Adressen
Pfarreien
cath.ch
|
|||||
|
von P. Alfred Moser SAC Macht und AllmachtKann man angesichts einer grossen Katastrophe noch an das Walten eines guten und allmächtigen Gottes glauben? Hätte Gott den Tod so vieler Menschen nicht verhindern können und müssen, da Gott doch allmächtig und gut ist? Konnte er es nicht? Dann ist er nicht allmächtig - wollte er es nicht, obwohl er es gekonnt hätte, ist er nicht gut. "Also", folgerte der kritische Epikur 300 Jahre vor Christus, "verabschieden wir diesen jenseitigen und machtlosen Gott und nehmen wir die Geschäfte unserer Welt selbst in die Hand." Einen radikal logisch schlüssigen Beweis für das Walten des allmächtigen und guten Gottes haben auch die intelligentesten Theologen bisher nicht gefunden; das Verhalten Gottes wird wohl für alle Zukunft ein Geheimnis bleiben. - Trotzdem ist es jedoch möglich, wenigstens die Glaubwürdigkeit einer solchen Überzeugung aufzuzeigen, das heisst, dass es sich beim Glauben an das Walten des allmächtigen und guten Gottes nicht um eine völlige Absurdität, eine uns Menschen völlig unzumutbare Ansicht geht. Ich möchte versuchen, Ihnen dies aufzuzeigen, so kurz und klar wie dies eben in zehn Minuten möglich ist. Dabei muss ich allerdings Ihr Mitdenken etwas strapazieren - aber bei einem so schwierigen Thema ist dies nicht anders möglich. Was uns bei allen grundlegenden Lebensproblemen das klare Denken verhext und uns auf falsche Fährten führt, ist meistens die Unklarheit, die Verschwommenheit und Mehrdeutigkeit der Sprache, der Worte, die wir dabei verwenden. So ist es auch in unserer anstehenden Problematik. Wir müssen vom ursprünglichen Sinn und der Bedeutung der beiden Hauptstichworte unserer Frage ausgehen: Was heisst im tieferen und eigentlichen Sinne "Macht" - und was meinen wir genau, wenn wir vom Glauben an die Allmacht Gottes sprechen. Das sind auch die zwei Teile der folgenden Darlegung. I. Was ist das eigentlich: Macht? Wenn in den Medien und in der kirchlichen Verkündigung von Macht die Rede ist, dann denken wir sogleich, fast automatisch an die Macht der Waffen, an die Polizeigewalt, an politische Druckmittel, an die Macht des Geldes und die Übermacht der Technik. Wir identifizieren "Macht" mit Zwang, Unterdrückung, und Gewalt. Damit haben wir uns aber bereits auf eine falsche Fährte eingespurt, den Gedankengang falsch eingefädelt. Macht ist zunächst einmal etwas Wert-Neutrales, ja etwas Gutes. Macht besteht zunächst einmal darin, dass wir ein Ziel, ein Anliegen, nicht nur im Kopfe haben, als schönen Wunsch - sondern dass dieses Ziel auch verwirklicht werden kann - im gesellschaftlichen Zusammenleben sich gegen Widerstände durchzusetzen vermag - mit humanen, friedlichen, die Freiheit der Zustimmung wahrenden Mitteln. Wirkliche Macht besitzen also :beispielsweise nicht jene Eltern, die ihre Kinder nur durch Sackgeldentzug, durch Hausarrest, durch Zwang zu rechtschaffenem Verhalten nötigen. Ähnliches gilt auch auf dem Gebiet der politischen Macht: Sie kommt jenen Persönlichkeiten zu, denen es gelingt durch sachliche Argumente die Bürger für ihr Anliegen zu engagieren. In diesem positiven Sinne ging es auch Jesus um Macht, nämlich um die Gewinnung der Menschen für den Einsatz im Reiche Gottes. Macht ist Durchsetzungskraft mit humanen Mitteln. Das also ist das erste: Wir dürfen Macht nicht von vornherein mit Gewalt gleichsetzen oder sie gar damit identifizieren. II.: Was ist mit "Allmacht Gottes" gemeint? Auch hier ist wieder gleich etwas Ähnliches festzustellen. Die meisten Zeitgenossen meinen mit dem Hinweis auf den "Allmächtigen", er sei eben im Besitz von Zwangsgewalt; er sei imstande, alle Gegner zu "bodigen". Das ist zwar nicht falsch, aber es setzt die Akzente verkehrt. Wenn wir Christen, zusammen mit den Gläubigen Juden und Muslimen uns zum allmächtigen Gott bekennen, dann ist zunächst einmal gemeint, dass Gott die Welt aus freien Stücken aus dem Nichts geschaffen habe, dass er unsere Welt in ihrer Existenz trägt und erhält, dass er Schöpfer und Erhalter von allem ist. Das ist alles andere als selbstverständlich und lässt sich auch nicht wissenschaftlich beweisen. So fundamental der Glaube an die Allmacht Gottes auch ist, so ist sie nicht die Mitte und das Zentrum Gottes. Das Innerste in Gott ist nach vielen Äusserungen der Bibel: die Liebe. Aus ihr ist alles andere in Gott zu sehen und zu deuten - auch die Macht Gottes. Gott ist der Inbegriff der Liebeskraft. Wir glauben an die Allmacht der Liebe Gottes. Aus dieser Liebe heraus hat Gott den Menschen einen Teil seiner Macht überlassen. Er will nicht alles allein machen; er will die Menschen als freie Partner teilnehmen lassen an seiner Schöpferfreude. Gerade im richtigen Gebrauch dieser uns von Gott gegebenen Macht sind wir auch seine Ebenbilder. Mit der Gewährung der Freiheit im Gebrauch unserer Macht ist Gott ein grosses Wagnis eingegangen. Irgendwie musste er damit rechnen, dass die Menschen ihre Freiheit missbrauchen. Insofern ist Gott selbst indirekt auch mitverantwortlich für das Leiden Unschuldiger durch Freiheitsmissbrauch. Aber es ist dann doch zu billig und zu unfair, für alles, was in der Welt daneben geht, alle Schuld Gott in die Schuhe zu schieben. Und noch etwas scheint mir sehr bedeutsam: Obgleich Gott einen Teil der Verantwortung dem Menschen abgegeben hat, hat Gott sich nicht einfach vom Lauf der Geschichte zurückgezogen und gesagt: "Macht euren Dreck alleine". - Gott hält sich zwar zurück, aber er bleibt seinen Geschöpfen sorgend verbunden, wirkt untergründig frei auf sie ein in Richtung auf ihren Einsatz für sein Reich. Durch die ganze Heilsgeschichte hindurch ist seine verborgene Mitwirkung zum Ausdruck gekommen: in den mahnenden Worten der Propheten - und dann vor allem in der Persönlichkeit von Jesus von Nazareth. In ihm hat sich Gott auf eine neue Weise in das Geschehen auf der Welt eingebracht - und in der Auferstehung Jesu ein überzeugendes Vorzeichen des Sieges Gottes über Nacht und Bosheit und Tod aufleuchten lassen. Es lässt Gott nicht kühl, was auf Erden geschieht - auch wenn er nicht im eigentlichen Sinne mitleidet, so empfindet er doch mit. Im christlichen Glauben an den allmächtigen Gott schwingt darum noch etwas mit, die Hoffnung und der Glaube, dass es Gott am Ende der Geschichte gelingen wird, allen Hass, alles Leid zu überwinden und - und ohne Zwang und Gewalt - alle Menschen zur Einsicht und zum Heil in seinem Reich zu führen.
|
|||||
| Aktualisiert am 15. Oktober 2001 | |||||
© kath.ch: Portal Katholische Kirche Schweiz / Redaktion: Katholischer Mediendienst / Impressum / Webmaster |
|||||