SKZ 50/1997

INHALT

Leitartikel

Auf einen guten Weg in die Zukunft hoffen

Die «Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester» ist in weiten Teilen in der Kirche in der Schweiz mit Betroffenheit und Bestürzung zur Kenntnis genommen worden. Viele Laien, nicht nur die beruflich in der Seelsorge mitarbeitenden, sind verunsichert und ratlos, entmutigt oder empört. Die Schweizer Bischöfe haben sich an ihrer 238. Ordentlichen Versammlung eingehend mit der Instruktion und mit den zahlreichen Reaktionen auseinandergesetzt.
Sie selbst sind von der Veröffentlichung des Dokumentes weitgehend unvorbereitet überrascht worden.

Die Schweizer Bischöfe weisen darauf hin, dass die Instruktion an alle Bischöfe der Universalkirche gerichtet ist und deshalb nicht nur die Kirche in der Schweiz im Auge hat. Sie erinnern an die grundlegende Bedeutung der Aussagen, die das Zweite Vatikanische Konzil über die Berufung und Sendung der Laien gemacht hat. Dieses konziliare Kirchenverständnis wird im ersten Teil der Instruktion positiv aufgenommen. Die Instruktion stellt deshalb die Mitarbeit der Laien in der Kirche keineswegs in Frage, sie ermutigt vielmehr dazu. Die Instruktion behandelt nur den konkreten Fragenkreis der «Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester».

Die Schweizer Bischöfe wissen sich mit allen Laien als ihren Schwestern und Brüdern im Herrn aufgrund der Taufe und Firmung zutiefst verbunden. Sie wissen um die vielfältige Mitarbeit zahlreicher Getaufter in Kirche und Gesellschaft, und danken ihnen allen für ihr Glaubenszeugnis und ihren Dienst. Den beruflich in der Kirche arbeitenden Laien erneuern die Bischöfe ihr Vertrauen und sprechen ihnen ihre Anerkennung aus. Ihr Beitrag zum kirchlichen Leben ist aus unseren Diözesen nicht mehr wegzudenken. Sie stehen nicht in Konkurrenz zu den Priestern, sondern sind deren notwendige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Bischöfe sagen den Priestern, die aufgrund des gravierenden Priestermangels oft schweren Belastungen ausgesetzt sind, ein ausdrückliches Wort des Dankes.

Die Schweizer Bischöfe erblicken im römischen Dokument auch eine Herausforderung, die Entwicklungen in der Kirche in der Schweiz in den vergangenen Jahren zu überprüfen. Sie teilen das Grundanliegen der Instruktion, die verschiedenen Ämter und Dienste in der Kirche präziser zu umschreiben. Ebenso sind sie überzeugt, dass das Priesteramt unverzichtbar ist und deshalb die Bedeutung des Weihesakramentes neu bewertet und einsichtig gemacht werden muss.

Da die Praxis in den verschiedenen Diözesen recht unterschiedlich ist, liegt es in der Verantwortung des einzelnen Ortsbischofs, mit seinen Räten einen Weg zu suchen, wie er mit den römischen Weisungen der pastoralen Wirklichkeit seiner Diözese gerecht werden kann. Dazu gehört auch, dass er ein aufmerksames Auge auf Missbräuche und Grenzüberschreitungen hat, die dem pastoralen Weg der Kirche in der Schweiz Schaden zufügen. In dieser Verantwortung für eine sorgfältige Inkulturation ist der Diözesanbischof weder blosses Ausführungsorgan noch losgelöst von einer aufrichtigen Verbundenheit mit dem Papst und der Leitung der Universalkirche.

Die aus der Instruktion zu erfolgende Überprüfung der pastoralen Situation muss mit Klugheit, Geduld und im Gespräch mit den Betroffenen vorgenommen werden. Was während Jahrzehnten gewachsen ist, kann nicht plötzlich neu geordnet werden. Deshalb sind die Beauftragungen, die wir Bischöfe und unsere Vorgänger ausgesprochen haben, in Kraft.

Die Schweizer Bischöfe sind sich ihrer grossen Verantwortung bewusst und hoffen, dass weitere Gespräche mit der Kirchenleitung in Rom einen guten Weg in die Zukunft ermöglichen werden. Zu diesem Weg gehört bleibend eine sensible und verantwortungsvolle Zusammenarbeit zwischen Laien und Priestern.

Die Schweizer Bischofskonferenz


© Schweizerische Kirchenzeitung - 1997