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Paulus hat durch seine Verkündigung im Wort und in seinen Briefen
das Christentum auf entscheidende Weise geprägt, auch wenn schon Christen,
die seiner Zeit und Mentalität näher standen als wir, Mühe
hatten, ihn zu verstehen (2 Petr 3,16). Eduard Lohse (evangelischer Neutestamentler
in Göttingen, Landesbischof) zeichnet aufgrund der authentischen Briefe
und der von ihm recht kritisch beurteilten Apostelgeschichte ein Bild von
der Person und der Theologie des Völkerapostels.
Als die Mitte der paulinischen Theologie stellt Lohse heraus: «die
Erkenntnis, dass Gott sich in Kreuz und Auferstehung Christi als der zu
erkennen gegeben hat, der aller Welt seine Barmherzigkeit zugewandt hat»
(S. 64, 67). Von daher vermag der Autor die Theologie des Paulus als einheitlich
und geschlossen erscheinen zu lassen. Er zeigt gut auf, wie viele Elemente
Paulus dabei aus der ihm vorgegebenen Überlieferung aufnimmt und sie
eigenständig akzentuiert.
Da Lohse streng auf dem Boden der Paulus-Briefe bleibt, ergibt sich eine
theologische und nicht eine psychologische «Biographie» (Untertitel).
Was Paulus mit «in-Christus-Formulierungen» ausdrückt und
(wohl nicht glücklich) mit «Christus-Mystik» bezeichnet
wird, wertet der Autor für die Biographie (zu)wenig aus.
Die Gegebenheiten der geographischen und geistigen Umwelt des paulinischen
Wirkens sind recht konkret dargestellt. Das Bild der Gegner des Apostels
ist behutsam gezeichnet. Mit den wichtigsten Paulus-Interpretationen der
jüngeren Forschung setzt sich Lohse bedacht (nicht polemisch) auseinander.
Er weist auch darauf hin, wie sich die paulinische Theologie in den späteren
urchristlichen Schriften ausgewirkt hat, und stellt sich den Fragen, wie
Paulus zwischen den Konfessionen steht, ob er als «zweiter Gründer»
des Christentums gesehen werden kann/muss, wie jüdische Interpreten
ihn zu verstehen suchen und wie er vor der gesellschaftlichen Kritik heute
dasteht.
Wer Paulus und seine Theologie (wieder einmal) gesamtheitlich auf sich wirken
lassen will, findet dazu in diesem ausgewogenen und gut lesbaren Werk einen
kundigen Führer.
Anlass zu diesen Erwägungen über den Glaubensartikel «ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche» ist die Diözesansynode des Erzbistums Mailand. Der Kardinal weist in der Vorbereitung und Begleitung dieser Kirchenversammlung seine Gläubigen unermüdlich hin auf die Fülle der Katholizität der Kirche in der Wirklichkeit des Lebens. Kirche ist Mysterium, Geheimnis: In der Kirche ist das, was man nicht sieht, wichtiger als das, was man sieht und das Sichtbare ist ganz auf das Unsichtbare bezogen. Die real existierende Kirche kann man nicht fotografieren oder filmen. Kirche ist menschlich und göttlich, sichtbar und zugleich mit einer unsichtbaren Wirklichkeit ausgestattet. In diesem kleinen Büchlein ruft der Erzbischof seinen Gläubigen ihre Berufung und Sendung zum Zeugnis der Einheit und Liebe im Glauben ins Bewusstsein.
Dieses eigenartige Buch handelt von einer Gruppenwallfahrt nach Lourdes. Der Autor fährt mit frommen und unermüdlich betenden Pilgern als Aussenseiter mit. Er steht dem Phänomen Lourdes, seinem Entstehen durch die bekannten Erscheinungen und dem für diesen Wallfahrtsort typischen Wallfahrtsbetrieb skeptisch gegenüber. Zwar macht er das gesamte Pilgerprogramm mit, aber geistig bleibt er auf Distanz, zumal er auch über marianische Grundaussagen und andere «katholische Eigenarten» stolpert. Dafür stellt er umständliche Fragen über Marienerscheinungen und Heilungswunder, verfolgt mit mitleidigem Interesse die bewegende Biographie Bernadettes, der jugendlichen Seherin. Dann verhaspelt er sich wieder in die erbarmungslose Problematik des Leidens und windet sich in der Suche nach einem vernünftigen Glauben. Das gipfelt dann nach Zuhilfenahme von Pascal, Kant, Zola usw. im Eingeständnis des Unvermögens. So bleibt das Buch in der Lösung unbefriedigend. Die Rechnungen gehen auch am Ende nicht auf. Trotzdem die kunstvoll angelegten und erfinderisch konstruierten Wege bleiben interessant und regen zur Überlegung an.