17.05.2012: Quergedanken

Kategorie: Aphorismen
Veröffentlicht von: ludin
Leute - Dummheit - Arbeiten usw.
(Nach einigen kirchensoziologischen Herausforderungen nun etwas Harmloseres ...)
Vor so viel Leuten

kann ich keinen Menschen sehen.

TOURISMUS-INDUSTRIE
Wer wird denn da verarbeitet?

Nicht alle dornenvollen Probleme
finden eine rosige Antwort.

Nur der Weise wird mit seiner Dummheit
auf gescheite Art fertig.

Es gibt Arbeiten, die man nicht erledigt hat,
bevor man sie anfängt.


16.05.2012: Peter Bichsel ...

Kategorie: Rezensionen
Veröffentlicht von: ludin
... erhält morgen den Grossen Schillerpreis
Rechtzeitig zu diesem Anlass konnte ich sein neuestes Werk fertig lesen und besprechen:

Peter Bichsel: Im Hafen von Bern im Frühling. Radius-Verlag 2012. ISBN-13: 978-3-87173-933-0. 190 S., ca. Fr. 25.90
Ob er an Gott glaube, fragte ein freikirchlicher Pastor den Autor Peter Bichsel. Als dieser nicht nullkommaplötzlich antwortete, warf ihm der Frager vor, Atheist zu sein. Bichsel entgegnete ihm, als frommer Mann dürfe er doch nichts dagegen habe, wenn jemand über Gott nachdenke. Solche und viele andere hintergründige Geschichten nahm Bichsel in seinen Kolumnen für die Schweizer Illustrierte (2008-2012) zum Anlass, über Gott und die Welt nachzudenken. Nicht zuletzt seine tiefgründigen Kurztexte trugen ihm 2004 den Titel eines Ehrendoktors der Theologischen Fakultät Basel ein. Am diesjährigen Auffahrtsfest wurde ihm der Grosse Schillerpreis verliehen.

16.05.2012: Konzilien ...

Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
... ohne den Papst

Die Päpste, die Nachfolger des Petrus und Stellvertreter Christi auf Erden, haben von Zeit zu Zeit den ihnen von Jesus anvertrauten „Schlüssel des Himmelreichs“ betätigt und aus dem Tresor des ihnen anvertrauten Glaubens neue Dogmen herausgeholt. So stellt sich die heutige katholische Christenheit, sofern „papstgläubig“, die Kirchengeschichte vor. Dass es anders, ganz anders war, zeigte F.X. Kaufmann in seinem Tagsatzungs-Vortrag:

„Wir sollten aber nicht vergessen, dass alle ökumenischen, also ihrer Intention nach die gesamte christliche Tradition repräsentierenden Konzilien des ersten Jahrtausends nicht in Rom, sondern im byzantinischen Raum stattgefunden haben, und zwar in der Verantwortung des Kaisers, nicht eines der fünf Metropoliten, die untereinander vielmehr immer wieder die theologischen Argumentationen mit Machtkämpfen um den Vorrang ihres Patriarchatssitzes verbanden. Der Bischof von Rom war auf diesen Konzilien in der Regel nicht persönlich anwesend, sondern nur durch Legaten vertreten. Auch ist das Neue Testament weder in aramäisch, der Sprache Jesu, noch in Lateinisch, sondern auf Griechisch verfasst worden, das zu Zeiten Jesu und danach die allgemeine Verkehrssprache im Römerreich war. Der bedeutendste Kirchenlehrer der nicht von ungefähr auch als „lateinische Kirche“ bezeichneten Kirche des römischen Patriarchats wurde Augustinus, der des Griechischen nicht mehr mächtig war. Die Entfremdung zwischen der östlichen und der westlichen Kirche war neben den politischen Entwicklungen auch ein Sprachproblem.
Doch ich will Ihnen hier keinen Crash-Kurs in Christentumsgeschichte halten, sondern lediglich das Bewusstsein für den Umstand schärfen, dass die christlichen Kirchen von Anfang an eine Mehrzahl von Traditionen pflegten, die untereinander jedoch in Austausch blieben und gerade darin ihre Einheit fanden. In dem Maße jedoch, als einzelne dieser Traditionen ihre eigenen Auffassung absolut zu setzen begannen und versuchten, andere kirchliche Gemeinschaften aus ihrer Mitte als Häretiker oder gar „Gottlose“ auszuschließen, verstärkten sie die durch politische Konflikte ohnehin zunehmenden regionalen Differenzen …“

Und heute: Gemäss neuesten päpstlichen Wünschen sollen überall auf der Welt die gleichen „Wandlungsworte“ gesprochen werden – obwohl sie in der Bibel in mehreren Varianten überliefert sind. Sonst stünde die „Einheit“ der Kirche auf dem Spiel ….

15.05.2012: Das Christentum ....

Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
... entstand nicht in Rom
Der Soziologe F. X. Kaufmann in seinem anregenden Vortrag anlässlich der Gründungsfeier von tagsatzung.ch

"Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass das Christentum seine Wiege weder in Rom noch in Byzanz, sondern im Vorderen Orient hatte, und dass es von dort aus bis weit ins Innere Asiens missioniert hat. (..)
Aus dieser umfassenden Perspektive auf die Christentumsgeschichte, die zunehmend auch in der Fachwissenschaft eingenommen wird, erscheint dann die römisch katholische Kirche als der historisch erfolgreichste okzidentale Zweig des Christentums, der sein Überleben gegenüber dem kämpferischen Islam sowohl der Missions- und Organisationskraft der römischen Kirche als auch der Tapferkeit seiner Heere und nicht zuletzt seiner geographischen Randlage verdankte. Die lateinische Kirche organisierte sich in erheblichem Umfang auf der Basis des römischen Rechts und erreichte eine Kirchendisziplin, die den östlichen Kirchen fremd blieb. Durch den Zusammenbruch des weströmischen Reichs wuchs dem Bischof von Rom eine auch politische Stellung zu, welche ebenfalls zum Erfolg der lateinischen Christenheit beigetragen hat.“

Ausserhalb des Manus fügte Kaufmann hinzu, man solle sich eine Weltkarte mit Asien als Zentrum vorstellen. Aus dieser Sicht erscheine Europa mit Italien und Rom wie ein „Wurmfortsatz“ …



14.05.2012: "Tauffeier" ...

Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
... der "tagsatzung.ch"
Die Ausweitung der bisherigen Tagsatzung im Bistum Basel auf die ganze Schweiz wurde vorgestern in Zürich gefeiert. Aus meinem KIPA-Bericht:
„Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu“: Nach diesem Lied erhielten alle die Gelegenheit, spontan Wünsche an den Geist Gottes zu richten. Schlag auf Schlag folgten innert kürzester Zeit rund 40 Begriffe wie „Phantasie, Hoffnung, Zivilcourage“. Der neu gegründeten Tagsatzung.ch wurden ebenso „Humor, Freude, Kampfgeist und Gelassenheit“ gewünscht.
Und exklusiv für diesen Blog der Hinweis, dass der Tagsatzung auch die Gabe des "Ungehorsams* gewünscht wurde (vgl. österreichische Pfarrer-Initiative; betr. Austria: An die Feier in Zürich schickte der an der Teilnahme verhinderte Chef von "wir-sind-kirche.at" seine solidarischen Grüsse. Danke, lieber Hans Peter!)

13.05.2012: Muttertag

Kategorie: Predigtauszüge
Veröffentlicht von: ludin
Nicht nur Kommerz
An keinem Sonntag fühle ich mich hier vorne so fehl am Platz wie heute. Am Muttertag müsste eine Mutter hier stehen. Sie wüsste besser als ich, was Muttersein bedeutet. Sie müssen leider mit mir vorlieb nehmen. Ich möchte jetzt nicht so anfangen wie vor 50/60 Jahren ein sehr origineller, sich vielversprechender Theologie-Professor in Luzern: „Mutter sein ist das schönste auf der Welt . Wenn ich nicht MUTTER wäre, möchte ich PRIESTER sein.“

(1. Teil: Gott als Mutter ….; lasse ich hier aus)
(2. Mutter Erde:)
Franz von Assisi spricht in seinem Sonnengesang von der Erde sowohl als Schwester wie als Mutter, „die uns ernährt und trägt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter“. Eine ganz ähnliche Auffassung haben auch die Indios Lateinamerikas mit ihrer Pacha Mama. Diese schenkt allen Geschöpfen das Leben, sie nährt und schätzt alles Lebendige.
Pacha Mama hat sogar eine kosmische Dimension: In den beiden Indio-Sprachen Quetschua und Aymara ist damit „die Mutter des Raumes und der Zeit“ gemeint, die „Mutter der Welt und des Universums“.
Befreiungstheologen wie Leonardo Boff haben diese Gedanken aufgenommen. In ihrer Schöpfungslehre rufen sie dazu auf, der Mutter Erde wieder Ehrfurcht und Respekt entgegenzubringen und aufzuhören, sie dauernd zu verletzen.

Nun gleich zum versprochenen 3. Teil zum Stichwort Muttertag. Suchmaschine Google sage und schreibe 39 Mio 700 000 Einträge/Links. An erster Stelle, nicht ganz überraschender der Hinweis, die Blumengrüsse von Fleurop würden pünktlich zum Muttertag geliefert. Und bald darauf steht auch die Aussage, in Deutschland müssten heute die Mütter nicht arbeiten, weil der Kinder und der Partner den ganzen Haushalt besorgen würden.
Dies tönt schön: Aber gerade deshalb haben heute viele Mütter Mühe mit ihrem Tag. Sie fänden es sinnvoller, wenn ihre Familie die übrigen 364 Tage etwas aktiver im Haushalt wäre.
Und was die Werbung von Fleurop betrifft: Sie ist ein Zeichen dafür, wie sehr der Muttertag verkommerzialisiert wurde. Übrigens: Er wurde erst 1914 als besonderer Tag eingeführt, von der US-Amerikanerin Anna Jevis. Das Erstaunliche: Diese Frau hat 1948 kurz vor ihrem Tod bereut, es getan zu haben, weil schon damals der Muttertag zu einem Tag der Geschäftemacherei degeneriert war.
Diese Predigt möchte ich nicht mit negativen Tönen aufhören.
• Ich gönne den Müttern, dass sie heute etwas verwöhnt werden.
• Ich gönne den Floristen ihren Umsatz (in Deutschland nehmen sie am Muttertag etwa 130 Millionen Euro ein).
Doch wenden wir uns dem Wesentlichen zu:
• Der Muttertag ist für uns eine Einladung, den Müttern zu danken; auch den Grossmüttern, die heute ja eine immer wichtigere Rolle spielen; zu danken für ihren selbstlosen Einsatz für das heranwachsende Leben.
• Der Muttertag ist auch eine Einladung, die mütterliche Seite in uns allen zu entdecken – in den Frauen wie den Männern. Ich denke da an Franz von Assisi, der seine Brüder einlud, wie eine Mutter füreinander zu sorgen:
achtsam
zärtlich
sorgsam
und einfühlsam.
(Stans: Kloster St. Klara, 9.30 Uhr; Pflegeheim 10.40 Uhr)
Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
Erpressung durch Israel
Angesichts der dt. Schuld an den Juden und der christlichen Schuld an ihnen verbiete es offensichtlich die Political Correctness, kritisch über Israel zu sprechen. Wer es trotzdem tue, werde als Antisemit gebrandmarkt, schreibt P. Oestreicher in seinem bereits zwei Mal zitierten Pufo-Beitrag. Und weiter:
„Auf diese Weise die Wahrheit zu unterdrücken ist nichts anderes als moralische Erpressung. Sie ist erstaunlich wirkungsvoll. Wer will sich heute sagen lassen, er oder sie sei Antisemit oder Neofaschist. Erst recht kein Politiker.“

Als Beispiel wird Obama angeführt. Auch aus der Schweiz gibt es Beispiele..

Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
.. und die Migranten
Kurz nachdem ich 1995 im Rahmen einer Delegationsreise in Chiapas, Südmexiko, war wurde dem dortigen progressiven Bischof Samuel Ruiz (genannt Tatic; Grossväterchen) ein konservativer Koadjutor als Aufpasser zur Seite gestellt: Raul Vera. Doch die Rechnung wurde ohne den Vatikan gemacht. Vera entwickelte sich. Wie sein Chef kämpfte er gegen Grossgrundbesitzer. Gemeinsam setzten sie verheiratete Maya-Paare für die Gemeindeleitung an.
Und Vera wurde buchstäblich in die Wüste versetzt, in den Norden, nahe der USA-Grenze mit ihren riesigen sozialen Problemen. Als er dort zu einem Gala-Essen eingeladen wurde, fragte er, ob jemand zwei bedürftige Migranten aufnehmen könne, eine schwangere Frau und einen verletzten Mann. Betretendes Schweigen! Als endlich jemand sich meldete, übergab ihnen der Bischof zwei Figuren: von Maria und Jesus. „Dieser religionspädagogische Scherz machte in ganz Mexiko die Runde“, schreibt mein lieber Kollege Thomas Seiterich im Publik-Forum.

PS: Eine reiche Frau übergab einst Helder Camara einen reichlich gefüllten Briefumschlag: „Sie können damit machen, was Sie wollen.“ „Wirklich?“ ….. „Dann bezahlen Sie damit Ihrem Personal endlich einen gerechten Lohn.“

10.05.2012: US-Bischöfe ...

Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
..... kritisieren Obamas Ja zur Homosexuellen-Ehe
Washington, 10.5.12 (Kipa) Die katholische US-Bischofskonferenz kritisiert das Plädoyer von Präsident Barack Obama für die gleichgeschlechtliche Ehe. Kardinal Timothy Dolan, Vorsitzender der Konferenz, nannte die Äusserung "sehr betrüblich". "Wir können nicht schweigen angesichts von Worten und Taten, die die Institution der Ehe untergraben würden, den wahren Eckstein unserer Gesellschaft", erklärte Dolan am Mittwochabend (Ortszeit). "

Immer wieder diese blödsinnige Unlogik: Man muss andere Formen des Zusammenlebens diskriminieren, um die Ehe zu retten. Steht es so schlecht um diese????
Kategorie: Varia
Veröffentlicht von: ludin
Die UNO: von Israel abgelehnt
Wer kann mir das Paradox erklären, das im Titel und Untertitel des heutigen Blogs aufscheint?
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Nochmals ein Abschnitt aus dem Pu-Fo-Artikel von Paul Oesterreicher „Anmerkungen eines Freundes Israels zur Grass-Debatte":
„Die Krankheit Antisemitismus lebt weiter und findet in der heutigen Politik Israels immer neuen Nährboden. Kollektive Angst ist ein schlechter politischer Wegweiser, führt leicht zu Hass und Intoleranz, zum Rassismus, den Wahrzeichen des hochmilitarisierten Israels. Dieses Land glaubt es sich leisten zu können, die Beschlüsse der Vereinten Nationen – denen Israel seine Geburt verdankt – konsequent zu missachten.“
 

Der Luzerner Kapuziner und Journalist Walter Ludin schreibt regelmässig Glossen und Buchrezensionen. www.kath.ch/ludin

P. Walter Ludin OFMCap, Luzern
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