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Berichte |
UFO, Apokalyptik, Weltuntergangsstimmung: Mit diesem Themenkreis befasste sich die Studientagung der Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen der deutschen Bistümer, an der auch Gäste aus Österreich und vor allem auch aus der Schweiz teilnahmen, fand die Tagung dieses Jahr doch im Bildungszentrum Neu-Schönstatt in Quarten statt. An einem Abend konnte deshalb die von der Schweizer Bischofskonferenz errichtete und von Joachim Müller geleitete Katholische Arbeitsstelle «Neue Religiöse Bewegungen» auswärts zu Tisch bitten.
Auch für die ersten beiden Fachreferate konnten Schweizer gewonnen
werden. Zunächst trug Dieter Streuli, wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Psychologischen Institut der Universität Zürich, sozialpsychologische
Reflexionen zum UFO-Phänomen vor. Dabei strukturierte er zum einen
die komplexen Phänomene im Umkreis dessen, was seit der Sichtung von
neun nichtidentifizierten fliegenden Objekten durch Kenneth Arnold am 24.
Juni 1947 UFO heisst. So sind beispielsweise die UFO-Begegnungen nicht gleichsinnig:
die einen sind sehnsüchtig-erwartungsvoll («hysterisch»),
die andern grüblerisch-forschend («zwangshaft») und wieder
andere traumatisch.
Zum andern diskutierte Dieter Streuli die dazu bekannten Erklärungen
und Hypothesen, wobei er die von ihm vertretene psychosoziale Hypothese
eingehender dar-legte; dabei schloss er allerdings nicht aus, dass manche
Phänomene sich später einmal als militärische Experimente
erweisen könnten. Seine Hypothese erklärt das UFO-Phänomen
als Mythos, das heisst als «eine Geschichte zwischen Kollektiv und
Subjekt, in welcher das Subjekt/das Kollektiv kosmische und existentielle
Faktoren seines Lebens konfrontiert und verarbeitet». Der Mythos stellt
sehr wohl die Frage der Realität, beantwortet sie dann aber meist einseitig
oder dualistisch.
Bemerkenswert ist, dass sich neuerdings selbst die Hare-Krishna-Bewegung
des UFO-Mythos bedient, indem sie die «Vimanas» der Veden zu
Flugwagen im alten Indien erklärt. Um apokalyptische Vorstellungen
im alten Indien und in den sich darauf berufenden Gurubewegungen ging es
im anschliessenden Referat von Joachim Finger, Religionswissenschaftler,
Pfarrer im Schaffhausischen und Sekretär der Ökumenischen Arbeitsgruppe
«Neue religiöse Bewegungen in der Schweiz». Wohl ist die
indische Zeitrechnung zyklisch und sind die grossen Zeiträume unvorstellbar
kosmisch, so dass «alles schon einmal da war»; die kurzen Zeiträume
indes können dennoch linear gedacht werden. So ist das gegenwärtige
hinduistische Zeitalter das Eiserne (Kali Yuga) und es dauert noch lange;
und dennoch kann für das moderne indische Denken die Qualität
dieser Zeit verbessert werden: Innerhalb der Devolution im Grossen ist eine
Evolution im Kleinen möglich. Die Transzendentale Meditation beispielsweise
verspricht als Methode eine evolutionäre Entwicklung zum Besseren,
mit ihrer «Weltregierung» gar eine weltweite soziale Verbesserung.
Anderseits erwarten die Brahma Kumaris eine Katastrophe, die sie als die
gerettete Gemeinde überleben werden. Die komplexe indische Religiosität
wird in dieser Bewegung so vereinfacht, dass Joachim Finger sie als indische
Mittelklasse-Religiosität einstuft. Gleichzeitig knüpfen die Brahma
Kumaris in ihrer Werbung im Westen so an Bestehendes an, an die westliche
Ikonographie beispielsweise, dass sie als die Bewegung gelten können,
der die Verbindung von Indischem und Westlichem am besten gelungen ist.
Ob die apokalyptische Ausrichtung eine suizidale Gefährdung der Gruppe
impliziert, bezweifelt Joachim Finger; Splittergruppen hingegen könnten
sehr wohl versucht sein, die erwartete Katastrophe selber herbeizuführen.
In eine eigene Welt führte der Diplomtheologe Ulrich Hoffmann, freier
Mitarbeiter der Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen des Bistums
Augsburg mit Schwerpunkt «Gruppen am Rande der Kirche» mit seinem
Referat «Engelwerk und Kabbalistik» ein. Die Qabbala erschien
im 12. Jahrhundert als esoterische Theosophie, Anthroposophie und Historiosophie
und wurde im Spanien des 13. Jahrhunderts und im Palästina des 16./17.
Jahrhunderts zum dominanten Ausdruck jüdischer Spiritualität und
Lebensbewältigung. Das Engelwerk (Opus Angelorum) entstand 1947 in
Innsbruck als geistliche Bewegung, die sich besonders die Betrachtung des
Wirkens der heiligen Engel und ihre Verehrung vorgenommen hatte; der engelwerkeigenen
Engelverehrung liegen «Eingebungen» von Gabriele Bitterlich
zugrunde.
Anhand paralleler Vorstellungen zeigte Ulrich Hoffmann auf, wie die Theologie
des Engelwerkes in ihrer Darstellung eines grandiosen Weltbildes und der
darin eingebetteten Engelwelt weit über die klassische Lehre der Kirche
hinausgeht und stark geprägt scheint von Einflüssen aus dem persischen
Dualismus und der spätjüdischen Mystik der Qabbala. So überrascht
beispielsweise die Ähnlichkeit der «Schutzengelweihe» des
Engelwerkes mit der «heiligen Hochzeit» der Qabbala. Bei der
«Schutzengelweihe» ist zu sprechen: «Diese meine Hand
ist dir nun in den Augen Gottes gegeben als Unterpfand meines festen Willens
und der Bindung an dich. Und auch ich will deine Hand festhalten und nie
mehr auslassen. Du, o Gott, lege deine Hand über unsere Hände
und binde uns zusammen und segne uns mit deiner ganzen Liebe und Treue.»
In der Qabbala vereint sich die Schechinah mit dem höchsten der Zephirot,
dem Malkuth, wodurch die Rettung durch Gott für die ganze Welt wirksam
wird.
Die prominent von Johann Auer vorgetragene theologische Kritik
dieser Theologie und Spiritualität differenziert: Die tiefe Frömmigkeit
der Engelwerk-Theologie kommt in einem falschen theologischen Denksystem
zum Ausdruck. So müssen denn auch Parallelen bzw. Beziehungen zwischen
dem Engelwerk und anderen Bewegungen (Marianische Priesterbewegung, Pro
Deo et fratribus...) ungute Gefühle auslösen.
Der Leiter der Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen des Bistums
Augsburg, der Diplomtheologe Hubert Kohle, war gebeten worden, über
endzeitliche Motive in christlichen Bewegungen zu sprechen; wegen Zeitknappheit
musste er sich dann darauf beschränken, die Grundzüge seines Beitrages
im Herder-Taschenbuch «Endzeitfieber. Apokalyptiker, Untergangspropheten,
Endzeitsekten»<1> herauszustellen.
Einerseits machte er auf die erhebliche Wirkungsgeschichte der «grossen
Botschaft» von La Salette aufmerksam, anderseits erinnerte er an die
hilfreiche Systematik des spanischen Jesuiten Carlos María Staehlin,
dessen Hauptwerk «Apariciones (Erscheinungen)» nur noch in einer
Handvoll spanischer Bibliotheken zu finden ist und dessen deutsche Ausgabe
erfolgreich hintertrieben wurde. Schon er stellte bei den Marienerscheinungen
eine Zunahme des religiösen wie politischen «Reformtyps»
mit dem dualistischen Schema «Katastrophe Triumph» fest:
Maria erscheint immer häufiger gegen etwas und betreibt damit zunehmend
Kirchenpolitik.
In der engagierten Diskussion wurden verschiedene Problemkreise angesprochen.
Es gibt zunehmend Priester, die einer Bewegung zugehören und ohne bischöfliche
Beauftragung «kategorial» Seelsorge betreiben: eine moderne
Version des «clerus vagans». Die Berufung auf «Privatoffenbarungen»
und in ihrem Gefolge eine fundamentalistische Marienlehre und -frömmigkeit
wirft nicht nur hermeneutische Probleme auf, sondern führt auch zu
Handlungsbedarf von seiten der Kirchenleitung. Die Feststellung, dass auf
der «konservativen» Seite die Ränder ausfransen, provozierte
die Rückfrage, ob das nicht auch für die «progressive»
Seite gelte.
In Deutschland wird zurzeit nach dem Handlungsbedarf auch von seiten
des Gesetzgebers gefragt. So liegt zum Beispiel ein Gesetzentwurf des Bundesrates
über Verträge auf dem Gebiet der gewerblichen Lebensbewältigungshilfe
vor; ein solches Gesetz würde nicht nur den Psychokulten Schranken
auferlegen, sondern auch den Beratungsstellen Vorschriften machen. Vor allem
aber ist die Enquete-Kommission des Bundestages zu den sogenannten Sekten
und Psychogruppen an der Arbeit. Über ihren gegenwärtigen Diskussionsstand
informierte Hans Gasper, Grundsatzreferent der Zentralstelle Pastoral der
Deutschen Bischofskonferenz: der Kommissionsbericht wird voraussichtlich
auf eine Sektendefinition verzichten und sich mit einer psychosozialen,
ethisch orientierten Beschreibung begnügen und auch sagen, dass es
von der Persönlichkeit der Betroffenen abhängt, ob «Sekten»
destruktiv wirken. Als für die Zukunft grösseres Problem wird
er ferner auf die Problematik der Strukturvertriebe aufmerksam machen.
Der Informations- und Beratungsdienst des Referats für Sekten- und
Weltanschauungsfragen im Bistum Aachen hatte für die Enquete-Kommission
ein Gutachten zu erstellen über «Beratungsbedarf und auslösende
Konflikte im Fallbestand einer sogenannten Sektenberatung anhand von Fallkategorien
und Verlaufsschemata». Über einige der durch die dazu erstellte
empirische Studie gewonnenen Erkenntnisse referierte der Leiter dieses Dienstes,
der promovierte Psychologe Hermann Josef Beckers: Ein Beratungsbedarf ergibt
sich, wenn eine problematische Gruppenzugehörigkeit Beziehungsprobleme
zur Folge hat. Eine Gruppe wirkt attraktiv, wenn man sich von der Zugehörigkeit
einen Zugewinn an Lebensqualität bzw. die Lösung für Lebensprobleme
erwartet.
Diese Erkenntnis: sogenannten Sekten und Psychogruppen als problematische
Lebensbewältigungshilfe, das ist eine Herausforderung sicher
auch für die Kirche(n), aber nicht nur für sie.
1 Hans Gasper, Friederike Valentin (Hrsg.), Endzeitfieber. Apokalyptiker, Untergangspropheten, Endzeitsekten, Herder/Spektrum 4522, Freiburg i.Br. 1997, 256 Seiten. Dieses Taschenbuch informiert über die verschiedenen Gestaltungen und Ausprägungen von Endzeitvorstellungen in Geschichte und Gegenwart. Der erste Beitrag zeigt die zentralen motivgeschichtlichen Topoi in Europa auf. Anschliessend stellen drei Beiträge christlich geprägte Endzeitvorstellungen vor, und vier weitere behandeln solche Vorstellungen im esoterischen Bereich, in der rechten Szene, im Sonnentempelorden und in Ostasien. Abschliessend werden aus soziologischer und theologischer Sicht orientierende Deutungen angeboten: Weissagungen als Mittel zur Angstbewältigung, Anfälligkeit für Apokalyptisches als Folge des kulturellen Wandels, der christliche Sinn der Apokalyptik.
Am 3. Juni 1998 traf sich in der «Langmatt» in Brunnen (SZ)
die Priestergemeinschaft «Cor unum» zur Generalversammlung.
Da diese Priestergemeinschaft vielen nicht bekannt sein dürfte, möchten
wir uns kurz vorstellen:
Vor knapp vierzig Jahren schlossen sich einige Schweizer Diözesanpriester
zu einer losen Gemeinschaft zusammen, um sich im priesterlichen Dienst zu
unterstützen, zu ermutigen und zu ergänzen. Diese Priester nahmen
ein Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg, das wenige Jahre
danach im Priesterdekret (Nr. 8) folgende Empfehlung verabschiedete: «Das
gemeinsame Leben oder eine Art Lebensgemeinschaft soll unter den Priestern
gefördert werden. Auf diese Weise helfen sie sich gegenseitig im geistlichen
Leben und in der Erweiterung ihrer Kenntnisse.»
Wir möchten einander helfen, unser Priestersein in der heutigen
Welt und Zeit so gut als möglich zu leben. Wir stärken uns gegenseitig
im Willen zum täglichen Gebet, fördern unter uns die Betrachtung
und die Schriftlesung. Wir möchten hinhören auf das, was Gott
heute mit der Kirche vorhat und was er von einem jeden von uns will.
Trotz der schwierigen Zeit, in der sich die heutige Kirche in der Schweiz
befindet, möchten wir ein frohes Ja sagen zum Dienst in der konkreten
Kirche von heute.
Wir versuchen auch, unserer frei gewählten Ehelosigkeit immer wieder
eine Motivation zu geben, die trägt und die einem ehelosen Leben um
des Gottes Reiches willen einen tiefen Sinn verleiht.
Die Mitglieder von «Cor unum» sind auf fünf regionale
Gruppen aufgeteilt. Jede dieser Gruppen kommt in der Regel jeden Monat für
ein paar Stunden zusammen. Wir beten miteinander, lesen Gottes Wort, halten
inne und fragen nach Gottes Willen in unserem Leben. Im offenen brüderlichen
und geistlichen Gespräch versuchen wir einander zu verstehen und zu
raten. Eine kleine «Agape» gehört wie selbstverständlich
zu diesen Zusammenkünften.
Neben diesen Gruppentreffen kommen jene, die zur Gemeinschaft gehören,
jährlich zu einem Einkehrtag mit einem guten geistlichen Begleiter
zusammen. Auch organisieren wir für unsere Gemeinschaft mindestens
alle zwei Jahre gemeinsame fünftägige Exerzitien mit einem anerkannten
Exerzitienleiter.
An der letzten Generalversammlung kam besonders auch die Sorge um eine gute Lösung in der Bischofsfrage im krisengeschüttelten Bistum Chur zum Ausdruck. Diese Sorge teilen auch jene Mitglieder aus anderen Diözesen. Wir hoffen und beten, dass Gott dem Bistum Chur eine geistliche Persönlichkeit schenkt, die mit der Hilfe und Gnade Gottes fähig ist, die «zerstrittenen Lager» wieder zu vereinen. Der «führungslose» Zustand, der in Chur seit Jahren andauert, wird von allen Mitgliedern von «Cor unum» als sehr schmerzlich empfunden. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Leitungsamt eines Bischofs in einer Diözese unverzichtbar ist. Die Mitglieder von «Cor unum» sind voll guten Willens, mit dem neuen Bischof zusammenzuarbeiten und ihn zu unterstützen, dass die Einheit im Bistum Chur wieder hergestellt werden kann.
Neue Mitglieder sind bei uns jederzeit willkommen. Dabei geht es uns nicht in erster Linie um die Vergrösserung unserer Mitgliederzahl, sondern darum, Mitbrüder im priesterlichen Dienst zu ermutigen, sie im Vertrauen auf Gottes Führung zu stärken und dabei durch neue Mitglieder auch selber neue Hoffnung und Ermutigung im Glauben zu erfahren. Weitere Auskünfte erteilen im Namen der ganzen Gruppe gerne Pfr. Jost Frei, Katholisches Pfarramt Schwendi, 6063 Stalden (OW); Pfr. Franz Gwerder, Katholisches Pfarramt, 8834 Schindellegi (SZ); Pfr. Josef Heule, Katholisches Pfarramt, 9463 Oberriet (SG).