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Erklärung zum geplanten Krieg gegen den Irak

Communiqué des Präsidiums der Schweizer Bischofskonferenz

Seit einigen Tagen wird in den Medien nicht mehr die Frage nach der Zweckmässigkeit eines Krieges gegen den Irak gestellt, sondern das genaue Datum des Beginns der Kampfhandlungen in Erwägung gezogen. Schlimmer noch : Einige machen sich schon Gedanken über die Nachkriegszeit … Wir sind zutiefst beunruhigt über diese Sichtweise und erinnern mit Entschiedenheit daran, dass wir einen Krieg ablehnen, dessen hauptsächlistes Opfer die Zivilbevölkerung wäre. Seit Jahren leidet das irakische Volk und ganz besonders die Kinder entsetzlich an den Folgen des internationalen Embargos, das gegen dieses Land verhängt worden ist. Lassen wir es nicht zu, dass dieses Volk noch mehr gefoltert wird, denn noch sind nicht alle Wege des Dialogs ausgeschöpft und noch gibt es keine eindeutigen Beweise für die durch den irakischen Diktator drohende Gefahr.

Der Krieg ist immer der schlechteste Weg, Konflikte zu lösen, selbst wenn er bisweilen das letzte Hilfsmittel gegen einen noch grösseren Wahnsinn sein kann. Sind wir denn wirklich sicher, dass die Welt vor dieser Situation steht ? Die Vereinigten Staaten haben für den heutigen Tag Beweise für diese uns bedrohende Gefahr versprochen. Diese müssen sicher mit Sorgfalt untersucht werden, wir zweifeln aber, dass der "point of no return"– wie ihn manche nennen – schon gekommen ist ! Was wir brauchen, sind über alle Zweifel erhabene Beweise einer unausweichlichen und unmittelbaren Gefahr, um einen eventuellen Krieg zu legitimieren - wie auch der Papst schon mehrere Male unterstrichen hat. Sogar wenn - so zahlreiche Bischöfe der Welt im Wortlaut - der Irak wegen Saddam Hussein zu einer realen Bedrohung für uns werden sollte, müsste die internationale Gemeinschaft sich deswegen noch lange nicht Hals über Kopf in einen Krieg stürzen. Die Welt muss vor einem Präventivkrieg verschont werden; sie braucht viel mehr eine echte Prävention vor Krieg !

Ausserdem sollten wir uns bewusst sein, dass ein Krieg gegen den Irak zahlreiche Muslime "verletzen" wird und so gewiss das Gegenteil des erhofften Effektes erreicht würde. Dies bedeutete nicht zuletzt einen starken Anstieg terroristischer Bedrohungen durch fanatische Islamisten. Statt der "neuen Weltordnung", wie sie manche anpreisen, würde sich eher eine "Weltunordnung" einstellen.

Wir rufen alle Gläubigen unseres Landes auf, vermehrt dafür zu beten, dass der Krieg nicht ausbricht und der gute Menschenverstand siegt. Wir glauben an die Kraft des Gebetes, das fähig ist, Berge zu versetzen. Beten wir Christen aller Konfessionen zusammen - mit unseren muslimischen Mitmenschen, damit ein Blutbad verhindert werde. Gedenken wir ebenfalls in unseren Gebeten der Christen, Muslime und Juden in Palästina und Israel, die in einer ebenso dramatischen Situation leben. Erinnern wir uns daran: Niemals kann im Namen irgendeiner Religion Gewalt ausgeübt werden.

Freiburg, 05.02.2003

Das Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz

 

 

   

 
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