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Was Theologie zur Rettung der Welt vor dem Klimawandel beitragen kann
Was sagt die Bibel zum Klimawandel? Welche theologischen Einsichten können die Kirchen einer Welt anbieten, die mit einer beispiellosen ökologischen Krise konfrontiert ist?
von Juan Michel (*)Diese Fragen, gestellt bei einem öffentlichen Seminar zum Thema "Schöpfung und Klimakrise" am 15. Dezember in Kopenhagen für kirchliche Teilnehmende am UN-Klimagipfel, erscheinen nur noch dringlicher nachdem dieser Gipfel das faire, ehrgeizige und rechtsverbindliche Abkommen, auf das weltweit Millionen gehofft hatten, nicht zustande brachte.
"Es gibt keine offensichtliche Beziehung zwischen Evangelium und Klimawandel", erklärte Jakob Wolf, Leiter der Abteilung für Systematische Theologie an der Universität Kopenhagen, die das Seminar in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kirchenrat in Dänemark ausrichtete.
Allerdings müsse der Klimawandel in dem Maße, in dem er durch menschliche Aktivitäten verursacht werde, ethischen Prinzipien unterliegen, weil die Menschen für ihr Handeln Verantwortung übernehmen müssten. Die ethische Forderung der Nächstenliebe komme hier zum Tragen, da "der Planet Erde zu unserem Nächsten geworden ist", betonte Wolf – zu einem Nächsten, der "menschlichem Handeln schutzlos ausgeliefert" sei.
Ein theologisches Verständnis des Planeten und des darauf existierenden Lebens als Gottes Schöpfung verleihe diesen, so Wolf, einen eigenen Wert, der "Respekt und Liebe" bewirke. "Je mehr wir das Leben auf der Erde lieben, desto mehr sind wir zu selbstlosem Handeln bereit", erklärte Wolf.
Hier liege der Beitrag, den christlicher Glaube und christliche Theologie zur Bekämpfung des Klimawandels leisten könnten. Die Motivation dazu sei umfassend, tief und "sehr viel stärker", als wenn sie nur auf "kalten Berechnungen und kaltherziger Pflicht" aufbaue. Dies sei von zentraler Bedeutung, denn die Menschheit habe "alle Werkzeuge zur Hand", um aktive Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. "Was fehlt, ist der Wille."
Keine Apokalypse, sondern Hoffnung
Die Bibelwissenschaftlerin Barbara Rossing, Professorin an der Lutheran School of Theology von Chicago (USA), stimmte mit Wolf darin überein, dass "die Bibel nichts über den Klimawandel sagt". Aber sie zeigte sich überzeugt, dass Christen ihre Antwort auf den Klimawandel in der Bibel finden können.
Rossings Ausgangspunkt ist folgende Frage: "Wo ist Gott in dieser Krise?" Sie weist den Gedanken zurück, dass Gott die Menschheit bestrafe, und glaubt vielmehr, dass Gott "in die Klage der Welt einstimmt".
Nach ihrer Auslegung der Offenbarung "verflucht Gott die Welt nicht, sondern trauert mit ihr". Bei den Visionen von den Plagen handele es sich nicht um Vorhersagen, sondern um Drohungen und Warnungen, um Prognosen und Ankündigungen der logischen Folgen menschlichen Handelns für den Fall, dass die Menschen ihr Verhalten nicht änderten.
Für Rossing kündigt das Buch der Offenbarung jedoch nicht das Ende der Welt an, sondern das Ende des Römischen Reiches. So findet Rossing trotz der fehlenden Nachhaltigkeit der heutigen Verbrauchsstrukturen eine Botschaft der Hoffnung in der Offenbarung: "Die Katastrophe kommt nicht zwangsläufig; es bleibt noch Zeit für eine Kursänderung."
Diese "Vision der Hoffnung für heute" ist ein wesentlicher Beitrag, den die christliche Theologie und der christliche Glaube zu den globalen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel leisten können.
Ökumenische Dimension des Klimawandels
"Die Klimakrise führt uns in sehr bedrohlicher und sehr beunruhigender Weise als eine Menschheit, eine Gemeinschaft von Gläubigen, eine Kirche zusammen", erklärte Olav Fykse Tveit, ab 2010 Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK).
"Wir sind aufgerufen, ein Zeichen dafür zu geben, was es bedeutet, eine Menschheit zu sein, was es bedeutet, dass Gott die ganze Welt liebt", sagte Tveit. Durch ihr gemeinsames Engagement gegen den Klimawandel würden die Kirchen ein solches Zeichen setzen, das "uns in ganz besonderer Weise vereint: als Kirchen, als Gläubige".
Die Botschaft, dass Gott die Welt und jedes Lebewesen auf der Erde liebe, "war von Anfang an das Herzstück der ökumenischen Bewegung im Kampf gegen den Klimawandel", betonte Tveit und erinnerte an die lange Geschichte des Engagements des ÖRK für Umweltanliegen.
Auf ökumenischer Ebene sei die Bewahrung der Schöpfung immer mit dem Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden verknüpft worden. "Wir können nicht sagen, dieser Planet sei für einige von uns da", stellte Tveit fest, "dies ist ein Planet, der für alle da ist".
Diesen Punkt betonte auch Jesse Mugambi von der Universität Nairobi, der in der ÖRK-Arbeitsgruppe zum Klimawandel mitwirkt. "Die Welt ist eine Welt, in der wir alle miteinander verwandt sind; aber irgendwann haben wir beschlossen […], uns gegenseitig wie Fremde zu behandeln", meinte er.
Mugambi erklärte, der Klimawandel in Afrika verursache bereits jetzt schwere Dürren wie auch Überschwemmungen … Mit Hilfe von Landkarten zeigte er, dass die wasserreichen und fruchtbaren Teile des Kontinents zugleich die Regionen sind, in denen die größten Konflikte ausgetragen werden. Bei diesen Konflikten "geht es nicht um ethnische Zugehörigkeit, sondern um Ressourcen."
Für Mugambi haben der christliche Glaube und die Religion im Allgemeinen – über ihre leitenden Vertreter/innen, Theologen/innen und Ethiker/innen – die Rolle, "uns zu den Normen zurückzuführen", die einen Beitrag dazu leisten können, eine Herausforderung wie den Klimawandel zu meistern.
"Es geht nicht darum, den afrikanischen Ländern zu ‚helfen’", betonte Mugambi. "Es ist nicht eine Frage des ‚Helfens’, sondern eine Frage des Überlebens für uns alle."
(*) Juan Michel ist ÖRK-Medienbeauftragter.
Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK), 23.12.2009
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