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Handbuch der Marienkunde, Band I: Theologische Grundlegung Geistliches Leben. Herausgegeben von Wolfgang Beinert und Heinrich Petri. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1996, 693 Seiten.
Dieses Werk stellt in fast vollständiger Überarbeitung und
auch mit ergänzenden neuen Kapiteln die Neuausgabe des 1984 erschienenen
Handbuchs der Marienkunde dar. Die Neubearbeitung ist so umfassend, dass
die neue Marienkunde nun in zwei voluminösen Bänden erscheint.
Der erste liegt hier vor, der zweite ist eben erschienen. Das brachte natürlich
auch eine thematische Abgrenzung mit sich. Der erste Band bietet die theologische
Grundlegung und ihre Auswirkung im geistlichen Leben (Liturgie, marianische
Gebetsformen wie Rosenkranz, Weihegebet usw.). Dazu kommt eine eigene Abhandlung
über die marianische Spiritualität in bestimmten religiösen
Gruppierungen.
Der zweite Band behandelt die angewandte Marienverehrung in Wallfahrten,
Marienerscheinungen, Brauchtum usw.
Schon der erste Band trägt eine Fülle von Informationen zusammen,
die sonst überall zerstreut herumliegen. Der Band enthält auch
im Vergleich zur Auflage 1984 neue Aspekte, die inzwischen brisante Aktualität
erlangt haben, wie: «Maria in der feministischen Theologie»
(Regina Radlbeck-Ossmann) oder «Maria in der Theologie der Befreiung»
(G. Cottet). Andere Artikel der ersten Auflage werden wesentlich erweitert
und ergänzt, zum Teil durch nachrückende Autoren.
Das Handbuch der Marienkunde ist durch die Neubearbeitung zu einem unentbehrlichen
Standardwerk geworden, wobei die leichte, flüssige Lesbarkeit eigens
erwähnt werden darf. Das Werk ist nicht nur für den Einsatz in
Universitätsbibliotheken konzipiert, es steht für Seelsorger und
religiös engagierte Laien problemlos bereit.
Joachim F. Angerer (Text), Lois Lammerhuber (Fotografien), Mensch Mönch. Leben im Kloster, Tyrolia Verlag, Innsbruck 1995,207 Seiten.
Der Autor dieses repräsentativen Geschenkbandes, Joachim F. Angerer,
ist Abt des österreichischen Prämonstratenserstiftes Geras. Mit
seiner vielseitigen Kompetenz dürfte er einmalig sein: Dr. theol.,
Dr. phil., Universitätsprofessor für Musikwissenschaften, Ökonom,
Geschäftsführer, Organisator gehobener Freizeitgestaltung. Er
hat sich vor Jahren mit seinem Bildband «Klösterreich»,
einem Bestseller, einen Namen als Buchautor geschaffen. Für seinen
neuen, wiederum klösterlichen Bildband hat er sich einen Bildredaktor
der renommierten Zeitschrift GEO verpflichtet, einen anerkannten und vielfach
ausgezeichneten Meisterfotografen. Von seinen Bildern kann man nur sagen:
«Sie sind unbeschreiblich schön.» Der Fotograf Lois Lammerhuber
hat auch ein eigenes Gespür in der Wahl der Sujets und der gelebten
klösterlichen Szenen. Da ist selten etwas gestellt und gezwungen dargestellt,
und wenn es doch vorkommt, dann ist die Pose gewollte Charakterisierung.
Im begleitenden Text stellt sich der unglaublich vielseitige Prälat
von Geras auf die Seite von Touristen, die ohne jede Vorbereitung durch
die Bibliotheken und Kaisersäle österreichischer Stifte geschleppt
werden. Weil man da, wie der Abt wohl aus eigener Erfahrung weiss, nichts,
aber auch gar nichts voraussetzen kann, wirkt der für einfache Gemüter
verfasste Text penetrant belehrend. Die sprudelnd chaotische Schwatzhaftigkeit
trifft kaum den Geschmack der ehrlich interessierten Leser. Aber sie werden
es sei nochmals betont durch Lammerhubers Bilder reich entschädigt.
Wer nicht besonders geschichtskundig ist, staunt über den Band 65 der Reihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik», denn er ist unter dem Titel «Mönche als Pioniere» den Zisterziensern im Mittelalter gewidmet. Der Verfasser Ernst Tremp, der an der Universität Freiburg i.Ü. tätige Mediävist, bürgt für die wissenschaftliche Zuverlässigkeit. <1> Einleitend skizziert er den religiösen Aufbruch und den wirtschaftlichen Aufschwung im Hochmittelalter und in diesem Rahmen die Entstehung des Zisterzienserordens und seine Verbreitung in der (heutigen) Schweiz. Im Hauptteil stellt er die Standortwahl, den Bau und Ausbau dar, sodann Gütererwerb und Wirtschaftsführung, hierbei besonders die Tüchtigkeit der Laienbrüder (Bauernsöhne, die im Kloster ihre Talente entfalten konnten), darum auch eine innovative landwirtschaftliche Produktion mit Nebengewerbe (Handwerk und technische Einrichtungen) bis zu Bauwesen, Bergbau und exakten Wissenschaften. Kloster, Markt und Stadt: Der Schritt der Zisterzienser in die städtische Wirtschaft sowie der Wirtschaftswandel im Spätmittelalter führen dann verschiedentlich zu Niedergang. Beschlossen wird der geschichtliche Durchblick mit einem Ausblick auf die Neuzeit. Eine Zeittafel, ein kommentiertes Verzeichnis der aufgehobenen und noch bestehenden Zisterzienser- und Zisterzienserinnenklöster sowie eine Bibliographie runden die reich illustrierte Darstellung ab. Im Band selber kommen die Zisterzienserinnen nur am Rande vor, weil sie mit ihrer strengen Klausur nicht die Voraussetzungen zu Pionierleistungen in Wirtschaft und Technik hatten.
1 Ernst Tremp, Mönche als Pioniere. Die Zisterzienser im Mittelalter, Verein für wirtschaftshistorische Studien, (Weidächerstrasse 66, 8706 Meilen), 1997, 76 Seiten mit Abbildungen und Karten.