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Amtlicher Teil |
Das 13köpfige Domkapitel ist das Konsultorenkollegium für das
Bistum St. Gallen und hat das besondere Vorrecht der Bischofswahl. In dieses
Domkapitel hat am Samstagabend, 28. März, in der Kathedrale St. Gallen
Domdekan Alfons Klingl drei neue Kanoniker aufgenommen. Gleichzeitig hat
Bischof Ivo den Generalvikar und den Regens offiziell in ihre Ämter
eingesetzt.
Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte Domdekan Alfons Klingl daran, dass
alle Gläubigen miteinander das Volk Gottes bilden, dass es aber auch
Leute braucht, die besondere Verantwortung übernehmen. Das Domkapitel
hat den Wiler Stadtpfarrer Meinrad Gemperli zum Landkanonikus gewählt.
Vom Administrationsrat ist Regens Josef Wick, vorher Pfarrer in Heiden,
zum Residentialkanonikus gewählt worden. Bischof Ivo hat Generalvikar
Anton Thaler zum Residentialkanonikus ernannt. Nachdem die drei Kanoniker
vor dem Evangelienbuch ihr Treueversprechen abgelegt hatten, erhielten sie
vom Domdekan als äusseres Zeichen ihrer neuen Würde und Bürde
das Kapitelkreuz.
«Wir müssen wieder den Mut haben, zur Schuld zu stehen, damit
wird das Übel überwinden können», sagte Bischof Ivo
in seiner Predigt zum Evangelientext von der Ehebrecherin, die zu ihrer
Schuld steht und weder von ihren Anklägern noch von Jesus verurteilt
wird. Dass Gott vergebe, dieses grossartige Geschenk, werde von uns Christen
zu oft vergessen. Für die Priester sei es noch schwieriger, zur Schuld
zu stehen, weil sie einerseits in die Rolle der Übermenschen gedrängt
würden, in denen sie keine Schwächen zeigen dürfen, und andererseits
heute Leute darauf lauerten, die Kirche schlecht zu machen, indem sie auf
die Fehler ihrer offiziellen Vertreter zeigten.
Als Richter erfahre er auch, wie es immer seltener werde, dass jemand sich
der Schuld bewusst sei und sie anerkenne, sagte Administrationsratspräsident
Hardy Notter in seiner Grussadresse an der weltlichen Feier im Hotel Ekkehard.
Er erinnerte daran, dass der Katholische Administrationsrat zwei der vier
Residentialkanoniker wählen kann und bei der Wahl der acht Landkanoniker
ein Mitspracherecht hat. Den Domdekan wählt er aus einer aus Kanonikern
bestehenden Dreierliste, die ihm vom Bischof präsentiert wird. Die
Mitverantwortung der staatskirchlichen Organe wird so dokumentiert.
Mit Bedauern hat Bischof Ivo die krankheitsbedingte Demission von Pius Eigenmann als Generalvikar entgegengenommen. Er hatte ihn im Oktober 1995 in die Bistumsleitung berufen. Mit grossem Engagement hatte sich Pius Eigenmann in sein anspruchsvolles Amt als Personalchef eingearbeitet und zusammen mit den acht Dekanen bei Vakanzen nach Lösungen in den verschiedenen Pfarreien gesucht. Er wird seinem Nachfolger Anton Thaler soweit möglich beratend zur Seite stehen. Bischof Ivo dankte Pius Eigenmann im Rahmen der Einsatzfeier für die Kanoniker öffentlich für seinen Einsatz im Dienst des Bistums und versicherte, ihm in Gebet und Freundschaft verbunden zu bleiben.