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Lesejahr C |
Nachdem unser langjähriger Mitarbeiter Karl Schuler aus gesundheitlichen
Gründen von einer Woche auf die andere die Reihe seiner exegetisch-homiletischen
Impulse abbrechen musste, suchten wir keinen unmittelbaren Nachfolger. Inzwischen
sind seine Impulse zu den Sonntags- und Festtagsevangelien aller drei Lesejahre
als Buch erschienen («Höre, nimm an, erfülle im Tun»,
erhältlich beim Katholischen Pfarramt, Klosterstrasse 6, 6440 Brunnen,
Telefon 041-8201863). Weil Karl Schuler den anschliessenden Zyklus zu den
zweiten, neutestamentlichen Lesungen noch während des ersten Jahres
abbrechen musste, beginnen wir mit dem neuen Kirchenjahr ganz neu, nämlich
mit den ersten, den alttestamentlichen Lesungen.
Als Verfasser konnten wir Dr. theol. Thomas Staubli gewinnen. Thomas Staubli
hat am Biblischen Institut der Universität Freiburg mit einer ikonographisch-exegetischen
Arbeit promoviert. Erschienen ist sie 1991 unter dem Titel «Das Image
der Nomaden im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn»
als Band 107 der Reihe «Orbis Biblicus et Orientalis (OBO)»
(Freiburg Schweiz und Göttingen). Von 1989 bis 1994 leitete er die
Bibelpastorale Arbeitsstelle des Bistums St. Gallen und konnte so mit Bibelarbeit
in Schule und Gemeinde Erfahrungen sammeln. Diese Erfahrungen kamen ihm
bei seinem in diesem Jahr erschienenen Buch zugute; es heisst «Begleiter
durch das Erste Testament» und ist eine didaktisch bemerkenswerte
Einleitung in das Alte Testament, die wir auf der Sonderseite «Das
Theologische Buch» noch gebührend würdigen werden (Patmos
Verlag, Düsseldorf). Für uns ist Thomas Staubli durch die drei
kommenden Lesejahre hindurch also der Begleiter durch die alttestamentlichen
Lesungen der Sonntage und Festtage. Thomas Staubli arbeitet als Vater und
Hausmann und daneben als freiberuflicher Theologe. Seine exegetischen Impulse
in diesen Spalten sind Kurzkommentare, die immer gleich aufgebaut sind.
Zu diesem Aufbau hält er selber nebenstehendes fest.
Der Kurzkommentar orientiert sich am Lektüredreieck der lateinamerikanischen Basisgruppen. Die Arbeit der Lektüre ereignet sich im Spannungsfeld von Bibel, Kirche und Welt. Jeder der drei Pole ist zum andern hin offen. Durch die kirchliche Leseordnung ist der Text vorgegeben. Auf seiner Interpretation liegt der Hauptakzent der Lektüre. In einem Kasten wird das Hauptthema der Lesung in einem Miniexkurs textlich und bildlich erörtert und innerhalb der altorientalischen Lebenswelt situiert. Für die Pole Kirche und Welt begnügen wir uns mit Anregungen zu je eigener Aktualisierung.
Die Auslegung umfasst drei Punkte: 1. In welchem Bezug steht der Text zu seiner Umwelt? 2. Welches ist der Ort des Textes innerhalb der Bibel? 3. Was bedeuten einzelne Motive, Aussagen und Begriffe
Leitfragen: Welches ist die Beziehung der Lesung zum Kirchenjahr und zu den übrigen Lesungen des Gottesdienstes? Welche Wirkungsgeschichte hatte der biblische Text in der Kirchengeschichte? Welche Themen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung unterstützt er?
Leitfragen: Auf welche Zeichen der Zeit macht die Lesung aufmerksam oder: wie liest uns/mich die Bibel? Welche heutigen Entwicklungen oder Phänomene stellen den Text in Frage? Welche wirtschaftlichen, politischen oder ideologischen Situationen verdunkeln oder erhellen das Thema der Lesung?