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Berichte |
Als der Nordwesten Armeniens 1988 von einem schweren Erdbeben heimgesucht
wurde, konnten auch von der Schweiz aus grössere Hilfsaktionen durchgeführt
werden. Dieser Solidaritätserweis war nicht der erste in der Geschichte:
schon die Armenierverfolgungen durch Kurden und Türken namentlich zwischen
1894 und 1922 lösten in der Schweiz eine grosse Hilfsbereitschaft aus.
Seither hat Armenien in der Schweiz einen besonderen Klang, stellte Erich
Bryner in seinem Vortrag über die armenische Nationalkirche an der
diesjährigen Mitgliederversammlung der Catholica Unio der Schweiz fest.
Erich Bryner ist Professor für osteuropäische Kirchengeschichte
an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Zürich
und Leiter des Instituts «Glaube in der 2. Welt». Dieses hatte
zusammen mit der Schweizerischen Bibelgesellschaft und dem Hilfswerk der
evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) der Armenischen Kirche eine Druckerei
eingerichtet, und der Abschluss dieses Projektes bot Prof. Bryner unlängst
Gelegenheit zu einer Informationsreise in die Transkaukasusrepublik Armenien.
Seine dabei gesammelten Informationen und Eindrücke stellte Prof. Bryner
in den grösseren geschichtlichen Zusammenhang. Die vorchalkedonensisch
orthodoxe oder altorientalisch-orthodoxe Armenische Kirche ist eng mit der
armenischen Nation und Kultur verbunden und wird deshalb zu den Orientalischen
Nationalkirchen gezählt. Wie andere Orientalische Nationalkirchen hat
auch sie die Konzilsbeschlüsse von Chalkedon nicht angenommen. Dieses
Konzil verabschiedete 451 einen Kompromiss zwischen der antiochenischen
und der alexandrinischen Christologie, die Prof. Bryner so auf den Punkt
brachte: die Schule von Antiocheia neigte dazu, die menschliche und die
göttliche Natur in Jesus Christus zu trennen, die Schule von Alexandreia
neigte dazu, die beiden Naturen zu verschmelzen. Chalkedon zog auf beide
Seiten hin Grenzen, indem es erklärte, die beiden Naturen seien ungetrennt
und unvermischt. Die Armenische Kirche nahm am Konzil von Chalkedon allerdings
nicht teil, sie konnte nicht teilnehmen, weil Armenien zu dieser Zeit mit
dem Persischen Reich im Kriegszustand war. Die Konvergenzerklärung
zwischen den chalkedonensisch-orthodoxen und den vorchalkedonensisch-orthodoxen
Kirchen von 1991 hält denn auch fest, dass damals nicht die theologischen
Differenzen, sondern die politischen Interessen zur Kirchentrennung geführt
hatten.
Die Armenische Kirche ist eine alte Kirche; die Legende weiss zu berichten,
dass die Apostel Thaddäus und Bartholomäus, Simon und Judas das
Christentum nach Armenien gebracht hatten; die Armenische Kirche nennt sich
deshalb auch Apostolische Kirche. Trotz schmaler Quellenlage ist unbestritten,
dass schon im 2./3. Jahrhundert christliche Gemeinden gegründet worden
sind. Im Jahre 301 als im Römischen Reich noch die Diokletianische
Christenverfolgung wütete wurde das Christentum aufgrund des
Wirkens von Gregor «dem Erleuchter» in Armenien Staatsreligion;
die Armenische heisst deshalb auch «Armenisch-Gregorianische»
Kirche. Gregor wurde 302 vom Bischof des reichskirchlichen Kaisareia zum
Bischof geweiht. Die Armenische Kirche wurde aber bald autokephal. Zu Beginn
des 5. Jahrhunderts entwickelte der Mönch Mesrop ein Alphabet (mit
mehr als 30 Buchstaben); damit begann nicht nur die Armenisierung der Kirche,
sondern es kam auch zur Ausbildung einer eigenen armenischen Literatur.
Damit war aber auch die enge Verbindung von Nation und christlicher Religion
grundgelegt.
387 wurde Armenien zwischen Ostrom und Persien, zwischen den Byzantinern
und den Sasaniden aufgeteilt; im 7. Jahrhundert wurde es von den islamischen
Arabern angegriffen und geriet unter die Oberhoheit des Kalifenreiches.
Im 11. Jahrhundert stiessen die Seldschuken in das Gebiet vor, und im 13.
Jahrhundert folgte die mongolische Invasion. Im 11. Jahrhundert gründeten
Auswanderer aus (Hoch-)Armenien in Kilikien das Fürstentum Kleinarmenien,
das im 14. Jahrhundert von den Mamluken erobert wurde.
Nachrichten über die Armenier gelangten zu dieser Zeit über Kreuzfahrer,
Wallfahrer und Handelsreisende nach Europa und in die Schweiz. Im 16. Jahrhundert
zeigten Humanisten und Reformatoren für die Armenier ein besonderes
Interesse; Prof. Bryner nannte als Beispiel den höchst sprachenkundigen
Nachfolger Zwinglis als Professor für Altes Testament, Theodor Bibliander
(1504/091564).
Im Gefolge auch dieser Geschichte war die Armenische Kirche in der frühen
Neuzeit in fünf Katholikate und Patriarchate gegliedert. Ost- bzw.
Hocharmenien, das unter persischer Herrschaft stand, gehörte zum Katholikat
von Edschmiazin; das nun Osmanische Kleinarmenien gehörte zum Katholikat
von Kilikien (das seinen Sitz seit 1930 im libanesischen Antelias hat);
im Osmanischen Reich gehörten zur Armenischen Kirche zudem die Patriarchate
von Jerusalem und Konstantinopel. In der Osttürkei gab es neben diesen
noch heute bestehenden Sitzen das Patriarchat von Aghtamar.
Nach dem Russisch-Türkischen Krieg fielen Teile Armeniens an das Russische
Reich, worauf ein erheblicher Russifizierungsdruck einsetzte; mit einem
Statut von 1836 erhielt die Armenische Kirche als Gregorianische ein Sonderstatut.
Im Osmanischen Herrschaftsbereich brach für die Armenier die schwerste
Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Verfolgungen durch
Kurden und Türken aus. In Jerewan gibt es seit 1995 ein Institut, das
sich der Erforschung dieser Genozide widmet.
Im russischen Herrschaftsbereich kam die schlimmste Zeit mit den Sowjets.
Zur Sowjetzeit hatte die Kirche zu erleiden, was alle Kirchen in der Sowjetunion
zu erleiden hatten. Ihre Lage war aus mehreren Gründen allerdings etwas
besser als jene der Georgischen Kirche: Die Armenische Kirche hatte ihre
Beziehungen zu den Armeniern im Ausland diese Diaspora umfasste zu
Beginn der Neuzeit schon einen Drittel aller Armenier; die Armenische SSR
war weit von Moskau entfernt; das religiöse Leben wurde im Verborgenen
weiter gepflegt; die christliche Religion und die armenische Nation gehörten
zusammen.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR bzw. ihrer Ablösung durch die GUS
1991 war für die Armenische Kirche die Ausgangslage für den Wiederaufbau
auch besser als in der übrigen ehemaligen Sowjetunion. Das Religionsgesetz
von 1991 gewährt eine schrankenlose Religionsfreiheit, was inzwischen
bereits zu erheblichem Missbehagen auf seiten der Armenischen Kirche geführt
hat. Während zur Sowjetzeit Armenien zwei Diözesen hatte, sind
es heute acht. Besonderes Gewicht wird auf den Aufbau der Katechese und
den Priesternachwuchs gelegt. Die Zahl der Kandidaten zum Priesteramt hat
sich seit der Unabhängigkeit Armeniens verdreifacht, so dass neben
dem Seminar von Etschmiadsin zwei weitere eröffnet werden konnten.
An der 1995 errichteten Theologischen Fakultät der Universität
Jerewan sind 90% der Studierenden Frauen, die einmal zum grossen Teil als
Religionslehrerinnen tätig sein werden. Überall sei eine grosse
Aufbruchstimmung zu spüren, berichtete Prof. Bryner.
Anderseits hat der Krieg um Berg-Karabach (den armenischen Bezirk Arzach
in der Aserbaidschanischen Republik) eine schwierige Zeit mit unter anderem
einem grossen Energie- und Wassermangel zur Folge; wirtschaftliche Zerfallserscheinungen
sind sichtbar. Armenien, das heute rund 3,4 Mio. Einwohner und Einwohnerinnen
zählt, weil zwischen 1991 und 1997 1 Mio. ausgewandert sein dürften,
fühlt sich heute isoliert. Entsprechend wichtig sind die kirchlichen
Kontakte zwischen den Westkirchen und der Armenischen Ostkirche.
Im geschäftlichen Teil der Jahresversammlung konnte Thomas Egloff,
Präsident der Catholica Unio der Schweiz und zugleich Schweizer Sekretär
der Catholica Unio Internationalis, Weihbischof Peter Henrici als neuen
Delegierten der Schweizer Bischofskonferenz im Verein willkommen heissen.
Anderseits war zu erfahren, dass der griechisch-melkitisch-katholische Erzbischof
von Saida, Georges Kwaiter, Thomas Egloff in Anerkennung seiner Verdienste
um die katholischen Ostkirchen zum Archimandriten weihen werde. Zu den katholischen
Ostkirchen gehört auch das mit Rom Unierte Patriarchat der Armenier
(mit Sitz in Beirut und Sommersitz in Bzommar). Als evangelisch-reformierter
Theologe wollte Prof. Bryner die Uniertenproblematik indes nicht zur Sprache
bringen; so überging er auch die Zeit zwischen 1198 und 1375 sowie
die Jahre nach dem Konzil von Florenz (1439), in der die Armenische Apostolische
Kirche mit Rom uniert war.
Die Catholica Unio der Schweiz wird nächstes Jahr das 75. Jahr ihres
Bestehens begehen können und diesen Anlass als Gelegenheit wahrnehmen,
mit besonderen Veranstaltungen auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
Anlässlich der diesjährigen Delegiertenversammlung des Vereins
Katholischer Bekanntschaftsring wurde das 20jährige Bestehen dieser
Institution gefeiert. Hauptschwerpunkt des Tages war das Referat «Wo
bleibt der Pfeffer im Beziehungsalltag?» des Theologen und Beraters
Niklaus Knecht-Fatzer, der die Arbeitsstelle Partnerschaft Ehe
Familie im Bistum St. Gallen leitet. In seinen Ausführungen erläuterte
er, wie verschiedene Grundannahmen, die aufgrund von Vorstellungen und unreflektierten
Sehnsüchte zu Fallen im Beziehungsalltag werden können, wenn sie
sich verfestigen oder verallgemeinern. Wird zum Beispiel der Anspruch auf
währende Verliebtheitsgefühle zum Massstab, wird Liebe auf Spannung
oder Erotik reduziert, oder wird die Erfahrung der Ergänzung verabsolutiert,
wird Entwicklung zu Neuem, wird Veränderung blockiert.
Liebe zu einem Du ist umfassender, schliesst die Erfahrung von Hell und
Dunkel mit ein, weiss um den Wegcharakter eines Miteinanderseins. Liebe
hat damit zu tun, ob erfahren und erlebt werden kann, was Prof. Zulehner
Lebensheiligtümer nennt: 1. Dass ich als Mensch ernst- und wahrgenommen
werden kann, dass ich mich und das Du in seiner Einzigartigkeit erspüre.
2. Dass ich mich geborgen weiss und mein und des andern Einlassen verbindlich
ist. 3. Dass wachsen und sich entfalten können zu den Grundoptionen
einer Beziehung gehören und dass mit diesem Blick in die Zukunft geschaut
werden kann.
Im zweiten Teil seines Referates sprach N. Knecht denn auch über Bausteine
für den Beziehungsalltag. Auch wenn lebendige Beziehung Geschenk ist,
ist sie zugleich Aufgabe, die es zu gestalten gilt, damit das Miteinander
nicht fad und ohne Würze bleibt.
Sympathisch brachte der Referent seine Wertschätzung dem Club kbr gegenüber
zum Ausdruck. Seriosität, Professionalität und ein liebevolles
Engagement für den Menschen zeichnen diese Institution aus, die sich
voll Achtung dem Bedürfnis vieler Alleinstehenden nach Begegnung oder
Beziehung widmet.
Ursprünglich in der Absicht, heiratswilligen Landwirten eine Alternative
zu kommerziellen Partnervermittlungsinstituten anzubieten, wurde er vor
20 Jahren von Nationalrätin Helen Meyer mit Unterstützung vor
allem bäuerlicher katholischer Kreise gegründet.
Heute ist der Club breiter abgestützt. Die Mitglieder kommen aus der
ganzen Schweiz und aus allen Bevölkerungsgruppen. Sie sind ledig, verwitwet
oder geschieden, haben verschiedene Berufe und sind christlich orientiert.
Der Club bietet keine direkte Partnervermittlung an. Er versteht sich als
Drehscheibe für Menschen, die gerne andere Menschen kennenlernen möchten
und die selber entscheiden, mit wem sie intensivere Kontakte aufnehmen möchten.
So stützt sich sein Angebot auf zwei Pfeiler: auf den Briefclub für
gezielte Kontakte für Partnersuchende und den Freizeitclub mit einem
breiten Angebot an Veranstaltungen für spontane Begegnungen.
Seit einigen Jahren bietet der Club für Mitglieder ab 55 eine besondere
Initiative an: den Silberclub, der sich als eine Art Selbsthilfegruppe organisiert.
Margot Collins ist seit mehreren Jahren kompetente Geschäftsleiterin
und gibt gerne weitere Auskunft, auch über den Solidaritätsfonds
für Mitglieder, deren finanzielle Situation einen Vollbeitrag nicht
zulässt. Bei ihr sind auch Informationsunterlagen erhältlich.<1>
1 Adresse: Club kbr, Moosstrasse 15, 6003 Luzern, Telefon 041-2102761.