Ein Geschenk für die Stadt und die Kirche St. Gallen
Katholischer Medienpreis ging mit Josef Osterwalder erstmals in die Ostschweiz
Von Rosmarie Früh / Kipa
St. Gallen, 28.6.02 (Kipa) Im Musiksaal, einem Raum im ehemaligen Kloster St .Gallen, wurde am Freitag Josef Osterwalder, dem Leiter der Stadtredaktion beim "St. Galler Tagblatt", der Katholische Medienpreis der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz verliehen. Anerkennung und Geschenk für einen, von dem es in der Laudatio heisst, er sei "ein Geschenk für die Stadt, für die Region, für die Kirche des Bistums und über die diözesane Kirchengrenze hinaus".
Religionslehrer Gregor Müller, ein Weggefährte von Josef Osterwalder und der Illustrator von dessen Büchern, die "stets unseren Gott verkünden, auch auf nebligen Wegen", hielt die Laudatio, eingerahmt von Orgelmusik, gespielt von Domkapellmeister Hans Eberhard. Feinfühligkeit, sagte der Redner, sei ein Merkmal, das die Artikel von J.O. auszeichneten und das Kürzel zu einem Gütesiegel gemacht hätten. Feinfühlig begleite er das Tagesgeschehen, das dadurch buchstäblich erlebbar werde. Feinfühlig begleite er auch schreibend die Kirche, der er in spürbarer Sorge und Zuneigung verbunden sei.
Als "aamächeliges" Bändeli um den Inhalt des Geschenkes nannte Gregor Müler den unvergleichbaren Stil, den kultivierten Humor, der zu komplizenhaftem Schmunzeln und Augenzwinkern einlade, und die nie verletzende aber immer treffend platzierte Ironie.
Keine Nabelschau
Angesichts der grossen Zahl guter Nominationen hatte die Jury die Qual der Wahl. Das Ergebnis sei jedoch nach eingehender Abklärung einmütig und überzeugt ausgefallen, konnte Jurypräsident Georg Rimann, Chefredaktor am Zürcher "forum", berichten. Josef Osterwalder wurde der Katholische Medienpreis "in Anerkennung seines redaktionellen Schaffens im Spannungsfeld von Religion/Kirche und Gesellschaft während zwanzig Jahren am kirchenunabhängigen "St. Galler Tagblatt" sowie als Autor hilfreicher Bücher zur Glaubensvermittlung in unserer Zeit" verliehen.
Damit erfülle er, so Rimann, in hohem Mass die Voraussetzung des Medienpreises, der Initiativen ins Bewusstsein rücken wolle, "die einen Beitrag im Sinne der Hoffnung des Evangeliums zur öffentlichen Meinung leisten". Ausdrücklich wies Rimann darauf hin, dass der Katholische Medienpreis aussenorientiert ist und nicht die eigene Nabelschau beweihräuchern und zum Insiderpreis verkommen will.
Übersetzer und Dolmetscher
Der Medienpastoralplan der Schweizer Bischofskonferenz plädiere in guter Gesellschaft mit päpstlichen Verlautbarungen dafür, dialogisch und transparent teilzunehmen am Konzert der Information und Meinungsbildung in allen Medien. Wer das - kontinuierlich während zwei Jahrzehnten wie der Preisträger - durchhalte, trage nachhaltig zur Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft bei. Rimann bedauerte, dass die notorischen Kritiker des Medienpreises nicht wissen wollen, wie ernst es vielen Vertretern der obersten Kirchenleitung mit dem redlichen Dialog mit der Welt sei. Gerade sie seien dankbar für Übersetzer und Dolmetscher wie Josef Osterwalder, die bei diesem Dialog immer wieder verständliche Bilder und Worte finden.
"Wir sind die Religion des lebendigen Wortes" sagte Jesuitenpater Albert Longchamp, der als Präsident der Medienkommission von Genf her angereist war. Er erinnerte daran, dass die Medien in der Gesellschaft ein soziales Gut und für sie ein geistiges Gut sind, was die Aufgabe der Medienschaffenden so verantwortungsvoll macht.
Dank an alle Medienschaffende
Normalerweise überreicht der Medienbischof Peter Henrici den Medienpreis. Da aber Josef Osterwalder ein St. Galler ist, übernahm für einmal der St. Galler Bischof Ivo Fürer diese Rolle. Er freut sich über die Ehrung von Josef Osterwalder ebenso sehr wie über die sensible Begleitung durch J.O. in der Zeitung. Werde Kritik angebracht, sei sie immer freundlich formuliert. Nicht zuletzt im Zusammenwirken der verschiedenen Konfessionen und Religionen erfülle der Preisträger eine gute Aufgabe. Bischof Ivo benützte die Gelegenheit, um allen Medienschaffenden zu danken, ist doch die Kirche im Bistum St. Gallen in den Medien ganz allgemein immer noch gut präsent.
Gemeinschaft und Fortschritt
Bevor die Gäste sich zum Apéro beim Bischof in dessen Räumen trafen, dankte ein tief gerührter Josef Osterwalder für den Preis. Er dankte auch seiner Frau und seinen beiden Kindern, die oft auf ihn verzichten müssen, entstehen doch die meisten Artikel über grundsätzliche kirchliche Themen in der Freizeit. Im Sinne von "Communio & progressio", der Medienethik der Kirche, will er weiterhin seinen Beitrag zur Gemeinschaft und zum Fortschritt der Gesellschaft leisten.
Osterwalder wurde 1940 in St. Gallen geboren. Nach dem Theologiestudium wirkte er während sechs Jahren als Pfarrer und Religionslehrer an der ökumenischen Johanneskirche Halden-St.Gallen, die er mit aufbaute. Seit 1982 ist er leitender Redaktor der Stadtredaktion des "St. Galler Tagblatt". Der Medienpreis wird seit 1994 vergeben. Er ging unter anderem an die Filmautoren Reni Mertens und Walter Marti, an den NZZ-Journalisten Hanno Helbling sowie an die Redaktion Religion des Schweizer Radios DRS.
Kritik von konservativer Seite
Die katholische Organisation Pro Ecclesia kritisiert die Vergabe des Preises an Josef Osterwalder. Die Medienkommission der Bischofskonferenz stelle sich "einmal mehr mit einer solchen Preisverleihung in eine fragwürdige Position innerhalb der katholischen Kirche". Seine "meist spöttischen Bemerkungen gegenüber der römisch-katholischen Kirche" würden "sehr viele Gläubige in ihren religiösen Gefühlen verletzen". Die Medienkommission zeige "einmal mehr, dass sie nicht gewillt ist, bei der Preisverleihung auch einmal eine Persönlichkeit auszuwählen, die nicht einem penetranten antirömischen Affekt das Wort redet".
(kipa/rf/com/gs)
Kipa, 28.06.2002
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