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Wanderbischöfe (Episcopi vagantes)Unter episcopi vagantes versteht man Personen, die in irregulärer oder heimlicher Weise zum Bischof geweiht wurden oder solche, die, nachdem sie regulär konsekriert wurden, von der Kirche, die sie weihte, exkommuniziert wurden und mit keinem anerkannten Bischofsstuhl in Gemeinschaft stehen. Sie sind keine Erscheinung, die nur in unserer Zeit auftritt. Bereits zur Zeit der Urkirche wurden Bischöfe von einer Ortskirche ausgesandt, um zu missionieren und neue Kirchen zu gründen. Oft kam es dann vor, dass die Kontakte zur Ursprungskirche bewusst abgebrochen wurden, um als selbständige Kirche weiterzubestehen. Heute hat ein episcopus vagans meist andere Ziele: als
"umherschweifender Bischof" steht er religiös am Rande der Kirchen
und lebt - meist ohne geregelte finanzielle Zuwendungen - oft an der
Armutsgrenze. Seine apostolische Sukzession, auf die er sich beruft, um sich zu
legitimieren, ist zweifelhaft. Alle diese Bischöfe verbindet, dass sie unrechtmässig
zum Bischof geweiht wurden.
Zum Amt des Bischofs
Das Vat. II stellte in seiner Zusammenfassung der Theologie des Amtes fest,
dass den Bischöfen die Fülle des Amtes zukommt, die "aufgrund göttlicher
Einsetzung" an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten sind
(LG 20). Bischöfe werden als Weihebewerber vorgeschlagen und für einen
historischen Bischofsstuhl geweiht und - in der römisch-katholischen Kirche von
einem rechtmässigen Bischof im Einverständnis mit dem Papst unter Beachtung
kirchenrechtlicher Bestimmungen konsekriert. Für die Bewertung der episcopi
vagantes ist es von besonderer Bedeutung, dass jeder Bischof in der römisch-katholischen
Kirche sein Amt innerhalb des Kollegiums der Bischöfe in Gemeinschaft mit und
unter dem Bischof von Rom, dem Papst hat. Dazu gehören alle in der
apostolischen Sukzession (lückenlose Weitergabe des Bischofsamtes von den
Aposteln bis zu unseren Bischöfen) stehenden Bischöfe.
Folgende Kirchen stehen u. a. zur apostolischen Sukzession: die römisch
katholische, die christ-(alt-)katholische Kirche und die orthodoxen
Patriarchate. Da rein kirchenrechtlich die Gültigkeit der Weihe einzig von der
richtigen Intention und der Einhaltung des Weiheritus abhängig ist, können die
Weihen verschiedener episcopi vagantes zwar gültig, aber unerlaubt sein.
Eine immer grösser werdende Zahl von episcopi vagantes, von ihnen geweihte
Priester und Diakone, aber auch Kleinkirchen, die sich von der römisch-katholischen,
der christ-(alt-) katholischen Kirche oder den Ostkirchen getrennt haben,
berufen sich auf diese apostolische Sukzession.
Nach dem Vat. II kann jedoch eine Bischofsweihe nicht gültig sein, wenn sie
gegen die "hierarchische Gemeinschaft" stattfindet, d.h. wenn der
weihende Bischof keine Einheit mit dem Papst und dem Bischofskollegium unterhält.
So handelt es sich z.B. bei den Weihen, die Bischof Lefebvre 1988 in der
Piusbruderschaft vorgenommen hat, um Weihen gegen den Willen der römisch-katholischen
Kirche.
Sukzessionslinien
Solche Sukzessionslinien sind z.B. der Priester Anthony Aneed, der die
Byzantinisch-amerikanische Kirche gründete; Arthur Wolfort Brooks gründete die
American Protestant Episcopal Church; der rechtmässig geweihte brasilianische
Bischof Carlos Duarte Costa brach mit seiner Kirche und gründete die
Katholisch-Apostolische Kirche Brasiliens. Aus der von Rom verbotenen
Gemeinschaft der Mariaviten entstand die Altkatholische Kirche der Mariaviten
von Plock, die J. M. M. Kowalski zum Bischof wählte. Der ehemalige katholische
Priester A. H. Mathew liess sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen zum
christkatholischen Bischof weihen. Auf seine Sukzessionslinie gehen verschiedene
Kirchen, die sich liberalkatholisch oder altkatholisch nennen, zurück.
Einige Grundtypen der episcopi vagantes
- Episcopi vagantes, die sich mit von eigenen Kirchen und Akademien
verliehenen Titel schmücken. Bei ihnen können Diakons-, Priester- und
Bischofsweihen zu einem Handelsobjekt werden. Ihre Kirchen tragen gewichtige
Namen, in Verbindung mit katholisch, orthodox, christlich-charismatisch.
Erfolglose Theologiestudenten, hin und wieder laisierte Priester oder
Ordensleute versuchen mit diesen käuflich erworbenen Weihen und in eigenen
Kirchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dazu kommen Menschen
verschiedener Bildungshorizonte, die auf diese Weise ihrem Wunsch, Priester
oder Bischof zu werden, verwirklichten. Beispiele sind: die Universale
Lebenskirche Deutschlands, die Christiana Ecclesia, die Ecclesia Laetitia,
die Anglican Free Church oder die Alt-Römisch-Katholische Kirche. Namen
solcher Priester sind: Klaus-Jesko Michael Maria Eitel (tritt als
Kapuzinerpater Nikolaus oder Kamaldulenserpater Michael Maria auf); Dieter
Soumange (als Pater Augustinus aus dem Kloster Pappenheim) oder Hubert Übelhör
(Prior des Kloster Pappenheim).
- Sympatisanthen der beschriebenen episcopi vagantes: Oft erfüllen
sich Menschen, meist ohne theologische Vorkenntnisse und mangelnder
Allgemeinbildung, ihren Wunschtraum, Priester oder Bischof zu werden durch
die Konsekration durch einen Episcopus vagantes. Sie werden dadurch oft in
die dubiosen Machenschaften ihrer Vorbilder verstrickt oder gründen ihre
eigenen Kirchen mit sektiererischen Tendenzen. Dazu gehören z.B. die
Canonici Sancti Augustini Idsteinses (CSA) des "Abtes" Winfried Düngen,
der katholisch-apostolische Bischof Gall und Lukan Grabowski, Konstanz. Der
verheiratete Schwertbischof Nikolaus Schneider, aus Oberriet SG
stammend und nach Aufenthalten in Naters VS und Bazenheid SG heute wohnhaft
in Rehetobel AR, wurde durch seinen Kinder-Gebetssturm bekannt. Er wurde von
Gerard. Franck, Katholische und Apostolische Kirche, Sittard, Holland, 1977
im Gefängnis zum Bischof geweiht. Gerard Frank, der wegen homosexuellen
Praktiken mit Jugendlichen eine Gefängnisstrafe verbüsste, war von dem
Bischof Van der Made der Altrömisch-katholischen Kirche geweiht worden,
wurde jedoch von dieser Kirche später ausgeschlossen. Seine Gemeinschaft
nennt sich "Kirche der neuen Christen" bzw. Neuchristen. Zu ihnen
gehören neben einer Hauskirche mit mehreren Priestern und Bischöfen um
Nikolaus Schneider auch ein Frauenkloster mit Pia Muff als Äbtissin. In den
letzten Jahren tritt auch Romolo Braschi von der
Katholisch-Apostolisch Charismatischen Kirche Jesus König, der 1998 in München
als "Erzbischof von München, Zürich, Buenos Aires und San Salvator de
Bahia" geweiht wurde. Er unterhielt zunächst in Schlattingen SH ein
"Generalordinariat; nach Auseinandersetzungen mit der dortigen
Bewohnerin wurde dieses nun in die Mättenbergstr. 15 in 3367 Thöringen
verlegt. Herr Braschi ist jedoch nicht nur mit der christlichen Kirche
verbunden, sondern gründete bereits in München den Verein
Carismatica-Oxala-Nana, einer "Naturreligion", die als die
afro-argentinische Umbanda-Religion des Volkes Gege Naga bezeichnet wird. Über
die Rituale und Praktiken dieser Religionsgemeinschaft informiert er
entsprechend Programm an der Esoterikmesse im März 2001 in Zürich. Weitere
Gemeinschaften und Kirchen sind: Fraternitas San Francisco de Asis (Wolfgang
Sachse); Armitenorden und Franziskusstiftung (J. M. Andreas Endl), die Unabhängige
Katholische Kirche (Rüdiger Scheurich als Erzbischof und Metropolit); die
Apostolische katholisch-orthodoxe Kirche; Der Australier Kamm (Little Pebble)
glaubt, nach dem Tod von Papst Johannes Paul I dessen von Gott gewollter
Nachfolger zu sein. Auf Robert Geyer gehen zahlreiche Weihen zurück.
- Bischöfe und aus der katholischen Kirche entstandene Gemeinden und
Kirchen, die oft eine der katholischen Kirche ähnliche Struktur aufweisen: diese
Gemeinschaften versuchen, die apostolische Sukzession aufzuzeigen oder sich
auf visionäre Gründungen berufen. Dazu gehören die Priesterbruderschaft
St. Pius X des ehemaligen Bischofs Lefèbvre (1905-1991). In seinem
Protest den Verlauf des Vat. II, bereits sichtbar in der Gründung des
"Coetus Internationalis Patrum" während der Konzilszeit, dem es
um die Verteidigung der "wahren" römisch-katholischen Lehre ging,
suchte er eine Abgrenzung gegen progressive Neuerungen. Nach dem Konzil gründete
er in Fribourg/Schweiz die Priesterbruderschaft St. Pius X, für die er 1970
vom damaligen Bischof Charrière die kirchenrechtliche Anerkennung erhielt,
die ihm jedoch 1975 bereits wieder entzogen wurde. Parallel dazu entstand in
Ecône/VS das Priesterseminar. Als 1976 Bischof Lefebvre 13 Diakone und 13
Priester weihte, suspendierte Papst Paul VI ihn von allen Vollmachten des
Priester- und Bischofsamtes. Bis 1988 kam es alljährlich zu erneuten
kirchenrechtlich unerlaubten Konsekrationen, wodurch dieses Werk
entsprechend ausgeweitet wurde. Als Bischof Lefebvre die unerlaubten
Bischofsweihen von Bernhard Fellay, Bernard Tissier, Richard Williamson und
Alphonse de Galarreta vornahm, zog er sich samt seinem Mitkonsekrator A. de
Castro Mayer (emeritierter Bischof von Campos) und den neuen Bischöfen die
Exkommunikation als Tatstrafe zu. Während ein Teil der Priesterbruderschaft
Lefebvre nicht ins Schisma folgte, sondern als St. Petrusbruderschaft, mit
Zentrum und Priesterseminar in Wigratzbad, Diözese Augsburg, päpstlich
anerkannt wurde, ist die Priesterbruderschaft Pius X in 24 Staaten präsent,
gründete Schulen (in der Schweiz z. B. in Oberrried, Mels und Wil ), baut Kirchen und eine eigene
innerkirchliche Struktur auf. Die Erneuerte Kirche des Franzosen Michel
Collins (1905-1974), wurde 1958 gegründet; er selbst wurde 1933 als
Herz-Jesu Priester geweiht. Seit 1950 glaubte er sich durch eine Vision zum
Papst erwählt und nannte sich Papst Clemens XV. 1960 liess er sich in Clémery
nieder und weihte dort dort zahlreiche Bischöfe und ernannte Kardinäle (
u. a. wurde auch Paul Kuhn und Maria Gallati-Müller zu Priestern geweiht,
die später die Michaelsvereinigung in Dozwil gründeten). Die Palmerianisch-katholische
Kirche geht auf den Spanier Clemente Dominguez Gomez zurück, der
sich auf Grund einer mystischen Vision zum rechtmässigen Papst Gregor XVII
nach dem Tod Papst Pauls VI 1978 ernannte.
- Hochkirchliche Gruppen im evangelischen Raum, die versuchen, die
apostolische Sukzession in den Protestantismus zurückzubringen und
evangelischen Pfarrern die Priesterweihe zukommen zu lassen. (Beispiel: St.
Athanasius-Bruderschaft)
- Theosophische, gnostische und okkultistische Gemeinschaften und ihre
"Bischöfe": Zu diesen gehören u. a die Universale Kirche,
die 1981 in Virginia/USA durch Peter William Leach-Lewis, "Patriarch
und Erzbischof", gegründet wurde und in der Schweiz 1995/96 durch
antisemitische Verlautbarungen (verschiedene Prozesse) von sich reden
machte. Ebenfalls kann man dazu die Liberalkatholische Kirche zählen, die
ebenfalls der Theosophie zuzurechnen ist. Auch gehören dazu eindeutig
blasphemischen okkultistische Gemeinschaften wie die Gnostisch-Katholische
Kirche in Stein, AR (bis 1989) und die O.T.O (Hermann Joseph Metzger (Zürich,
Stein AR) und die Freie Orthodoxe Kirche u. a. m.
Literatur zum Thema:
Haack F.-W., Gottes 5. Kolonne, Augsburg 1976; ders., Die freibischöflichen
Kirchen im deutschsprachigen Raum, München 1980; ders., Religion und
Dekoration, München 1990; Plazinski E., Mit Krummstab und Mitra, St. Augustin
1970. König G., Episcopi vagantes, in: Lexikon der Sekten, Herder 2000. Quelle: Infosekten, 22.02.2001
Donnerstag, 22. Februar 2001 |