Hrsg.), Du bist eingeladen. Alle Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes, Kreuz Verlag und Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1998, 160 Seiten.
10 Anton Seeberger (Hrsg.), Erzählt euren Kindern davon. Kinder im Gemeindegottesdienst. Lesejahr A, Schwabenverlag, Ostfildern 1998, 280 Seiten.
11 Werner Eizinger, Wortgottesdienste. Modelle für die Sonn- und Festtage der Advents- und Weihnachtszeit A, B, C. Reihe Konkrete Liturgie, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1998, 94 Seiten.
12 Hubert Hohmann, Fürbitten für alle Werktage des Kirchenjahres mit Einführungsworten. Band 1: Advent bis Aschermittwoch, Echter Verlag, Würzburg 1998, 112 Seiten.
Josef Imbach, War Licht? Ward Rettung? Besinnliche Gedanken zur Weihnachtszeit. Mit Vignetten von Alfred Pohl, Echter Verlag, Würzburg 1998, 94 Seiten.
Für Menschen, die an Weihnachten mit süssen und sentimentalen Geschichten Mühe haben, kann dieses entspannend geschriebene Buch eine Alternative sein. Josef Imbach plaudert kenntnisreich über weihnächtliche Dinge, wie etwa über das Lied von Friedrich Spee «O, Heiland reiss die Himmel auf». Er zeigt, wie der Kämpfer gegen den Hexenwahn ein solches Lied empfunden haben mag. Josef Imbach breitet in einer Plauderei Ansichten über Engel aus. Er plaudert über den lieben Krippenesel usw. Das Buch steckt voll Überraschungen wie eine Weihnachtsbescherung unter dem Christbaum. Und überall steckt, wie es sich für Weihnachtsgeschenke gehört, eine ernste aber nicht tierisch ernst vorgetragene Lektion für Christen und das Christentum von heute drin.
Horst Fuhrmann, Die Päpste. Von Petrus zu Johannes Paul II., Verlag C.H. Beck, München 1998.
Wenn Horst Fuhrmann Geschichte «erzählt», dann folgt man ihm mit höchstem Interesse. Da werden nicht dürre Zahlen aneinandergereiht und Fakten umherjongliert, da entsteht Leben, vitales Leben. Er hat das bewiesen mit Büchern wie «Einladung ins Mittelalter» oder «Überall ist Mittelalter», er beweist das erneut mit seinem Buch «Die Päpste. Von Petrus zu Johannes Paul II.». Man darf dabei nicht ein erschöpfendes Nachschlagewerk über das Papsttum erwarten. Fuhrmann wählt aus; aber die ausgewählten Episoden und nicht zu vergessen die (schwarz-weissen) Bilder, erhellen blitzartig die Persönlichkeit eines Papstes und seine Bedeutung für Kirche und Gesellschaft. Fuhrmann ist zudem ein weit über den deutschen Sprachraum hinaus bekannter und anerkannter Mediävist, der lange Jahre Präsident der «Monumenta Germaniae Historica» war und 1997 als Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zurückgetreten ist also ein Kenner des Faches. Nicht alle seine Urteile besonders über die neueste Epoche der Papstgeschichte braucht man anzunehmen. Doch die Art, wie Fuhrmann durch eine fast 2000jährige Geschichte führt, wo oft «durchaus despotische Züge» greifbar werden, aber auch der immer wieder erneute Versuch, einen göttlichen Auftrag in den Wirrnissen der Zeit zu erfüllen, ist faszinierend.
Agostino Paravicini Bagliani, Der Leib des Papstes. Eine Theologie der Hinfälligkeit. Aus dem Italienischen übersetzt von Ansgar Wildermann, Verlag C. H. Beck, München 1997.
Kaum ein Buch zur mittelalterlichen Kirchengeschichte hat in den letzten
Jahren sofort nach seinem Erscheinen (1994 in italienischer Sprache) so
begeisterte Echos hervorgerufen wie das Buch von Agostino Paravicini Bagliani
«Der Leib des Papstes. Eine Theologie der Hinfälligkeit».
Jacques Le Goff sprach von einem «Meisterwerk der historischen Anthropologie»,
Georges Duby von einem «grossartigen Buch», und Horst Fuhrmann,
selbst Verfasser einer Papstgeschichte, erklärte: «Papstgeschichten
gibt es ohne Zahl, aber Paravicini Baglianis Buch ist einmalig.»
Diesen Urteilen kann man sich uneingeschränkt anschliessen, besonders
in einer Zeit, wo die Gefahr des «Papalismus» in einzelnen Kreisen
erneut greifbar wird. Seit dem 11. Jahrhundert ist sich die Kirche der Spannung
bewusst geworden, dass das Papsttum seinem Anspruch zwar ewig ist, der einzelne
Papst aber sterben muss. Diese Spannung zwischen der leiblichen Hinfälligkeit
des Papstes und der Ewigkeit der Institution findet ihren Niederschlag in
zahlreichen theologischen und medizinischen Schriften, in bildlichen Darstellungen
und einem reich ausgestatteten Zeremoniell; viele Riten und Zeremonien,
die den Papst an seine Sterblichkeit erinnern sollen, sind heute noch in
Kraft.
Agostino Paravicini Bagliani, seit 1981 Professor für mittelalterliche
Geschichte an der Universität Lausanne, ist für diese Darstellung
von seiner wissenschaftlichen Laufbahn her bestens geeignet. Nach seinen
Studien an der Universität Freiburg in der Schweiz, wo er doktorierte
und sich habilitierte, war er von 1969 bis 1981 Skriptor in der Vatikanischen
Bibliothek in Rom und kennt darum die Quellen zu diesem Thema aus seiner
Tätigkeit im Vatikan. Nicht erst im 20. Jahrhundert, wo die Medien
uns tagtäglich Bilder über die Hinfälligkeit des Menschen
Karol Wojtyla in die Stuben bringen, machen sich die Menschen Gedanken über
die Sterblichkeit des Papstes, sondern bereits im Mittelalter, das hat Paravicini
Bagliani hervorragend herausgearbeitet. Bezeichnend dafür, dass am
Hof des Papstes seit dem 13. Jahrhundert ein lebhaftes Interesse an der
Medizin und den Naturwissenschaften bestand mit der Hoffnung auf eine
mögliche Lebensverlängerung des irdischen Lebens des Papstes.
Ansgar Wildermann, seinerzeit Kommilitone von Paravicini Bagliani bei Professor
Heinrich Schmidiger in Freiburg, hat das Buch ausgezeichnet übersetzt.
Joachim Wollasch, Cluny «Licht der Welt». Aufstieg und Niedergang der klösterlichen Gemeinschaft, Artemis & Winkler Verlag, Zürich und Düsseldorf 1996, 384 Seiten mit 17 Abbildungen.
Joachim Wollasch ist heute emeritierter Professor für mittelalterliche
Geschichte der Universität Münster. Sein Band über Cluny
dürfte die Summe seiner Forschungen und sein Lebenswerk überhaupt
darstellen. Der führende Cluny-Spezialist schildert nach einer mit
beispielhafter Akribie über Jahre ausgedehnten historischen Forschungsarbeit
die Geschichte der berühmten Benediktinerabtei und ihrer Stellung im
europäischen Abendland. Mit grosser Liebe zum Detail wird die cluniazensische
Klosterwelt rekonstruiert. Das betrifft nicht nur die Mönchsgemeinschaft
am Standort Cluny, sondern auch die vielen hundert affilierten Abteien und
Priorate. Dieser Umstand führt zu einer Fülle von Problemen und
Dependenzen. Das führte dazu, dass man vor einer umfassenden Cluny-Forschung
zurückschreckte.
Wollasch hat diese Last mutig auf sich genommen und durchgehalten. Da ist
es nicht zu verwundern, dass die Lektüre sich am Anfang etwas mühsam
präsentiert. Aber sobald diese über ganz Europa verstreute Vielfalt
einmal erschlossen ist, gewinnt die Darstellung an Prägnanz und weitet
sich zu einem umfassenden Geschichtsbild. Dies ist auch deshalb möglich,
weil die europäische Staaten- und Kirchengeschichte immer im Blickfeld
bleibt. Mit derselben Sorgfalt, mit der Wollasch Clunys Entstehung und Blütezeit
im 11. und 12. Jahrhundert rekonstruiert, geht er auch den Umständen
und Gründen des Niedergangs im 13. Jahrhundert nach, wo grosse wirtschaftliche
Probleme und innere Spaltungen die Bewegung schwächten und die neuen
Reformorden, vor allem die Zisterzienser, das Prestige der Cluniazenser
in den Schatten stellten.
Heinrich Rennings, Gottesdienst im Geist des Konzils. Pastoralliturgische Beiträge zur Literaturreform. In Verbindung mit dem Deutschen Liturgischen Institut herausgegeben von Martin Klöckener, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 1995, 315 Seiten.
Heinrich Rennings (Ý 1994) war ein führender Liturgiewissenschaftler der nachkonziliaren Zeit als Mitarbeiter des Liturgischen Instituts von Trier 19651974 und von 19751985 als Professor seines Fachgebietes an der Theologischen Fakultät in Paderborn und dann bis zu seinem plötzlichen Tod als Direktor des Liturgischen Instituts in Trier. In diesen Funktionen hat er die Umsetzung der Liturgiekonstitution im deutschen Sprachraum wesentlich mitgeprägt, besonders durch seinen Einsitz in massgeblichen Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz und der römischen Gottesdienstkongregation. In der Zeit seiner engagierten Tätigkeit sind etwa 400 Publikationen (meist Zeitschriftenartikel, Gutachten und Vortragstexte) entstanden. Aus dieser noch weitgehend brachliegenden und weit zerstreuten Fülle hat der ehemalige Renningsschüler Martin Klöckener eine Reihe markanter Artikel zur Publikation in diesem Band ausgewählt. Sie geben einen repräsentativen Überblick über die Anliegen und das Denken des führenden Liturgikers. Zugleich lässt der Band mit kompetenter Begleitung nachkonziliäre Liturgiegeschichte überblicken. Er wird so zu einem authentischen Zeugnis für diesen wichtigen Erneuerungsprozess. Nicht zu unterschätzen ist die praktische Bedeutung. Heinrich Rennings hat Liturgie nie distanziert behandelt, sie war für ihn immer ein pastorelles Anliegen.
Monika Burkard, Dorothee Knoblauch (Hrsg.), Jetzt kommen wir! 25 Krabbelgottesdienste mit Liedanhang, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1996, 135 Seiten.
Krabbelgottesdienste sind Gottesdienste mit Kindern bis zu sechs Jahren. Aus dem Anliegen heraus, bereits kleinen Kindern Freude am Glauben und an Gottesdienst und Kirche zu vermitteln, werden sie seit einiger Zeit von Elterngruppen organisiert. Dazu braucht es für diese Kleinen auch die Umgebung älterer Kinder und Erwachsener. So lernen sie miteinander beten und singen und feiern. Die vorliegende Publikation bietet 25 Muster für Gottesdienste mit Kleinkindern. Sie sind aus der Erfahrung entstanden und tragen auch den Konzentrationsschwierigkeiten dieser Kleinen Rechnung.