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Die künstlerische Gestaltung

Der bei der grossen Renovation 1978 mit der künstlerischen Gestaltung beauftragte Werner Jans sah nebst seinen eigenen Beiträgen ein Chorbild vor und besprach dies mit seinem Malerkollegen Ernst Egli (gestorben 1999). Dieser steuerte zur Idee des Wandteppichs diejenige der Ausmalung der Fensterlaibungen bei.

Bildhauerisches: Werner Jans

Als seine Arbeiten für die Kirche im Entstehen waren, schrieb der Künstler in unserem Pfarrblatt unter anderem: "Das Ziel WÄRME UND GEBORGENHEIT erfordert das Material Holz. Und zwar aus unserer Umgebung, und nur Eichen haben die nötigen Ausmasse. Das Holz für Madonna und Tabernakel war während ca. 160 Jahren in der Neftenbacher Hueb zu seiner Bestimmung herangewachsen, das übrige stammt aus Andelfingen. Material, Bearbeitung (mit der Axt) und Gestaltung sind bewusst einfach gewählt: Widerspruch zur Perfektion, Bekennen zum Lebendigen. Das Holz wird reissen: die Lebendigkeit des organischen Materials, wie ein Sinnbild des Lebens."
Der Altar besteht aus vier Stämmen (die Himmelsrichtungen, die Evangelisten?), die sich berühren und aufklaffen, Sinnbild der Erde, auf der geopfert wurde und immer noch wird. Die Apostelkreuze laufen wie Vogeltritte vertrauensvoll über ihn hin und einer fasst in die Wunde: der Zweifler.
Fehlt am Vortragskreuz nicht der Gekreuzigte? Oder erkennen Sie ihn in den Formen des Kreuzesholzes?
Der Tabernakel ist ein ausgehöhlter
Stamm, dem das Herz herausgenommen wurde, um ein anderes, die Eucharistie, einzusetzen.


Roh behauenes Holz auch für die Madonna, die nicht weit entrückt, sondern auf unserem Boden steht, dort, wo wir auch Kerzen für sie anstecken können. Sie und ihr Kind haben nicht ein vom Künstler bestimmtes Gesicht, fröhlich, ernst oder traurig, sondern der Beter kann ihnen das Gesicht verleihen, das seinem Anliegen, seiner Stimmung entspricht. Auch die wechselnde Beleuchtung spielt mit den Figuren.



Die 14 Bronzetafeln des Kreuzweges wurden vom Künstler, wie in den meisten Kirchen üblich, als betend zu gehender Weg längs den Seitenwänden angebracht. Aber das private Kreuzwegbeten findet kaum mehr statt, und deshalb wurden die schönen Tafeln mit den ergreifenden Bildern hinten links im Kirchenschiff vereint.

Werke von Ernst Egli

Für den Wandteppich wählte der Künstler das Them "Die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes", das Motiv des kindlichen Vertrauens. Zur vereinfachenden Darstellung der Vögel und der Pflanzen kamen die balkenförmigen Sonnenstrahlen und, zurückhaltend, das Kreuz. Wesentlich sind die fröhlichen, warmen Farben, die mit den eichenen Werken des Bildhauers zusammenspielen.
Sinn der gemalten Fensterlaibungen ist das Weitertragen der Farben vom Wandteppich, aber sie erinnern auch an sonnendurchstrahlte Farbfenster. Die Ornamente und symbolhaften Figuren nehmen in erster Linie die jeweilige Farbe des Rahmenfilets, rot bzw. blau, der Fenster auf.

Spätgotische Madonna

Einige Jahre nach der Renovation bot sich die Gelegenheit für unser Gotteshaus eine Madonnenstatue zu erwerben. Nach dem Kauf wurde die sehr schöne Figur durch einen Restaurator aufgefrischt.
Und so steht sie nun seit 1987 in neuem Glanz in der Nische neben dem Haupteingang und lädt zum stillen Gebet ein.
Die spätgotische Madonna mit Kind stammt aus dem Bodenseeraum und ist vermutlich in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts entstanden.

"Kirchenschatz"

Der Umbau von Pfarrhaus und Kirche, 1978, gab Gelegenheit, in wenig bekannte Winkel vorzustossen. In einem Abteil "Nicht mehr benützte Kelche" des alten Sakristeischranks und in Kisten auf dem Estrich konnten so überraschende Funde gemacht werden. Nicht eigentliche Schätze, aber doch eine Reihe liturgischer Gegenstände, die für uns historischen Wert haben.

Christus-Tafel

Die geschnitzte Holztafel, welche bei bestimmten Gelegenheiten links vom Altar aufgehängt wird, war bis zur Renovation der Kirche 1961/62 an der Kanzel angebracht. Es bestehen Zweifel, ob die Kanzel schon nach dem Bau der Kirche, 1901, solchen Schmuck trug oder erst später damit versehen wurde.
Ein Fachmann meinte, die Tafel sei kein eigentliches Kunstwerk, aber gutes Handwerk aus dem ersten Teil des zwanzigsten Jahrhunderts.

Auferstandener Christus

Diese Christus-Figur ist nach Ansicht von Fachleuten ein eigentliches Kunstwerk, das auf das Jahr 1820 datiert werden kann.
Eher selten ist bei der Darstellung des Auferstandenen, dass er, wie hier, seinen Fuss auf die Schlange (mit einem Totenschädel zwischen den Zähnen) setzt. Dies ist jedoch vielfach bei den Muttergottesbildern zu sehen. Die Figur ist in Holz geschnitzt, das mit Gips gespachtelt und mit Silber überzogen wurde, was den nachher aufgetragenen Farben einen metallischen Glanz verleiht.
Offenbar wurde die Figur des Auferstandenen früher jeweils vom Karsamstag bis zur Auffahrt über dem Tabernakel aufgestellt. So ist dies jedenfalls auf einem Bild des 1962 abgebrochenen Hauptaltars zu sehen.

Kelche

Der hier abgebildete Kelch ist eines der älteren Stücke unseres "Kirchenschatzes". Die Inschrift lautet: "Ad honorem S.Antonii de Padua. Wyl 1845". Übersetzt heisst dies: "Zu Ehren des Heiligen Antonius von Padua. Wil 1845".
Wie dieser Kelch nach Pfungen kam, ist unbekannt. Möglich ist eine Schenkung aus dem Fundus einer reicheren Pfarrei.

Dieser Kelch wurde für die Kirche Pfungen gestiftet.
Die Inschrift im Fuss lautet: "A.Ernst d.d. ex voto calicem hunc Ecclesiae Pfungensis Die Paschalis 1902", oder übersetzt "A.Ernst (Frau Alwine Ernst aus Pfungen?) schenkt diesen Kelch der Pfungemer Kirche am Ostertag 1902".

Dieser Kelch fristete während vieler Jahre ein unbeachtetes Dasein in unserer Sakristei. Die Restauratorin sagte uns damals, dass der Stil dem Übergang von der Gotik zur Renaissance entspricht, das Werk aber doch etliche Zeit später entstanden sei, was man aus den barocken Medaillons herleiten kann, die auf ca. 1700 hindeuten.

Die Herkunft dieses Kelches ist unbekannt. Seine reichen Formen, zum Teil versilbert, zum Teil vergoldet, scheinen dem Laien doch industriell gefertigt zu sein. Sein Alter wird auf knapp 80 Jahre geschätzt.

Zyborium

Herkunft und Alter des hübschen Zyboriums sind unbekannt.
Es ist keine pompöse Ausführung, dafür
zeichnen saubere Formen und eine feine Ziselierung das Gefäss zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien aus.

Wein- und Wasserkännchen

Die ältesten der eindeutig für Pfungen hergestellten Gegenstände unseres "Kirchenschatzes" sind die abgebildeten Wein- und Wasserkännchen. Die Inschrift auf dem Tablett lautet: "Carolus Schumacher Med. Doctor et Henrietta e gente Eduardi Kesselkaul ecclesiae Pfungensi orient. Aquisgrani die Nativitatis Dom. nostri J.Ch.1891". Übersetzt heisst dies: "Karl Schumacher, Doktor der Medizin, und Henrietta, Tochter des Eduard Kesselkaul, (schenken diese Kännchen) der entstehenden Kirche von Pfungen. Aachen am Tage der Geburt unseres Herrn Jesu Christi 1891".

Weihrauchfass

Lange Zeit fehlte, so meinte man, ein Weihrauchfass. Doch half einmal mehr die Suche unter den verborgenen Schätzen im Estrich.
Das abgebildete Rauchfass mit seinem
Schiffchen, gebührend instand gestellt, haben inzwischen schon mehrmals den Dienst versehen.
Herkunft und Alter der zwei schönen Stücke sind nicht bekannt.

Wettersegen-Kreuz

Wer kennt es nicht? Jeden Sonntag im Sommerhalbjahr spendet unser Pfarrer nach der Heiligen Messe den Wettersegen mit dem schönen Kreuzpartikel-Ostensorium. Es wurde 1998 von einer Spenderin, die nicht genannt sein möchte, unserer Kirche geschenkt.
Das Wettersegen-Kreuz besteht aus Silber und stammt aus Neapel. Auf der Vorderseite ist eine Kreuzpartikel-Reliquie hinter Glas zu sehen.
Die Echtheit des 1780 entstandenen Kreuzes scheint durch das noch vorhandene Siegel bezeugt zu sein.


Robert Jetzer
Hanspeter Isenegger