SKZ 14/1998

INHALT

Amtlicher Teil

 

Bistum St.Gallen

 

Einsetzung von drei Kanonikern ins Domkapitel

Das 13köpfige Domkapitel ist das Konsultorenkollegium für das Bistum St. Gallen und hat das besondere Vorrecht der Bischofswahl. In dieses Domkapitel hat am Samstagabend, 28. März, in der Kathedrale St. Gallen Domdekan Alfons Klingl drei neue Kanoniker aufgenommen. Gleichzeitig hat Bischof Ivo den Generalvikar und den Regens offiziell in ihre Ämter eingesetzt.
Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte Domdekan Alfons Klingl daran, dass alle Gläubigen miteinander das Volk Gottes bilden, dass es aber auch Leute braucht, die besondere Verantwortung übernehmen. Das Domkapitel hat den Wiler Stadtpfarrer Meinrad Gemperli zum Landkanonikus gewählt. Vom Administrationsrat ist Regens Josef Wick, vorher Pfarrer in Heiden, zum Residentialkanonikus gewählt worden. Bischof Ivo hat Generalvikar Anton Thaler zum Residentialkanonikus ernannt. Nachdem die drei Kanoniker vor dem Evangelienbuch ihr Treueversprechen abgelegt hatten, erhielten sie vom Domdekan als äusseres Zeichen ihrer neuen Würde und Bürde das Kapitelkreuz.
«Wir müssen wieder den Mut haben, zur Schuld zu stehen, damit wird das Übel überwinden können», sagte Bischof Ivo in seiner Predigt zum Evangelientext von der Ehebrecherin, die zu ihrer Schuld steht und weder von ihren Anklägern noch von Jesus verurteilt wird. Dass Gott vergebe, dieses grossartige Geschenk, werde von uns Christen zu oft vergessen. Für die Priester sei es noch schwieriger, zur Schuld zu stehen, weil sie einerseits in die Rolle der Übermenschen gedrängt würden, in denen sie keine Schwächen zeigen dürfen, und andererseits heute Leute darauf lauerten, die Kirche schlecht zu machen, indem sie auf die Fehler ihrer offiziellen Vertreter zeigten.
Als Richter erfahre er auch, wie es immer seltener werde, dass jemand sich der Schuld bewusst sei und sie anerkenne, sagte Administrationsratspräsident Hardy Notter in seiner Grussadresse an der weltlichen Feier im Hotel Ekkehard. Er erinnerte daran, dass der Katholische Administrationsrat zwei der vier Residentialkanoniker wählen kann und bei der Wahl der acht Landkanoniker ein Mitspracherecht hat. Den Domdekan wählt er aus einer aus Kanonikern bestehenden Dreierliste, die ihm vom Bischof präsentiert wird. Die Mitverantwortung der staatskirchlichen Organe wird so dokumentiert.


Krankheitsbedingte Demission

Mit Bedauern hat Bischof Ivo die krankheitsbedingte Demission von Pius Eigenmann als Generalvikar entgegengenommen. Er hatte ihn im Oktober 1995 in die Bistumsleitung berufen. Mit grossem Engagement hatte sich Pius Eigenmann in sein anspruchsvolles Amt als Personalchef eingearbeitet und zusammen mit den acht Dekanen bei Vakanzen nach Lösungen in den verschiedenen Pfarreien gesucht. Er wird seinem Nachfolger Anton Thaler soweit möglich beratend zur Seite stehen. Bischof Ivo dankte Pius Eigenmann im Rahmen der Einsatzfeier für die Kanoniker öffentlich für seinen Einsatz im Dienst des Bistums und versicherte, ihm in Gebet und Freundschaft verbunden zu bleiben.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1998