Flüchtlingsspiel ist keine Schockpädagogik
Rollenspiel «Stationen einer Flucht»In der Gemeinde Elgg regt sich Widerstand gegen das Rollenspiel «Stationen einer Flucht» von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH. Auf Flugblättern ist die Rede von Schockpädagogik. Michael Müller von der SFH versteht die Welt nicht mehr: «Was wir hier machen ist nicht Schockpädagogik, sondern Erfahrungspädagogik.»
Damit Kinder und Jugendliche das Leben eines Flüchtlings besser verstehen, wird dieses von der Flüchtlingshilfe in einem Spiel simuliert: Die Teilnehmenden schlüpfen dabei in Rollen von Menschen, die ihre Heimat wegen eines Bürgerkrieges verlassen müssen. Auf der Flucht werden sie von Soldaten bedroht, von Schleppern über die Grenze gebracht und im Flüchtlingscamp betreut.
Gefahr der Traumatisierung
Ende Oktober soll dieses Simulationsspiel in der Gemeinde Elgg durchgeführt werden. Nicht zur Freude aller. Ein Elternpaar wirft der SFH vor, es würde die Kinder traumatisieren. Ganz anders sieht dies Michael Müller: «Die Gefahr der Traumatisierung ist sehr klein. Wir informieren im Vorfeld klar und deutlich, was wir machen. Ausserdem gibt es eine sorgfältige Einführung ins Spiel.» Laut Müller ist das Rollenspiel nur ein Teil eines ganzen Projekttages und die Kinder können jederzeit aus dem Spiel aussteigen. Zudem habe die Leitung die Teilnehmenden stets gut im Auge und es werde nie ein Kind isoliert.
Bedenken unnötig
Die SFH bietet das Flüchtlingsspiel seit acht Jahren an. Pro Jahr wird es bis zu siebzig Mal durchgeführt. «Ein solcher Aufruhr wie in Elgg habe ich noch nie erlebt», sagt Müller. Er könne zwar verstehen, dass Eltern Bedenken haben. «Doch sie sind wirklich unnötig.» Michael Müller verweist auf die vielen positiven Rückmeldungen. «Die meisten Kinder und Jugendlichen finden gar, das Spiel sei zu harmlos.»
Warum führt die Schweizerische Flüchtlingshilfe dieses Simulationsspiel überhaupt durch? «Das Spiel basiert auf dem Konzept der Erfahrungspädagogik», sagt Müller. «Die Erfahrungspädagogik geht davon aus, dass man eine Sache erst dann kennt, wenn man sie selbst in einer ähnlichen Situation erfahren hat.» Das Spiel «Stationen einer Flucht» führe hautnah an das Leben eines Flüchtlings heran, so Müller weiter. Im Anschluss werde das Spiel jeweils reflektiert und ausgewertet.
- Spiel um Flucht und Asyl wühlt auf (Tages-Anzeiger, 10.10.2006)
- Eltern kritisieren «Flüchtlingsspiel» (Landbote, 06.10.2006)
- Projekttag Flucht und Asyl (Schweizerische Flüchtlingshilfe)
kath.ch, 20.10.2006
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