17.05.2012: Abmeldung
Und damit meldet sich der Schreibende für vier Tage vom Schreiben ab. Nach der Auffahrtspredigt die kleine Auffahrtsbrücke. Und mitten in ihr die Unterschrift unter den Vertrag, der das Alter einläutet, die Kaufunterschrift für die seit Jahrzehnten erträumte casa im Ticino.
17.05.2012: Zölibat
Der auf sf1 ausgestrahlte Doku-Film zum Thema war seriös, historisch, theologisch und auch in der Zwiespältigkeit der vermittelten Botschaft: Der Zölibat ist als freiwillige Lebensform etwas Jesuanisch-Attraktives, aber als aufgezwungen-verordnete Lebensform nicht sinnvoll, ja gefährlich.
Die Geschichte des Pflichtzölibats, die eigentlich mehr Geschichte seiner ständigen Nichteinhaltung ist, wurde an klug ausgewählten Einzelbeispielen (ein Mittdreissiger, der sich nach Berufskarriere und mehreren gelebten Beziehungen nun auf den Zölibat einlässt; ein Ordensmann, der trotz mehrerer solcher Beziehungen nicht von seiner Klostergemeinschaft wegkommt; ein ausgestiegen-laisierter Familienvater, der doch wieder als Religionslehrer arbeitet) aufgezeigt.
Was verschwiegen wurde und wird: Bei den wirklich Jungen, die mit 24-25 Jahren den Zölibat versprechen und versprochen haben, ist der prozentuale Anteil sogenannter "sexueller Spätzünder" höher als in der Gesamtgesellschaft. So lässt die Kirche mit dem Pflichtzölibat scharf geladene emotionale Minen im Feld der Seelsorgearbeit liegen. Wehe wenn die zur falschen Zeit explodieren! Wunibald Müller hat deutlich gemacht, dass genau darum unser Problem nicht das von Pädophilen ist (deren Anteil im Klerus nicht höher ist als in der Gesamtgesellschaft), sondern genau von beliebten jungen Priestern, die nicht merken, dass sie mit 30-35 Jahren schon doppelt so alt sind wie die wilden Teenies, mit denen sie arbeiten, wenn sie sich nun auch auf den Beziehungsmarkt einlassen.
Der Schreibende weiss, wovon er schreibt, das ist keine graue Theorie. Und er ist heute heilfroh, dass er die gefährlichen Grenzen gerade noch umschiffen konnte.
Die Geschichte des Pflichtzölibats, die eigentlich mehr Geschichte seiner ständigen Nichteinhaltung ist, wurde an klug ausgewählten Einzelbeispielen (ein Mittdreissiger, der sich nach Berufskarriere und mehreren gelebten Beziehungen nun auf den Zölibat einlässt; ein Ordensmann, der trotz mehrerer solcher Beziehungen nicht von seiner Klostergemeinschaft wegkommt; ein ausgestiegen-laisierter Familienvater, der doch wieder als Religionslehrer arbeitet) aufgezeigt.
Was verschwiegen wurde und wird: Bei den wirklich Jungen, die mit 24-25 Jahren den Zölibat versprechen und versprochen haben, ist der prozentuale Anteil sogenannter "sexueller Spätzünder" höher als in der Gesamtgesellschaft. So lässt die Kirche mit dem Pflichtzölibat scharf geladene emotionale Minen im Feld der Seelsorgearbeit liegen. Wehe wenn die zur falschen Zeit explodieren! Wunibald Müller hat deutlich gemacht, dass genau darum unser Problem nicht das von Pädophilen ist (deren Anteil im Klerus nicht höher ist als in der Gesamtgesellschaft), sondern genau von beliebten jungen Priestern, die nicht merken, dass sie mit 30-35 Jahren schon doppelt so alt sind wie die wilden Teenies, mit denen sie arbeiten, wenn sie sich nun auch auf den Beziehungsmarkt einlassen.
Der Schreibende weiss, wovon er schreibt, das ist keine graue Theorie. Und er ist heute heilfroh, dass er die gefährlichen Grenzen gerade noch umschiffen konnte.
16.05.2012: Eine Swimmy-Kirche
Mir wohlgesinnte Kolleginnen erzählen mir, ich sei wegen meines Kommentars hier zu den Mottos der Erstkommunionfeiern in gewissen Kreisen zurzeit eine Art "Unperson". Ich sehe, dass ich da in ein real existierendes Wespennest getreten bin, und dass dessen Ausräucherung ein schwieriges Unterfangen ist.
Da kommt mir ein Kommentar, den Eduard Nagel vor einigen Jahren in der Zeitschtift "gd in der praxis" geschrieben hat, in die Finger. Hart formulierte er damals gegen ähnliche Kritik wie folgt: "Fast immer wird die eigentliche christliche Botschaft, die angeblich durch sie (Geschichten) vermittelt werden soll, gerade nicht getroffen." Und: "Viele bieten nicht mehr als eine sehr einfache Moral oder Einsichten, die der Volksmund in Sprichwörtern auszudrücken pflegt."
So hart wie Herr Nagel (der dies am Motto Swimmy dann explizit ausführt) will ich nicht urteilen. Irgendein Familiengottesdienst oder eine Chinderfiir kann auch einmal ein nicht biblisches profanes Motto haben, why not? Solange das nicht die Regel wird. Und solange nicht die wichtigen zentralen biblischen Mottos von Feiern wie Erstkommunion, Versöhnung und Firmung verdrängt werden.
Da kommt mir ein Kommentar, den Eduard Nagel vor einigen Jahren in der Zeitschtift "gd in der praxis" geschrieben hat, in die Finger. Hart formulierte er damals gegen ähnliche Kritik wie folgt: "Fast immer wird die eigentliche christliche Botschaft, die angeblich durch sie (Geschichten) vermittelt werden soll, gerade nicht getroffen." Und: "Viele bieten nicht mehr als eine sehr einfache Moral oder Einsichten, die der Volksmund in Sprichwörtern auszudrücken pflegt."
So hart wie Herr Nagel (der dies am Motto Swimmy dann explizit ausführt) will ich nicht urteilen. Irgendein Familiengottesdienst oder eine Chinderfiir kann auch einmal ein nicht biblisches profanes Motto haben, why not? Solange das nicht die Regel wird. Und solange nicht die wichtigen zentralen biblischen Mottos von Feiern wie Erstkommunion, Versöhnung und Firmung verdrängt werden.
15.05.2012: Die grosse Mutter
Je länger ich in der Seelsorge arbeite und je mehr Mai-Andachten ich halte, diese unzähligen Male, in der ich vor Bildern der Himmelskönigin oder auch der Mater Dolorosa stehe und neu zu verstehen versuche, desto mehr wird mir bewusst:
In der katholischen Variante der christlichen Religion ist das patriarchale Defizit des Anfangs (kulturell und geographisch bedingt und darum erklärbar) schon längst überwunden. Natürlich war es intellektuell und theologisch empörend, dass bis in die 60er Jahre hinein über eine Dogmatisierung der "Mit-Erlöserschaft" Marias diskutiert wurde, aber logisch war es doch! Gott in seiner weiblichen Gestalt, der fraulich-mütterliche Anteil Gottes, das alles findet sich in Maria. Nicht in der biblischen Maria, aber in dem Bild der grossen Mutter, zu dem sie im Verlauf der Geschichte unserer Religion geworden ist.
Wer die grosse Mutter sieht, der sieht, wie Gott auch ist.
In der katholischen Variante der christlichen Religion ist das patriarchale Defizit des Anfangs (kulturell und geographisch bedingt und darum erklärbar) schon längst überwunden. Natürlich war es intellektuell und theologisch empörend, dass bis in die 60er Jahre hinein über eine Dogmatisierung der "Mit-Erlöserschaft" Marias diskutiert wurde, aber logisch war es doch! Gott in seiner weiblichen Gestalt, der fraulich-mütterliche Anteil Gottes, das alles findet sich in Maria. Nicht in der biblischen Maria, aber in dem Bild der grossen Mutter, zu dem sie im Verlauf der Geschichte unserer Religion geworden ist.
Wer die grosse Mutter sieht, der sieht, wie Gott auch ist.
14.05.2012: Nun haben wir ihn wieder
den Ärger, denn bedauerlicherweise ist der FCSG wieder in die Krawall-League aufgestiegen. Mehr Kosten für den/die Steuerzahler/in, mehr Sachbeschädigungen und Hooliganhorden, mehr Stau rings um das Stadion.
Noi poveri! Warum nicht Bellinzona oder Aarau, warum schon wieder wir?
Noi poveri! Warum nicht Bellinzona oder Aarau, warum schon wieder wir?
11.05.2012: Der geworfene Schuh
zeigt die Aggressionen, die im Raum liegen, wenn die Causa Breivik verhandelt wird. Dass gerade der höchst liberalen Gesellschaft Norwegens dieser Prozess zugemutet wird, ist brutal. Da wäre ein Staat, der die Todesstrafe kennt und anwendet, in der besseren Lage. Wenn Herr Breivik schon als zurechnungsfähig anerkannt werden will, müsste er in den USA oder in Japan deren Folgen dann auch tragen!
10.05.2012: Wichtigkeit der Subsidiarität
Im Rahmen des Aufbaus unserer Seelsorgeeinheit fällt mir auf, wie elementar wichtig das sozialethische Prinbzip der Subsidiarität ist, vor allem wenn es darum geht, ob Mitarbeitende zufrieden sind oder ob Kompetenzstreitigkeiten aufkommen.
Wenn am Ort selber, für und mit den Betroffenen selber, Regelungen vom eigenen Kirchenverwaltungsrat erarbeitet werden, die etwa die Reservation und Belegung des Pfarreiheims, den Verkauf von Getränken im Pfarreiheim, den Ersatz des Inventars darin ... und und und ... betreffen, dann herrscht mehr Zufriedenheit und weniger Frustration als dort, wo eine zentrale Verwaltung für 14 Pfarreien eine einheitliche Regelung beschliesst, die der konkreten Situation an jedem einzelnen Ort gar nicht Rechnung tragen kann. Die kleinste und die grösste Pfarrei werden dann über einen Leisten geschlagen, die offenste und die konservativste.
Darum bin ich gegen einen Beitritt der Schweiz in das Monster EU. Darum bin ich gegen jeden Anspruch von römisch-päpstlichem Zentralismus in unserer Kirche.
Wenn am Ort selber, für und mit den Betroffenen selber, Regelungen vom eigenen Kirchenverwaltungsrat erarbeitet werden, die etwa die Reservation und Belegung des Pfarreiheims, den Verkauf von Getränken im Pfarreiheim, den Ersatz des Inventars darin ... und und und ... betreffen, dann herrscht mehr Zufriedenheit und weniger Frustration als dort, wo eine zentrale Verwaltung für 14 Pfarreien eine einheitliche Regelung beschliesst, die der konkreten Situation an jedem einzelnen Ort gar nicht Rechnung tragen kann. Die kleinste und die grösste Pfarrei werden dann über einen Leisten geschlagen, die offenste und die konservativste.
Darum bin ich gegen einen Beitritt der Schweiz in das Monster EU. Darum bin ich gegen jeden Anspruch von römisch-päpstlichem Zentralismus in unserer Kirche.
10.05.2012: Was ich schon mehrmals kritisierte und anmahnte
im Zusammenhang mit der kirchlich-religiösen Kritik an "Exit", das wird bestätigt auf den internen kath.ch-Seiten, wo wir heute lesen:
«Fallpauschalen haben zum Ziel, die Hospitalisationsdauer zu verkürzen. Für einen palliativen Patienten heisst das, dass er entlassen werden kann, ohne umfassende Vorbereitung oder Abklärung und Gesprächen mit den Angehörigen.»
Grausamer gehts nicht. Und da wundert sich noch irgendjemand, dass "Exit" so viele Neueintritte hat?
«Fallpauschalen haben zum Ziel, die Hospitalisationsdauer zu verkürzen. Für einen palliativen Patienten heisst das, dass er entlassen werden kann, ohne umfassende Vorbereitung oder Abklärung und Gesprächen mit den Angehörigen.»
Grausamer gehts nicht. Und da wundert sich noch irgendjemand, dass "Exit" so viele Neueintritte hat?
09.05.2012: Werte - Werthaltungen
Gestern Abend durfte ich bei unserem diesjährigen Firmkurs an einem Treffen dabei sein, bei dem es um das Thema Werte ging.
Erstens war es eine Freude zu erleben, wie aus diesem damals in der Primarschulzeit als schwierig geltenden Jahrgang (so meldete sich etwa Anfang vierte Klasse ein einziger neuer Ministrant) eine rechte Gruppe engagierter junger 18jähriger Menschen geworden ist, die freiwillig den Firmurs besuchen.
Zum andern machte es mir auch Freude zu diesem Thema zu referieren: Zu einer Religion gehören nicht nur dogmatische Inhalte, sondern auch ethische Werte. Und ob ein Mensch sich zu Recht Angehörige/r dieser Religion nennen darf, entscheidet sich nicht nur in der Orthodoxie, sondern ebenso und gleichberechtigt in der Orthopraxie. Die Werte der christlichen Soziallehre (Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidarität, Nachhaltigkeit) sind dabei umfassendes Anschauungsmaterial.
Erstens war es eine Freude zu erleben, wie aus diesem damals in der Primarschulzeit als schwierig geltenden Jahrgang (so meldete sich etwa Anfang vierte Klasse ein einziger neuer Ministrant) eine rechte Gruppe engagierter junger 18jähriger Menschen geworden ist, die freiwillig den Firmurs besuchen.
Zum andern machte es mir auch Freude zu diesem Thema zu referieren: Zu einer Religion gehören nicht nur dogmatische Inhalte, sondern auch ethische Werte. Und ob ein Mensch sich zu Recht Angehörige/r dieser Religion nennen darf, entscheidet sich nicht nur in der Orthodoxie, sondern ebenso und gleichberechtigt in der Orthopraxie. Die Werte der christlichen Soziallehre (Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidarität, Nachhaltigkeit) sind dabei umfassendes Anschauungsmaterial.
07.05.2012: Menschen - Menschenwürde - Schafherde
Wann hat der Mensch Würde, darf auf die volle Respektierung seiner individuellen Würde pochen?
Wann verdient der Mensch Verachtung, ist seine Würde nicht zu respektieren?
(Grässlich historischer Einschub: Genauso haben ja die Nazis ihre Politik gerechtfertigt, indem sie Menschen ihrer individuellen Würde beraubten und sie zum blossen Bestandteil eines Kollektivs machten.)
Wenn er individuell denkt, begründet, entscheidet, handelt!
Wenn er sich freiwillig (!) zum Bestandteil eines Kollektivs macht, nicht mehr selber denkt, begründet, entscheidet, handelt!
Dann sehe ich wenig Unterschied zwischen einer Schafherde, die dem Leithammel hinterher ins Verderben rennt, und unserer Spezies.
Dann hat wohl ein Primat mehr Würde, hat mehr Respekt verdient.
Wann verdient der Mensch Verachtung, ist seine Würde nicht zu respektieren?
(Grässlich historischer Einschub: Genauso haben ja die Nazis ihre Politik gerechtfertigt, indem sie Menschen ihrer individuellen Würde beraubten und sie zum blossen Bestandteil eines Kollektivs machten.)
Wenn er individuell denkt, begründet, entscheidet, handelt!
Wenn er sich freiwillig (!) zum Bestandteil eines Kollektivs macht, nicht mehr selber denkt, begründet, entscheidet, handelt!
Dann sehe ich wenig Unterschied zwischen einer Schafherde, die dem Leithammel hinterher ins Verderben rennt, und unserer Spezies.
Dann hat wohl ein Primat mehr Würde, hat mehr Respekt verdient.