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P. Alfred Moser SAC FanatismusWie ist es menschenmöglich, ein selbstmörderisches, zerstörerisches
Verbrechen zu begehen, das Tausende von Menschen in den Tod reist? Welche
Beweggründe können einen Mensch so weit bringen? Religiöser Fanatismus. Wie können wir die Fanatisierung verhindern? Dazu einige stichwortartige Hinweise. Es geht, wie mir scheint, darum, in der Selbstentwicklung und in der Erziehung eine doppelte Balance anzustreben: 1. Ein gewisses Gleichgewicht zwischen Idealismus und Realismus. Auch beim Fanatiker ist ein "guter Faden" vorhanden, seine intensive Begeisterung und sein radikales Engagement für hohe menschliche Ideale: z.B. für Gerechtigkeit, für Wahrheit und Freiheit, für die strikte Einhaltung und Durchsetzung der Gebote Gottes. Ohne eine hohe Portion von Begeisterung für ein Ziel ist noch kaum je etwas Grosses und Bleibendes geschaffen worden. Das Üble beim Fanatiker ist nur dies, dass er in diesem idealen Bereich einäugig ist, sich nur ganz auf einen einzigen Wert versteift und fixiert. Darum muss dieser Idealismus ergänzt und ausgeglichen werden durch einen entsprechenden Realismus. Wir müssen darauf achten, zu sehen, was in der konkreten Situation überhaupt möglich ist, wie die Institutionen, die ja alle menschlich und darum unvollkommen sind, wie diese geschichtlich gewachsen sind - und dass solche Anliegen Ausdauer, Geduld und viel Zeit brauchen. 2. Eine weitere Balance scheint mir fast ebenso wichtig, jene zwischen persönlicher Überzeugung und der Bereitschaft sich selbst kritisch zu hinterfragen. Der Fanatiker nimmt sich selbst, seine Ansicht, sein Ziel zu ernst. Darum fehlt dem Fanatikern meistens auch jeder Humor; er kann sich selbst nicht einmal auf den Arm nehmen. Aus lauter Enthusiasmus für absolute Gerechtigkeit ist er fähig , selbst die grössten Ungerechtigkeiten zu begehen. Aus diesen vier Stichworten ergeben sich ganz konkrete Aufgaben in unserer Selbstentwicklung und in der Erziehung der Heranwachsenden. Angesichts der Tiefgründigkeit und des Umfangs der Fanatismusproblematik war es nicht möglich, den religiös-christlichen Aspekt aufzuzeigen. Nur noch dies sei zum Schluss noch kurz erwähnt: Jesus hat nicht die leidenschaftlichen Kämpfer seliggepriesen, sondern die Friedensstifter - immer wieder hat er Stellung bezogen gegen die Buchstaben- und Leistungsmoral der Pharisäer -und über allem Steht bei ihm die Liebe des barmherzigen Vaters und der Aufruf zur Nächsten- und Feindesliebe. In alldem hat er sich als Idealist und Realist erwiesen, bis zum blutigen Ende.
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| Aktualisiert am 15. Oktober 2001 | |||||
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